Wenn Liebe scheitert, dann gibt es dafür viele Gründe, die genauso unvorhersehbar wie individuell sind. Manchmal lässt mit der Zeit die Liebe nach, ein anderes Mal passen die Persönlichkeiten einfach nicht zusammen und manchmal sind die Lebensentwürfe und Erwartungen an ein Miteinander so unterschiedlich, dass keine gemeinsame Zukunft möglich ist. Das können unterschiedliche Ansprüche an die Zeit sein, die man miteinander verbringt oder den Ort, an dem man sesshaft werden möchte. So kann ein Kompromiss zwischen einem Ländler und einem Städter auf Dauer schwierig werden - genauso wie eine zu unterschiedliche Streitkultur. Viele Differenzen lassen sich mit einem Kompromiss gut klären und ihre Tragweite sich auf diese Weise abfedern.

Aber vor allem in einem Punkt lässt sich ein Kompromiss kaum finden, weil es eine Entweder-Oder-Frage ist: Kinder, ja oder nein? Diese Entscheidung ist deshalb so elementar und weitreichend, weil sie (zumindest für Frauen) irgendwann eine Endgültigkeit bekommt, die sich nicht mehr rückgängig machen lässt - auch dann nicht, wenn die Kinderlosigkeit inzwischen bereut wird.  

Selbst, wenn ein Paar schon längere Zeit zusammen ist und sich beide zunächst über die Kinderfrage einig waren, so ziehen die Jahre nicht unbedingt spurlos ins Land. Wer vehement gegen Kinder war, kann im fortgeschrittenen Alter plötzlich einen dringenden Kinderwunsch verspüren - und umgekehrt. Denn je näher das Ende der biologischen Fortpflanzungsfähigkeit kommt, desto eher kann es passieren, dass die Entscheidung gegen Kinder in Frage gestellt wird.

Umso wichtiger ist es Menschen auf Partnersuche, diese Frage vorab zu klären - soweit das eben möglich ist. Vor allem Menschen, deren Beziehung bereits an dieser Frage gescheitert ist, ist es ein Anliegen, diesen Konflikt mit dem nächsten Partner möglichst zu vermeiden. Dies zu Anfang eines Kennenlernens zu kommunizieren, ist jedoch eine ganze andere Sache. Denn wer bereits beim ersten Date damit konfrontiert wird, dass sein Gegenüber um jeden Preis Nachwuchs möchte, kann sich leicht auf seinen Willen zu Fortpflanzung reduziert fühlen. Aber auch der Wunsch der Gegenseite, sich möglichst gar nicht erst zu verlieben, bevor das Thema auf den Tisch kommt, ist verständlich.

Eine Möglichkeit ist es natürlich, den Wunsch nach Kindern oder aber die Entscheidung dagegen, in seinem Online-Profil zu vermerken. Das hat den Vorteil, dass jemand, der genau gegenteilig denkt, wahrscheinlich gar nicht erst den Kontakt sucht und mögliche Enttäuschungen beiden Seiten erspart bleiben. Es hat aber auch den Nachteil, dass man mit einem sehr intimen Thema sehr öffentlich umgehen muss - und das ist nicht jedermanns Sache.

Einen "richtigen" Weg, mit dem Thema umzugehen, gibt es also nicht. Wer sich gegen die Variante mit dem Profil entscheidet, muss sehr behutsam vorgehen, um das Thema an der richtigen Stelle anzusprechen. Manchmal hilft auch die Flucht nach vorn und in die Meta-Ebene. Denn wenn mein Gegenüber weiß, dass ich mich mit der richtigen Platzierung des Themas schwer tue, es mir aber dennoch ein Anliegen ist, darüber zu sprechen, fühlt er sich vielleicht nicht ganz so vor den Kopf gestoßen.

Von Lea-Patricia Kurz