Niemand hat je behauptet, dass eine Partnerschaft einfach ist. Natürlich, die Vorstellung von der Liebe selbst ist leicht und luftig, Unbesiegbarkeit ist ihr Titel und sie schafft einfach alles, weil Liebe nun einmal keine Grenzen kennt und wahre Liebe keine Hürden.

Mit der gelebten Liebe, sprich einer Partnerschaft, ist das alles aber plötzlich nicht mehr so einfach. Denn Liebe ist vielleicht nicht weltlich, der Mensch als Teil einer Gesellschaft ist es aber. Er hat einen Alltag, er hat eine Geschichte. Und diese hat in ihm Muster erzeugt, Ängste verursacht und ihn anfällig gemacht für Verletzungen und ein Ego, das sich manchmal wie eine Übermutter vor ihn stellt. Wenn sich zwei Menschen begegnen, ist der Anfang natürlich leicht und luftig, dafür sorgt die Spannung des Neuen, die Schmetterlinge - und auch die Hormone. Doch mit der Zeit treten erste Konflikte auf, Kompromisse müssen gefunden und Verhaltensweisen verstanden werden.

Die Chance

Das Gute an solchen Prozessen ist, dass man bei vorhandener Bereitschaft zu Reflexion und Wachstum, viel erreichen kann. Für sich selbst, aber auch miteinander. Wenn die Liebe es schafft, die Muster zu durchbrechen, alte Verletzungen zu heilen und ein gesundes und schönes Fundament miteinander aufzubauen - dann wird der Traum von der lebenslangen Liebe tatsächlich greifbar.

Wann Liebe scheitert

Oft jedoch ist Reflexionsvermögen leider etwas, das nicht viele Menschen in die Wiege gelegt bekommen haben. Vermittelte Werte über das eigene Ego werden oft falsch interpretiert. Sturheit, Egoismus und Egozentrik können dafür sorgen, dass Liebe scheitert.
Auch Verletzungen aus der Vergangenheit, die so tief und vielleicht sogar so traumatisch sind, dass sie nur mit professioneller Hilfe versorgt werden könnten, bringen eine Liebe zu Fall.

Und auch gegen die Unterschiedlichkeit zweier Wertesysteme hat die Liebe nur selten eine Chance. Wenn die Vorstellungen der gemeinsamen Zukunft, die Kinderfrage oder die Erwartungen an Glück und Partnerschaft sich so unterscheiden, dass kein Konsens gefunden werden kann, ist Trennung oft der bessere Weg. Frei nach dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken ...

Kampf versus Beziehungsarbeit

Beziehung ist also Arbeit, Partnerschaft ein ständiges Abwägen von Werten und Persönlichkeit - ein ewiges Auf und Ab, das mal spürbar und belastend ist und mal leicht von der Hand geht, ohne das Glück der Liebe zu stören.

Die größte Schwierigkeit jedoch liegt darin zu wissen, wann sich die Arbeit an der Beziehung lohnt. Sich Chancen geben, verzeihen können und Nachsicht üben sind nämlich genauso wichtig in einer Partnerschaft, wie die Fähigkeit, sich selbst zu behaupten und für sich zu sorgen. Dies zu unterscheiden, ist eine schwere Kunst. Und nicht selten blicken Menschen auf zerbrochene Partnerschaften zurück und sagen sich: "Wieso habe ich das so lange mitgemacht?"

Es existiert keine Regel, an der man sich orientieren könnte. Nur eine vage Überlegung, die es in den Raum zu stellen gilt: Wenn mehr Kampf als Arbeit im Spiel ist, ist das Verhältnis unausgewogen. Das darf mal so sein, aber wenn aus dem Kampf ein Krampf wird, der sich über lange Monate zieht, kann eine Auszeit manchmal Klarheit schaffen.

"Im Zweifel für die Liebe", sagen sich viele. Und Recht haben sie! Aber wer ständig an den Tischbeinen seines Selbst sägt, wird langfristig als zurechtgestutzter Tatami-Tisch enden. Wenn Sie merken, dass sie immer wieder an denselben Dingen scheitern, lassen Sie einen Tischler ran: Eine Partnerschafts-Beratung kann neue
Wege aufzeigen - auch, wenn Sie diese dann allein gehen.

Von Lea-Patricia Kurz