Vielleicht ist es die Art, wie sich Ihr Partner verändert, wenn er getrunken hat, die Sie stört, vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass Ihr Partner gern in schwierigen Situationen zum Glas greift oder Entlastung  und Entspannung nur bei einem Gläschen findet - sein Verhalten jedenfalls beunruhigt Sie. Denn immer wieder hört man von Menschen auch im nahen Umfeld, die ihre Freunde auf einmal mit einer Alkoholsucht konfrontieren. Und so ist es völlig verständlich, dass Sie sich fragen: Wie viel Alkohol ist normal und wo ist die Grenze?
Das Problem ist: Der Übergang von "Vergnügen" bis "Krankheit" ist fließend. Es gibt keine klare Grenze. Denn auch wenn das Thema Sucht in der Gesellschaft immer mehr Gehör und Aufmerksamkeit findet, Alkohol als Genussmittel ist nicht nur akzeptiert sondern auch integriert: Ob zu Festen oder feierlichen Anlässen, auf Partys, zum Essen oder einfach nur zur Entspannung: Es findet sich immer ein Grund, eine Erklärung oder gar eine Entschuldigung für den Konsum von prozenthaltigen Getränken.
Das Thema Alkohol in einer Beziehung anzusprechen, ist also nicht nur schwierig, weil es keine konkreten Anhaltspunkte gibt, auf die man sich berufen kann, sondern ebenso notwendig. Denn in Fachkreisen wird Alkoholismus auch als "Familien-Krankheit" bezeichnet, deren Verlauf gerade dadurch begünstigt wird, dass Familie und Umfeld die Probleme des Betroffenen kompensieren. Auch das Wort "Co-Abhängigkeit" wird in diesem Zusammenhang oft verwendet.
Wenn Sie also der Meinung sind, dass das Verhalten Ihres Partners Grund zur Sorge gibt, scheuen Sie sich nicht, ihn oder sie darauf anzusprechen. Einen sicheren Weg festzustellen, ob Ihr Partner tatsächlich ein Alkohol-Problem hat, gibt es aber nicht, denn die Symptome einer Alkoholsucht sind vielfältig und leider nicht immer zuverlässig: Konzentrationsstörungen, zittrige Hände und rote Augen können auch andere Ursachen haben. Doch Ihr Eindruck, dass die Gewohnheit außer Kontrolle geraten ist und Ihr Partner einem gewissen Zwang unterliegt und keinen Einfluss mehr darauf hat, was oder wie viel Alkohol getrunken wird, sollte aber reichen, um das Thema auf den Tisch zu bringen. Vertrauen Sie hier Ihrem Gefühl und seien Sie lieber einmal zu ehrlich und direkt und riskieren einen Streit, als sich später Vorwürfe zu machen.
Sollten sich Ihre Zweifel verhärten oder Sie unsicher sein, suchen Sie Hilfe bei einer Suchtberatung oder einer Selbsthilfegruppe für Angehörige. Hier sind Sie in den richtigen Händen und können schnell herausfinden, wie Sie mit Ihrer Sorge und Ihren Zweifeln umgehen können. Wichtig ist aber immer das Gespräch mit Ihrem Partner selbst - ob vor oder nach einem Beratungstermin - binden Sie ihn oder sie mit ein. Und auch wenn Ihr Partner kein Alkoholiker ist, vielleicht wird er sich durch ein rechtzeitiges Gespräch der Gefahren bewusst, die der Konsum von Alkohol trotz gesellschaftlichem Spaß-Faktor birgt, und es lässt sich eine gemeinsame Regelung finden. Denn nicht jeder, der mal ein Gläschen trinkt ist auch gleich alkoholabhängig. Aber auch nicht jeder, der glaubt, er habe alles im Griff, hat das auch tatsächlich. Verlassen Sie sich also lieber auf Ihr Gefühl.

Von Lea-Patricia Kurz