Wer auf der Suche ist nach der großen Liebe, der ist oft auch auf der Suche nach dem Ende eines Gefühls, das die meisten als unangenehm empfinden: Einsamkeit. Viele Singles beschreiben dieses Gefühl als ein quälendes Zerren in ihrem Inneren, das meist nachts über sie hereinfällt und ihnen die Nachtruhe streitig macht. Manche sprechen sogar von dem Gefühl, sich einem tiefen und dunklen Abgrund gegenüber zu sehen.

Einsamkeit ist keine Frage des Partners
Unterscheiden muss man hier zwischen dem Alleinsein und der Einsamkeit. Während Menschen, die alleine - also ohne Partner - sind, sich deshalb noch lange nicht einsam fühlen müssen, können einsame Menschen hingegen auch Menschen sein, die in einer Partnerschaft leben. Das Gefühl der Einsamkeit ist also unabhängig davon, ob man einen Partner hat oder als Single durchs Leben geht. Einsamkeit entsteht aus der Überforderung mit sich selbst - und der Irrglaube, dass dieses Gefühl sich verflüchtigt, sobald man liebt und geliebt wird, kann für großen Frust sorgen.
Doch wo ist dann der Zusammenhang zwischen der Einsamkeit und dem eigenen Beziehungsstatus?

Geteiltes Leid ist halbes Leid
Wer alleine ist, hat zwar dennoch meist Freunde oder Familie, doch fehlt ihm das, was eine Beziehung ausmacht: Das Teilen der alltäglichen aber auch der großen Sorgen mit einem geliebten Menschen. Ein Single ist auf sich allein gestellt, er geht allein ins Bett und wacht alleine auf. Es ist niemand da, der ihn morgens liebevoll aus dem Bett wirft oder ihn nach einem anstrengenden Tag bekocht, sich den Ärger aus dem Büro anhört und ihn in den Arm nimmt. Das Anstrengende am Alleinsein ist die Tatsache, dass man mit allem stets auf sich selbst zurückgeworfen wird. Momente der Schwäche und des „Sich klein Fühlens“ müssen allein getragen werden, und das Gefühl, ewig stark sein zu müssen oder sich mit sich selbst nur im Kreis zu drehen, ist es schließlich, das die Einsamkeit auslöst.
Eine Partnerschaft kann hier eine Menge kompensieren: Ein geliebter Mensch kann wie ein Spiegel sein, er reflektiert, kritisiert, bestärkt. Er zeigt eine andere Sichtweise auf als die eigene und ist somit auch eine Erweiterung des eigenen Horizonts. Man strebt gemeinsam das Glück an und die Mühsal jedes Schrittes kann durch zwei geteilt werden. Wer das Glück in der Liebe gefunden hat, kann im besten Fall im emotionalen Luxus schwelgen, auch mal die Verantwortung abzugeben.

Beziehung ist kein Heilmittel gegen Einsamkeit
Das klingt toll, ist es aber nur, wenn beide Partner in der Lage sind, die eigenen Schwächen auch selbst zu kompensieren: Wer sich also darauf verlässt, dass der Partner stets die Verantwortung für das eigene Unglück übernimmt, kann ganz schnell eine Beziehungskrise heraufbeschwören, wenn dies mal nicht der Fall sein sollte.
Für eine gute und gesunde Beziehung ist es also sogar notwendig, auch allein funktionieren zu können. Nur dann kann man auch der Einsamkeit begegnen. Wer sein Single-Dasein dafür nutzt, dieses Alleinsein zu üben und zu lernen, was er braucht, wenn er schwach und mutlos ist, der belastet später seine Beziehung nicht mehr als nötig.
Wer dies allerdings nicht gelernt hat, gerät leicht in die Erwartungshaltung, den Partner für das eigene Glück verantwortlich zu machen. Bleibt dies aus, kann auch ein liierter Mensch überfordert sein und sich einsam fühlen - trotz einer Beziehung!

von Lea-Patricia Kurz