Der Charme der anderen - was ihn tatsächlich ausmacht

Er scheint wie ein Geschenk Gottes, der die einen damit gesegnet hat und die anderen nicht. Die Rede ist vom Charme, mit dem manche Menschen sich auf eine Art durchs Leben "komplimentieren", dass man neidisch werden könnte. Haben Sie sich auch schon oft gefragt, wie Sie sich ein bisschen davon abgucken könnten?

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: Charme kann man nicht kaufen. Die gute: Man wird aber auch nicht damit geboren.
Aber was ist Charme überhaupt? Sind es die ausgeleierten Sprüche, mit denen der Gigolo an der Bar die schönste Frau im Raum um den Verstand bringt? Oder der inszenierte Augenaufschlag mit dem Ihre beste Freundin scheinbar jeden Mann um den Finger wickelt? Leider weder das eine noch das andere, denn beides ließe sich wohl in Minuten erlernen.
Charme ist eine Kunst zwischen Respekt im Allgemeinen und Individualität im Speziellen.

Aufmerksamkeit und Empathie

Jemandem Aufmerksamkeit zu schenken, kann die gleiche Bedeutung haben, wie einem Durstigen ein Glas Wasser zu reichen: Wir brauchen Aufmerksamkeit, um zu (über)leben. Ein erstes Geheimnis charmanter Menschen ist, dass sie ihre volle Aufmerksamkeit auf Ihren Gesprächspartner richten. Weder die Musik noch die vielen anderen schönen Menschen um sie herum könnten sie dazu bringen, die Augen von ihm oder ihr zu wenden oder sich im Gespräch unterbrechen zu lassen. Das Gegenüber bekommt den Eindruck, wertvoll und einzigartig zu sein. Das zweite Geheimnis: Auf diese Weise entgeht den Charmeuren nichts. Und das ist eine wichtige Voraussetzung, um empathisch zu agieren.

Keine Schauspielerei
Wer charmant sein will, muss aufhören, es zu versuchen. Denn solange man es versucht, anstatt es zu sein, bleibt es eine Rolle und wirkt aufgesetzt. Interesse und Aufmerksamkeit für den anderen müssen aus einem selbst kommen - nur dann ist es authentisch, und damit für den anderen glaubwürdig. Das ist einerseits ein Vorteil, weil man ausatmen und sich zurücklehnen kann, andererseits aber auch wenig Handhabe für diejenigen, die nach einer konkreten Anleitung suchen.

Individualität und Besonderheit

Wenn Sie Charme erlernen wollen, vergessen Sie Sprüche und einstudierte Gespräche. Besinnen Sie sich auf das, was Sie besonders und individuell macht anstatt sich an anderen zu orientieren. Schließlich wollen Sie Menschen von sich überzeugen und nicht ewig das Gefühl haben, die Rolle, die Sie vorgegeben haben, weiterspielen zu müssen. Sie sind gut so, wie Sie sind. Und es gilt, sich genau darauf zu besinnen und dieses "Anders- und Einzigartigsein" zu leben.

Das Spiel mit Worten und Momenten
Aber natürlich ist Charme auch ein Handwerk. Es geht vornehmlich um das Spiel mit Worten und Momenten. Schlagfertigkeit ist hier vielleicht ein Punkt, aber es ist nicht der wichtigste. Vielmehr geht es darum, dass man das, was man durch Aufmerksamkeit und Empathie bei seinem Gesprächspartner aufgenommen hat, später wieder aufzugreifen und in das Gespräch einfließen zu lassen und so deutliches Interesse zu signalisieren.
Die Frage nach den Chancen, Charme zu erlernen, beantwortet sich durch Häufigkeit des Übens und das Selbstbewusstsein, mit dem man an die Sache rangeht: Wenn Sie jeden Kontakt mit Menschen nutzen, um charmant zu sein, werden Sie schnell besser. Und erlangen so das Selbstbewusstsein, das Sie benötigen, um authentisch zu wirken: Je eher Sie nämlich bereit sind, auch eine Abfuhr oder ein Kontra zu kassieren, desto weniger Erfolgsdruck haben Sie und desto einfacher wird es.
Entwickeln Sie keine fixe Idee davon, charmant sein zu wollen oder jemanden von sich überzeugen zu müssen. Bleiben Sie bei sich und dem Spaß an der Sache! Schwafeln kann jeder, klug daherreden auch. Aber der Unterschied zwischen Charme und Schleim ist der, dass man auf dem einen schwebt, während man auf dem anderen ausrutscht!

Von Lea-Patricia Kurz