Schaut man sich die Zahlen an, so muss die Ehe einen schlechten Ruf haben, denn ganze 37 Prozent der deutschen Singles finden den Abschluss eines Ehevertrags nicht nur gut und sinnvoll, nein, sie würden vor der Hochzeit sogar darauf bestehen. Und das alte Klischee, dass Männer in der Liebe sehr viel pragmatischer denken als Frauen, bestätigt sich hier nur bedingt: Bei den Männern sind es 39 Prozent, bei den Frauen 35 Prozent, die sich vehement für eine vertragliche Regelung der Ehe aussprechen.

Wo früher von Romantik und Ewigkeit gesprochen wurde, zählen heute also harte Fakten. Das Leben ist eben kein Wunschkonzert, und die eigene Elterngeneration weiß davon ein Lied zu singen: Viele Singles kommen selbst aus Trennungsfamilien, in denen die Ehe nicht gehalten hat, was sie sich einst versprach. Wenn es dann zur Scheidung kommt ist der Frust auf beiden Seiten oft immens und die Vernunft schaltet sich ab. Da kann es schon mal emotionaler zugehen als während der gesamten Ehe - und Schlammschlacht und Rosenkrieg sind vorprogrammiert. Wer da einen Ehevertrag abgeschlossen hat, ist klar im Vorteil.

Interessant an dieser Studie ist der europäische Vergleich. Denn die Ergebnisse der Studie stellen hier das ein oder andere Klischee auf den Kopf: Denn auch wenn die Rangliste der Top-Befürworter eines Ehevertrags von "kühler temperierten" Ländern wie der Schweiz (46 Prozent) und Schweden (46 Prozent) angeführt wird, und heißblütigere Zeitgenossen wie die Spanier (30 Prozent) oder die Italiener (22 Prozent) erst auf den Plätzen sechs und sieben kommen, so überrascht doch, dass es ausgerechnet die Iren sind, die auf einen Ehevertrag anscheinend gut verzichten können: Dort befürworten insgesamt nur 11 Prozent der Befragten einen Ehevertrag.
Es gibt also noch Hoffnung für die reine Romantik. Doch sicherlich muss man bei solchen Zahlen auch den Wandel der Zeit berücksichtigen: Eine Scheidung ist heute viel einfach und schneller vollzogen als noch vor fünfzig Jahren, und dort wo es früher noch moralische Verachtung aus dem Umfeld gab oder es als verwerflich galt, die eheliche Flinte ins Korn zu werfen, herrscht heute zwar auch keine helle Freude darüber - aber man kann schon fast sicher sein, dass das Thema nicht jedem völlig fremd ist. Vorsicht also mit pauschalen Wertungen von Eheverträgen. "Ein Ehevertrag bedeutet nicht gleich, dass es schlecht um die Liebe steht, auch wenn bereits das Ende verhandelt wird", so PARSHIP Single- und Beziehungsexperte Eric Hegmann. "Trotz des Verliebtseins sollte ein rationaler Blick auf ein mögliches Scheitern niemanden abschrecken. Jede Partnerschaft bedeutet auch Kompromisse, Verhandlungen und Tauschgeschäfte einzugehen. Ein Paar, das sich auf einen Ehevertrag einigt, hat beste Chancen, auch im Alltag Probleme respektvoll und gemeinschaftlich zu lösen."
Und so sieht es wohl auch die Mehrheit der deutschen Singles, denn nur noch für jeden Zehnten käme ein vorehelicher Vertragsabschluss schon kategorisch nicht in Frage.

Von Lea-Patricia Kurz