Eifersucht ist nicht gleich Eifersucht - was Gene und Kultur bewirken

Immer wieder ist sie ein Thema: Eifersucht. Ob praktisch oder theoretisch, fast keine Beziehung kommt ohne sie aus. Und dabei tauchen immer wieder dieselben Fragen auf: Ist die Reaktion berechtigt oder überzogen und wie weit darf Eifersucht gehen? Denn in vielen Beziehungen kann Eifersucht zur wirklichen Zerreißprobe werden.

Wie oft haben Sie selbst schon Ihren Partner oder Ihre Partnerin beschwichtigen oder sich erklären müssen für Situationen, in denen Sie völlig unverfänglich agiert haben, die jedoch bei Ihrem Herzblatt einen Eifersuchtsanfall ausgelöst haben? Wahrscheinlich schon oft, denn Eifersucht ist und bleibt in den meisten Beziehungen ein Thema.
Und auch viele Studien haben sich bereits mit ihrer Herkunft beschäftigt. Kulturell bedingt, anerzogen oder doch eine "ganz natürliche" Reaktion? Verleugnen konnte sie bisher niemand: Eifersucht existiert. Dabei verabscheuen wir sie selbst an uns und auch wenn sie sich an uns richtet, denn wir fühlen uns schnell eingeschränkt und unserer Freiheit beraubt. Kriegt man sie nicht in den Griff, so kann sie früher oder später zum Ende einer Beziehung führen. Eigentlich merkwürdig, wo sie evolutionär doch eigentlich dafür gedacht ist, genau das zu verhindern und soziale Beziehungen eher zu schützen als sie zu zerstören. Beobachtet wurde dies bei Tieren, die sich eifersüchtig einmischten, wenn Artgenossen, mit denen sie viel Kontakt pflegten, zu nahe mit anderen Tieren anbandelten. Die Forschung erklärt dies folgendermaßen: Die Zahl der Sozialkontakte ist evolutionär eine wichtige Ressource, die unter anderem zur Verteidigung des Nachwuchses unerlässlich ist - ebenso dafür, die eigene Stellung in der Hierarchie zu verteidigen.
Vielleicht erklären sich so auch die Unterschiede in der Art, wie Männer und Frauen dieses doch recht destruktive Gefühl erleben, und worauf es abzielt: Dort, wo es Männern um das "Können" im sexuellen Bereich geht, sprich, ob der Nebenbuhler "besser" im Bett war als sie selbst, geht es Frauen um das Gefühl: Sie können einen Seitensprung eher verzeihen, wenn keine Liebe im Spiel war. Eigentlich logisch, denn es ist noch nicht so lange her, da haben Männer oft ein Leben lang ein Kuckuckskind unter ihrem Dach großgezogen und Frauen fielen berufstechnisch aus, sobald sie Mütter wurden. Dass es heute Gentests gibt und Regelungen wie Mutterschutz und Elternzeit, ist in unserem evolutionären Speicher eben noch nicht angekommen.
Doch spielt neben den Genen auch die Kultur eine immense Rolle: So wird der Fruchtbarkeit in der japanischen Kultur eine wesentlich kleine Rolle zugeschrieben, als das zum Beispiel in der brasilianischen Kultur der Fall ist. Und so überrascht es auch nicht, dass die englische Forschung vor einigen Jahren herausfand, dass die brasilianischen Männer am eifersüchtigsten sind, während Japaner hier den letzten Rang belegen.
Den Umgang mit der eigenen Eifersucht erleichtern diese Erkenntnisse aber wahrscheinlich nur temporär: Zwar können Sie, liebe Frauen, nun die kratzbürstigen Reaktionen des Liebsten besser einordnen, wenn Sie mit Freundinnen vor dem Fernseher einen anderen Mann anschmachten und die Herren können nachvollziehen, woher die Angst kommt, dass die Umarmung mit der guten Freundin eben doch mehr war - aber helfen tut wohl nur eins: Der offene Umgang mit den eigenen Ängsten und Emotionen und denen des Partners. Denn die sind und bleiben wohl - trotz genetischen Erklärungen und Beweisen aus dem Tierreich - doch immer noch ganz individuell. Und haben oft auch einfach mit schlechten Erfahrungen zu tun.

Von Lea-Patricia Kurz

 
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