Was Emanzipation und Liebe miteinander zu tun haben
Emanzipation und Gleichberechtigung sind nicht allein Themen aus Politik und Arbeitsleben. Gerade in Partnerschaften zeigt sich die Unsicherheit der Geschlechter.
"Eigener Herd ist Goldes wert", hieß es früher und Kultur und Sozialisation machten klar, dass es die Frau war, die dort zu stehen hatte. Heute heißt es eher: "Wer sich nicht wehrt, endet am Herd." Die Emanzipation der Frau ist noch lange nicht zu Ende - im Gegenteil. Sie schreitet auch im beruflichen Alltag weiter voran, was aber nicht heißt, dass sich die Dinge gefügt haben. Das ewige Thema der "Vereinbarkeit von Kindern und Karriere", die unterschiedliche Bezahlung bei gleicher Qualifikation und auch das männliche Gebaren mancher Frauen, um von männlichen Kollegen akzeptiert zu werden - die Themen sind aktuell wie nie.
Doch noch ein ganz anderes Thema situiert sich jenseits der öffentlichen Aufmerksamkeit: Was sind die Folgen dieser Verschiebung der klassischen Rollenaufteilung innerhalb einer Partnerschaft?
Früher war die Aufgabenverteilung klar: Er sorgte für Brot und Sicherheit, sie für die Kinder und den Zusammenhalt. Etwas nicht in Frage zu stellen bedeutet auch immer eine gewisse Stabilität - und mit den Fragen und Zweifeln fangen die Veränderungen an. So ist als eine Folge der Frauenbewegung die Orientierung an derartigen Rollenmodellen heute nur noch schwer zu vollziehen. Frauen sind bis in die führenden Positionen Machtzentren von Industrie und Wirtschaft vorgedrungen - längst nicht so zahlreich wie ihre männlichen Kollegen, aber allein durch eine Quote wird keine Frau es in die Führungsetage eines großen Medienunternehmens geschafft haben.
Die Gleichberechtigung zeigt sich also letztlich in der Ebenbürtigkeit von Männern und Frauen. Und für viele Paare wird genau das zur Herausforderung - denn wenn sie mehr verdient als er, offenbart sich letztlich sein Grad an eigener Emanzipation. Wie geht er damit um? Definiert er seine Männlichkeit darüber, dass die Frau ihm bildungstechnisch unterlegen oder finanziell von ihm abhängig ist, wird es schwierig.
Eine Studie von Shell, brachte ans Licht, dass ein Großteil der männlichen Befragten zwischen 12 und 25 zu alten Rollenvorstellungen tendiert. Sie sollten sich zu ihren Vorstellungen über die familiäre Aufgabenverteilung äußern und sahen sich als Alleinverdiener, während die Frau die Rolle der Mutter und Hausfrau übernehmen sollte.
Für viele Frauen ist das nicht mehr denkbar. Sie wollen mehr als nur Windeln wechseln und Hausstaub jagen, streben nach persönlicher Entfaltung und wollen die Früchte eines langen Kampfes der Frauenbewegung ernten. Konflikte sind in so einem Fall vorprogrammiert und nicht selten ist es der tendenziell unkommunikativere Mann, der so lange innerlich leidet und an sich zweifelt, bis die Bombe platzt - und es nicht mehr viel zu kitten gibt.
Wichtig ist es also, möglichst früh das Gespräch zu suchen. Reflexion und Selbst-Reflexion sind wichtige Instrumente um das eigene Mittelmaß zu finden bevor sich einer der Partner in seiner Identität so verletzt sieht, dass er nur noch gehen kann. Oft hat der Mann die Möglichkeit, beruflich selbst voranzukommen und so nicht das Gefühl zu haben, hinter der Frau abgehängt zu werden. Auch eine Trennung der Konten ist manchmal hilfreich, um Spannungen und aufkommende Nörgeleien zu beseitigen. Und bei geringem eigenen Reflexionsvermögen ist nicht selten ist eine Paar-Therapie der Weg, um die Harmonie in der Liebe wieder herzustellen.
Doch eines sei noch gesagt: Nicht nur der Mann strauchelt. Auch viele Frauen hängen noch an alten Vorstellungen und finden, der Mann sollte mehr als sie selbst verdienen. Partnerschaft bleibt eben etwas Individuelles, das sich nur in dem Maße formen kann und gestalten lässt, wie beide Partner sich damit auseinandersetzen.
Kulturelle Veränderung vollzieht sich eben nicht von heute auf morgen. Weder im Großen noch im Kleinen.
Von Lea-Patricia Kurz




