Denkt man an die griechische Geschichte mit ihrer Mythologie, ihren Göttern und Größen, so denkt man unweigerlich auch an lang gedeckte Festtafeln mit üppigen Speisen, leicht bekleidete Menschen, die sich mit allen Sinnen Leibes- und Gaumenfreuden hingeben. Man denkt an Aphrodite, die Göttin der Liebe und sinnlichen Begierde und in solchen Bildern ist vor allem eines klar: Dass Fleischeslust und Gaumenfrust nicht zusammenpassen, sondern Sinne immer auf allen Ebenen funktionieren. Nicht umsonst spricht man von Aphrodisiaka, den Mitteln, die dabei helfen, die Lust zu steigern und den Geschlechtstrieb zu fördern - und nicht selten werden diese aus bestimmten Lebensmitteln, Kräutern, Pflanzen oder Früchten gewonnen.

Isabel Allende hat in ihrem Buch "Aphrodite" das Naheliegende umgesetzt: Die menschlichen Sinne zu einer Einheit verbunden und eine Festschrift der Erotik geschaffen, die ihren Fokus auf die Küche legt.

Dann schauen Sie sich einmal an, wie ein erotisches Menü bei Isabel Allende aussehen könnte - und vor allem, was daran besonders scharf macht.

Hors d'oeurvre - "erste Bissen um die Sinne zu kitzeln"

Unsere Wahl fiel auf die "Frivole Pflaume".

Für diese Köstlichkeit werden Pflaumen in Sherry eingeweicht und anschließend mit vorher mit Muskatnuss gewürzten Walnüssen gefüllt. Ummantelt mit Speck werden sie aufgespießt und so einige Minuten gebacken. Die Pflaume ist im Übrigen in der chinesischen Kunst das Symbol für die weiblichen Geschlechtsteile.

Suppe - "Es wird heißer"

Im Anschluss an den Appetithappen geht es dann auch gleich hitziger zur Sache. Allende wählt für ihre Karottensuppe ein altes, arabisches Rezept, das noch immer ein Leibgericht bei den Männern ist, "die sich in der Liebe hervortun wollen". Nun denn, neben Mohrrüben, Gemüsebrühe und Sahne lebt diese Suppe vor allem von ihren würzenden Komponenten: Nelke, Zimt, Ingwer, Kardamom, Muskatnuss, Salz, Pfeffer und Honig. Da ist allein das Kochen schon eine Wohltat.

Vorspeise - "Verliebte Spiele, Blatt auf Blatt, Kuss auf Kuss"

Wichtig bei den "Roquefortbirnen" ist, dass sie stets frisch zubereitet werden. Genau wie Äpfel auch, verfärben sich aufgeschnittene Birnen rasch dunkel und wenig appetitanregend. Schneiden sie die Birnen in jeweils zwei  Hälften, die sie entkernen und legen Sie sie sternförmig (Nicht vergessen: Das Auge isst mit!) und mit der Öffnung nach unten in eine flache Schale. Die mit Roquefortsauce überzogenen Birnen werden anschließend mit Nüssen verziert.

Hauptgericht
- "Kamasutra… Gut, mehr oder weniger"

Wie wäre es mal mit etwas Kaviar? Isabel Allende schlägt unter anderem Pasta mit Spargel an Kaviar vor. Hierfür werden die Tagliatelle al dente gekocht, während zwischenzeitlich der Spargel in Dampf gegart wird. Auch hier gilt: Biss ist entscheidend. Längs geschnitten wird dieser nun mit Öl beträufelt und anschließend mit einer leichten Sauce (Frischkäse, Grapefruitsaft, Apfelessig, Eiweiß, Kräutern und Gewürzen) und den Nudeln in eine Schüssel gegeben. Ein hart gekochtes und gehacktes Ei und Kapern drüberstreuen und zum Schluss der pure Luxus: Ein Häufchen Kaviar in die Mitte.
Wen diese Köstlichkeiten nicht schon irgendwie anregen, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Für alle anderen empfiehlt sich Isabel Allendes Buch "Aphrodite - Eine Feier der Sinne" als Gesamtkunstwerk mit erotischen Geschichten und Bildern, Anekdoten aus Okzident und Orient und viel Poesie und Hintergrundwissen zum Reich der Sinne.

Von Lea Patricia Kurz