Das ewige Mysterium: Ab wann ist es Liebe?

Das große Rätsel der Liebe. Wann ist es Liebe? Wann Gewohnheit? Und wann vielleicht sogar nur Trieb? Viele Philosophen und ganze Religionen haben sich der Herausforderung dieses Mysteriums gestellt. Und unzählige Individuen tun es noch heute, Tag für Tag, Jahr für Jahr - und manchmal ein ganzes Leben lang.

Alles beginnt mit viel Aufhebens: Die Schmetterlinge im Bauch schlagen wild mit den Flügeln, die Gefühle fahren Achterbahn und der Verstand versagt das Denken. Die rosarote Brille zaubert ein Meer aus Blumen, wohin man auch schaut. Doch nach und nach dreht sich die Welt wieder langsamer, die ersten Konflikte erscheinen auf der Bildfläche und auch die Makel und Unzulänglichkeiten des anderen stechen mehr hervor. Vielleicht streitet man sich, vielleicht versöhnt man sich auch wieder. Manche verbringen so ihr Leben miteinander. Und manche trennen sich.

Vielleicht müsste man, um den Übergang vom Verliebtsein zur Liebe feststellen zu können, die Liebe definieren. Doch das ist sicher ein gewagtes Unterfangen - nicht mal in der Länge eines Buches ist das schaffbar. Aber einige wichtige Unterschiede lassen sich vielleicht herausgreifen:

Fakt ist zum Beispiel, dass man sich in die positiven Eigenschaften eines Menschen verliebt. Die schlechten Eigenschaften sieht man ja zunächst nicht, weil man sie entweder nicht sehen will, oder aber der andere sich - natürlich -nur von seiner besten Seite zeigt. Immer wieder liest man davon, dass das Äußere für das Kennenlernen und den Anfang einer Beziehung nun mal wichtig sei. Doch sollte man nicht vergessen, dass auch wir zivilisierten Menschen einen Fortpflanzungstrieb haben, der jeglicher Romantik entbehrt. Sich von jemandem angezogen zu fühlen, sich zu verlieben in schöne Augen oder eine tolle Figur, hat nichts mit Liebe zu. Und aus dieser alleinigen Gefühls-Ausgangs-Basis wird dann wohl auch niemals Liebe werden.

Auch die Bestätigung des eigenen Egos ist oft ein Grund, warum man sich verliebt. Umschmeichelt, bestätigt und mit Charme überschüttet zu werden, tut einfach gut. Wer würde da freiwillig nein sagen oder den anderen direkt vor den Kopf stoßen? Dazu müsste man erstmal erkennen, dass es nur um Bestätigung und Ego geht. Doch auch das Balzen wird schnell langweilig und beide gehen wieder ihrer eigenen Wege.

Interessant wird es wohl erst, wenn die ersten negativen Angewohnheiten zutage treten oder die Unterschiede zwischen einem selbst und dem Partner zu Spannungen führen. Doch auch, wenn es noch immer die gängige Meinung ist, hat die Psychologie längst herausgefunden, dass es nicht die schlechten Eigenschaften, die Ticks oder Fehltritte des anderen sind, die uns stören. Nein, es ist der Blick auf uns selbst, den wir dadurch erhalten und mit dem wir nicht klarkommen. Denn theoretisch kann es uns ja egal sein, was der andere macht oder wie er es macht. Dennoch regt es uns auf. Und das liegt daran, dass der andere ein Spiegel unserer selbst ist. Seien Sie ganz ehrlich: Ihnen fallen sicher einige Situationen mit Ihrem Partner ein, die zu Wut oder Ärger bei Ihnen geführt haben, während dieselbe Situation, dasselbe Handeln oder Nicht-Handeln Sie bei jemand anderem kalt gelassen hat.

Vielleicht kann man daraus ableiten, dass aus Verliebtsein dann Liebe werden kann, wenn man Fähigkeit und Bereitschaft hat, die Aufgaben anzunehmen, die sich aus Konflikten mit dem Partner ergeben. Und ebenfalls anzuerkennen, dass viele dieser Konflikte mit einem selbst zu tun haben - man also den anderen nicht ändern kann - sondern sich selbst akzeptieren muss. Und eigentlich gibt das doch sehr viel Hoffnung darauf, dass man auf die Liebe und ihr Gelingen doch ein wenig Einfluss hat. Denn wie hieß doch gleich der Titel eines großen Bestsellers: "Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest."

Von Lea-Patricia Kurz