Der Schatten der Vergangenheit - ist seine Ex eine Gefahr?

Wen die Vergangenheit einholt: Ist die Ex-Beziehung Ihres Partners eine Gefahr? Und wie lässt sich mit aufkeimender Eifersucht am besten umgehen?

Wenn es um den Wunschpartner geht, spaltet sich der Mensch: Was unter Teenagern noch als mysteriös und interessant galt und besonders anziehend machte, verliert mit steigendem Alter deutlich an Reiz: Ein ungeküsster Prinz macht irgendwie misstrauisch und erweckt den Eindruck, als hätte er oder sie bisher einfach noch niemanden abbekommen. Und wer weiß - vielleicht gibt es dafür ja auch einen guten Grund? Also lieber die Finger weg, bevor man sich verbrennt! Für viele ist aber auch die Alternative nicht tragbar, denn ein geküsster Prinz ist eben auch einer mit einer Vergangenheit und eine erfahrene Prinzessin hat einen großen Makel: Die Ex-Beziehung.

In einer Zeit, in der Scheidung kein gesellschaftliches Tabu mehr ist und die erste Beziehung nicht auch gleich die letzte, ist kaum jemand noch die erste große Liebe im Leben eines anderen. Nichts Ungewöhnliches also, und dennoch ist der ehemalige Partner für viele Menschen ein Problem. Besonders dann, wenn die letzte Beziehung noch nicht allzu lange her ist und die Wunden des Partners vielleicht noch gar nicht richtig verheilt sind. Die ständige Erwähnung der alten Liebe oder aufbewahrte Souvenirs einer schönen Zeit, können schnell dazu führen, dass sich ein neuer Partner als zweite Wahl fühlt oder als hingenommene Alternative. Der Ex-Partner wird als dunkler Schatten wahrgenommen, der über der jungen Liebe hängt wie ein Damoklesschwert.

Doch wie lässt sich verhindern, dass sich dieser Schatten zu einer handfesten Krise ausbaut und einen in Eifersuchtsanfällen dahinrafft?

Zunächst einmal ist ein gesundes Selbstvertrauen von Vorteil: Wer seinen eigenen Wert kennt und die Selbstliebe nicht aus der Liebe eines anderen Menschen nährt, wird sich mit Sicherheit weniger in Selbstzweifeln ergehen, als jemand, dessen Selbstwert sich in Grenzen hält.
Vergleiche zwischen sich und dem eigenen Vorgänger oder der Vorgängerin zu ziehen, ist mehr als sinnlos: Weder das Äußere noch das Charakterliche lässt sich tatsächlich vergleichen. Ein Mensch bleibt immer einzigartig und Sie wissen sicher aus eigener Erfahrung: Warum genau man sich in einen Menschen verliebt, lässt sich immer nur mit vagen Äußerungen betiteln.

Viel wichtiger als die Aufmerksamkeit auf den Ex-Partner zu richten, ist der Umgang mit den Gefühlen, die er oder sie bei Ihnen auslöst. Welche Ängste stehen tatsächlich hinter diesen Gefühlen und wodurch werden sie ausgelöst? Gibt Ihnen Ihr Partner Anlass zur Sorge? Und an diesem Punkt können Sie sogar Ihre eigenen Qualitäten unter Beweis stellen: Denn wo Vertrauen und Ehrlichkeit dominieren, sind auch offene Gespräche mit dem Partner möglich. Die eigenen Ängste zu formulieren, ohne der Eifersucht das Wort zu überlassen, ist der eine Umgang mit der Vergangenheit des neuen Partners. Und er beweist Ihre Reife und Ihr Vertrauen gegenüber Ihrem Partner.

Der andere Umgang mit dem Thema wurzelt in Ihnen selbst: Machen Sie sich bewusst, dass der Ex-Partner ihres Liebsten auch sein Positives hat: Er oder sie hat ihren Partner mit Sicherheit nicht unwesentlich geprägt. Dass die Beziehung zerbrochen ist, heißt zumindest, dass das Problem erkannt wurde. Hier hat sich also im besten Fall ein Lernprozess eingestellt, von dem Sie in Ihrer Beziehung nun profitieren werden.

Menschen leben und entwickeln sich in Interaktion mit anderen - und letztlich können Sie nicht wissen: Ist der Mensch, in den Sie sich verliebt haben, vielleicht das Ergebnis seiner Begegnung mit seinem Ex-Partner? In dem Fall ist seine oder ihre Anwesenheit in der Vergangenheit ein Segen. Und die Betonung liegt hier eben auf Vergangenheit - denn dort lebt der Ex. Sie selbst hingegen sind die Gegenwart. Und wie Sie wissen ist das die einzige, die zählt.

Von Lea-Patricia Kurz