Von Gegensätzen und Gleichgesinnten: Wenn der Job die Liebe herausfordert

Den einen Makel eines Menschen kann man tolerieren, den anderen nicht. Aber besonders schwierig ist es, wenn es sich um ein Manko handelt, das eigentlich gar nicht richtig zum Partner gehört. Zumindest nicht so unmittelbar, wie zum Beispiel eine cholerische Tendenz oder ein falscher Haarschnitt. Richtig, es geht um Jobs, die der Liebe im Weg stehen könnten.

"Irgendwas ist immer" wusste schon Loriot. Und Recht hat er, denn den Partner aus dem Katalog gibt es nicht. Irgendein Charakterzug ist immer da, der sich nicht nahtlos und harmonisch in das eigene Netz aus Eigenschaften einfügt. Trotz allem gibt es aber wohl nur wenige Menschen, die eine Liebe gänzlich in Frage stellen, weil der Partner einen Beruf hat, der gemischte Gefühle in einem auslöst.

Und genau das wird oft zum ernsten Problem: Der Job erscheint nicht wichtig genug, um jemanden zu verlassen oder den Kontakt während der Kennenlernphase abzubrechen, ist aber oft dominant genug, um Probleme zu verursachen. Denn wenn die Schichtdienste des Krankenpflegers kollidieren mit den Schichtplänen der Hotelfachfrau, dann kann Zweisamkeit zu einem raren Gut werden. Das bedeutet akribische Planung und die gemeinsame freie Zeit gut und intensiv zu nutzen. Das weitere Probleme, nämlich fehlende Zeit für Freunde und Familie, macht es nicht gerade einfacher. Aber wer hat schon gesagt, dass Liebe einfach ist? Manchmal ist auch Liebe rational und eine Frage der Planung. Und Menschen mit wechselnden Arbeitszeiten sind oft auch die Flexibleren und von daher im Vorteil.

Eine weitere Herausforderung ist dann natürlich die Art des Jobs. Dass ein Vegetarier mit einem Metzger zusammen ist, kommt wahrscheinlich eher seltener vor, aber Eifersucht glimmt wohl in jedem von uns mehr oder weniger latent vor sich hin - und wer sich dann in eine Gogo-Tänzerin oder einen Surflehrer verliebt, hat schon mal mit hochlodernden Flammen zu kämpfen.

Für viele ist dies ein K.-o.-Kriterium für eine Beziehung, doch manchmal ist die Liebe stärker oder die Möglichkeit für diesen Job ergibt sich erst im Laufe der Beziehung. Hier hilft wohl nur gnadenlose Ehrlichkeit und ebensolches Vertrauen. Denn wer sich ständig den Kopf zerbricht, nur weil der Partner "auf Arbeit" ist, wird bald unter chronischem Stress leiden. Sprechen Sie also in so einem Fall mit Ihrem Partner über Ihre Ängste und Bedenken - und geben Sie der Eifersucht keine Chance zu wachsen und einen Keil zwischen Sie zu treiben. Denn wenn Sie einmal ganz ehrlich reflektieren, ist Eifersucht eigentlich der bessere Gegner als ein falscher Schichtplan: An der Eifersucht kann man feilen, an den Arbeitszeiten meistens nicht.

Und wer einmal erlebt hat, wie sehr es einen Menschen herunterziehen kann, der seinen Job verloren hat und arbeitslos die Zeit Zuhause totschlagen muss, der wird zu schätzen wissen, dass der Partner beschäftigt ist - und seinen Job am Besten noch gern macht! Denn Arbeitslosigkeit nagt am Selbstwertgefühl und wenn das Risse bekommt, kann auf Dauer die ganze Beziehung ins Wanken geraten. Bestätigung und Aufmunterung werden dann verstärkt von Ihnen eingefordert.

Eine Partnerschaft wird Sie immer fordern - auf der einen oder anderen Ebene - und zur Liebe gehören nun einmal Kompromissfähigkeit und Toleranz. Und letztendlich ist das auch ganz gut, denn es sind doch irgendwie auch die kleinen Aufgaben und Herausforderungen, die eine Partnerschaft lebendig halten und einen selbst wachsen lassen. Stillstand ist ein Zu"stand", aber leider kein besonders schöner - denn die Liebe will bewegt sein.

Von Lea-Patricia Kurz