Gemeinsames Leben, gemeinsames Geld?

Mit dem Glück kommt auch das Geld - oder zumindest die Probleme damit. Denn wo zwei Menschen ihre Leben miteinander verknüpfen, prallt auch Finanzielles aufeinander.

Bei Geld hört die Freundschaft auf, sagt man. Aber wie sieht es mit der Liebe aus? Immerhin sind kaum zwei Menschen finanziell enger verbunden, als Liebende, die ihre Zukunft gemeinsam planen und womöglich sogar eines Tages heiraten möchten.

Das Thema beginnt schon beim ersten Date: Wer zahlt die Rechnung? Was sich als scheinbar unbedeutende Frage tarnt, ist in Wahrheit der Beginn eines oft lange anhaltenden Machtkampfes: Geld ist in unserer Gesellschaft zu einem starken Symbol geworden. Es ist Grundlage unseres Alltags und unseres Lebens. Und so wird es auch zwangsläufig seinen Platz im Rahmen einer Partnerschaft einfordern.

Denn was beim ersten Date beginnt, wird mit der Zeit nicht gerade leichter, sondern eher noch vertrackter. Zu Beginn einer Liebe helfen rosarote Brille und Schmetterlinge, Fragen des Geldes zu ignorieren oder ins Abseits zu drängen. Aber je länger eine Beziehung dauert und je enger das Leben der beiden Partner miteinander verknüpft wird, desto schwieriger kann es werden. Gemeinsam leben, heißt auch gemeinsam planen - wer schlussendlich mit seinem Partner zusammenzieht, wird finanzielle Themen nicht mehr vermeiden können. Und wenn sich die Geister an etwas scheiden, dann an der Einstellung zum Monetären.

Stark vereinfacht gibt es zwei extreme Richtungen, wie Menschen zum Geld stehen:

Für den einen ist Geld ein Mittel zum Zweck, eine Zahl auf dem Papier, die dafür sorgt, dass das Haupthaar trocken und der Bauch gefüllt ist und dass auch Lust und Laune nicht zu kurz kommen. Ist Geld da, wird es ausgegeben, ist es nicht da, wird eben gespart. Diese Menschen sind aber nicht zwangsläufig diejenigen mit regelmäßigen Einkünften, die sich weniger Sorgen machen müssen, sondern einfach Menschen, die einen distanzierten Bezug zu dieser Form von Wertäquivalent haben.

Als Pendant gibt es dazu die Menschen, die sich über Geld sehr viele Gedanken machen. Sie errechnen ihre eigenen Stundenlöhne, wenn es um die Frage geht "Renovieren oder renovieren lassen?" und werden auch bei vielen anderen Entscheidungen immer vom Geld als Gegenwert geleitet. Ihr Bezug zum Geld ist sehr eng. Sie sind zwar nicht zwingend knauserig, aber wenn sie Geld ausgeben, dann wollen sie auch wissen wofür und ob das, was sie dafür bekommen, den Preis rechtfertigt.

Entscheiden sich nun zwei Partner für einen gemeinsamen Weg, dann kann es kompliziert werden. Ob es um spontanes Geldausgeben geht oder die Anlage des Ersparten, ob neue Sportschuhe oder neue Technik, das teurere Bio-Gemüse oder die Tiefkühlpackung - hinter finanziellen Entscheidungen stehen ganze Wertesysteme, Vorlieben und Charaktere. Und immer wieder können diese aufeinander prallen und eine Beziehung auf eine harte Probe stellen.

Ein wirklicher kluger Schritt ist es also, das Thema bereits im Vorfeld zu diskutieren. Wie werden die laufenden Kosten verteilt, soll es ein Gemeinschaftskonto geben oder bleiben beide finanziell autark und teilen sich nur gemeinsame Ausgaben? Was ist mit Altersvorsorge, eventuellen Kinder- und Eigenheimplänen und jährlichen Urlaubsplanungen?

Legen Sie Ihre Bedenken auf den Tisch und schenken Sie Ihren Wünschen Beachtung. „Über Geld spricht man nicht“, haben wir gelernt, aber was einmal geklärt wurde, gibt dann auch keinen Anlass mehr zum Streit. Freiheiten sind wichtig - auch finanzielle. Und wenn nicht die totale Einigkeit über den Umgang mit Geld herrscht, dann sollte wenigstens ein Teil des eigenen Einkommens für Sie allein zur freien Verfügung stehen. Mischformen aus „allein“ und „gemeinsam“ sind oft die praktikabelsten - denn in ihr haben beide Typen Platz: Der extreme Sparfuchs und der Verschwender, der Romantiker, der alles teilen will, und der Freiheitsliebende, der sich auch mal unbemerkt etwas gönnen will.

Von Lea-Patricia Kurz