"Das bisschen Haushalt mach sich von allein, sagt mein Mann, das bisschen Haushalt kann so schlimm nicht sein." So hat es schon Johanna von Koczian im Jahre 1977 festgestellt. Doch seitdem sind inzwischen über drei Jahrzehnte vergangen - und auch der Mann von heute weiß: Der Haushalt macht sich eben nicht von allein. Und so hat eine englische Studie der Supermarkt-Kette Sainsbury's herausgefunden, dass Männer heute deutlich mehr um Haus und Sauberkeit bemüht sind, als noch vor 35 Jahren: Vier von zehn Frauen teilen sich die Hausarbeit gleichberechtigt mit ihrem Partner.

Dennoch: Die Studie zeigt auch, dass die Betonung hier wohl auf dem Wort "bemühen" liegt. Denn auch wenn die Arbeit aufgeteilt wird, so scheinen die Männer durch ihre Arbeit eher noch weitere Arbeit zu verursachen: Durchschnittlich drei Stunden pro Woche räumen die Frauen den Männern hinterher um auszubügeln, was diese bei der Hausarbeit nur unzureichend gemacht haben. Die Palette reicht dabei von falsch eingeräumter Spülmaschine, über die Unart, die Ecken beim Saugen auszulassen bis hin zum falschen Umgang mit der Kleidung beim Waschen.

Die armen Frauen, könnte man sagen. Da bleibt auch in modernen Zeiten der Gleichberechtigung die alte Rolle an ihnen hängen. Doch von wegen! Schaut man nämlich noch einmal genauer hin, was die Männer tatsächlich an Mehrarbeit beim Helfen verursachen, so bemängelten die Damen auch generelle Verhaltensweisen an ihren Partnern, wie etwa die Angewohnheit, nach dem Saugen mit Schuhen durch die Wohnung zu laufen oder nach dem Kochen das Sauberwischen von Spüle und Arbeitsplatte oder das Säubern des Herds zu vergessen.
Es ist nämlich alles mal wieder eine Frage der Kommunikation: Wie die Studie zeigte, gab gut die Hälfte der befragten Frauen ihren Partnern kein Feedback zu ihren Bemühungen im Haushalt. Und über Regeln muss man sich nicht nur einigen - man muss vor allem darüber sprechen! Die Schuld liegt also gewissermaßen auf beiden Schultern - männlichen und weiblichen.

Und noch etwas verrät die Studie - vor allem über die Damen: Nicht nur die Männer haben Lernbedarf, auch die Frauen müssen sich wohl mal an ihre eigene Nase fassen. Denn neben oben genannten Makeln wurden eben auch Dinge aufgelistet wie beispielsweise nicht gerade ausgerichtete Bettdecken, falsch gefaltete Wäsche oder schräg positionierte Sofakissen. Haushalt ist eben immer auch eine Frage der Verhältnismäßigkeiten und eine Einigung über seine Notwendigkeit. Es gibt sicher indiskutable Aspekte im Haushalt, aber viele Dinge sind eben auch Ansichtssache. Wo der eine die Unordnung als "gemütlich" empfindet, kann sie beim anderen aggressionsähnliche Zustände auslösen. Und es sollte nicht darum gehen, dass einer es dem anderen "recht" macht, sondern dass beide sich wohl fühlen im gemeinsamen Heim.

Klischees müssen nämlich erstmal erfüllt werden, damit sie auch stimmen. Und das nicht nur von einer Seite, sondern eben von zweien. Und so hält sich nach wie vor die Ansicht, dass der Mann von Grund auf der kleine Unhold im trauten Heim ist, während die Frau per se hygienischer und ordentlicher ist. Natürlich! Denn glaubt man der Werbung, duften Frauen den ganzen Tag gut, während sie auch auf der Toilette von bunten Blümchen umgeben sind.

Von Lea-Patricia Kurz