Es ist ja beinahe ein wenig so, als würde man ein Geschenk verpacken: Der Inhalt ist schon einigermaßen klar – sonst wäre es ja nicht zu dieser Verabredung gekommen – und nun muss das Ganze noch schön verpackt werden: Anzug und Schlips oder Jeans und ein sportliches Hemd bei den Herren und die Frage ob Stöckelschuh und Rock oder Hosenanzug bei den Damen – beide Geschlechter haben genug Auswahlmöglichkeiten, um sich das Leben vor einer ersten Begegnung so richtig schwer zu machen.

Der erste Eindruck zählt nach wie vor – und getreu einem alten Klischee besonders bei den Frauen. Dies hat das Ergebnis einer PARSHIP-Umfrage ergeben, die sich mit der Reaktion auf ein unpassendes Outfit der neuen Bekanntschaft beschäftigt hat. 44 Prozent der Frauen gaben hierbei an, dass ein hässliches Outfit Ihres Dates für "einen leichten Stich der Enttäuschung" sorgt. Demgegenüber waren es nur 40 Prozent der Männer.

Ein leichter Stich wäre ja noch zu verkraften, werden Sie sich denken, denn schließlich kommt es auf den Menschen an, der in dem Outfit steckt. Aber weit gefehlt! Denn viele Frauen messen dem ersten Eindruck anscheinend eine große Bedeutung bei: 11,5 Prozent der befragten Damen gaben an, stark an der Begegnung generell zu zweifeln, wenn das Outfit Ihres Flirt-Partners nicht ihren Geschmack träfe. Lediglich jede vierte Frau würde einen stylischen Fauxpas nur als "Minuspunkt" verbuchen.

Das klingt wie harter Tobak, ist bei näherer Betrachtung aber nicht ganz unverständlich, denn immerhin geht es bei der Partnersuche um eine Lebensfrage: Sie möchten einen Begleiter für ein gemeinsames Leben finden. Es ist eben kein Gang zum Supermarkt oder ein Spontan-Trinkgelage mit Kumpels, sondern ein Date, in das von beiden Seiten viel Hoffnung gesetzt wird. Dies auch mit einem gepflegten Äußeren und einem Mindestmaß an Überlegung bei der Wahl des Outfits zu zeigen, ist auch eine Frage von Respekt. Hier eine Verbindung zu ziehen zwischen äußeren und inneren Werten ist also gar nicht so abwegig.

Doch auch wenn man gerade den Männern nachsagt, viel Wert auf Äußerlichkeiten zu legen, scheinen sie in punkto Kleiderauswahl ein wenig toleranter zu sein: 21 Prozent der Herren würden Ihrem Date sogar einen Freibrief in Sachen Garderobe ausstellen. Bei den Frauen sind es nur 9 Prozent. Ausgeschlossen wurden dabei allerdings die totalen Fehlgriffe, wie Jogginghose oder löchrige Jeans.

Auch bei der Frage, ob er oder sie vielleicht einfach nur eine neue Liebe als Einkaufsberater(in) braucht, zeigten die Männer ein wenig mehr Verständnis: 11 Prozent der Männer bejahten dies, aber nur 9 Prozent der Frauen. Vielleicht kann man dies auch als einen Effekt der weiblichen Selbständigkeit betrachten: Frau möchte einfach nicht mehr für die Garderobe des Mannes verantwortlich sein, so wie es lange Zeit die gesellschaftliche Aufgabe einer Ehefrau gewesen ist. Und das ist letztlich auch etwas, was die Herrenwelt positiv sehen kann: Denn wirklich mögen tut es doch keiner, wenn man ihm nicht zutraut selbständig einen guten Eindruck machen zu können.

von Lea-Patricia Kurz