Ein Adliger heiratet keine Bürgerliche, eine Millionärin keinen Tellerwäscher und eine Prinzessin keinen Frosch. So steht es in der Geschichte. Und Geschichte schreibt sich fort.

Wenn auch vielleicht in weniger ausgeprägter Form, so spielen kulturelle und soziale Rahmenbedingungen und familiäre Hintergründe tatsächlich auch heute noch eine Rolle für das Liebesleben zweier Menschen. Denn das Umfeld, in dem ein Mensch aufwächst, prägt sein Wertesystem, den Rahmen seiner Kultur und damit auch die Art und Weise, wie er Leben und Liebe betrachtet und sich innerhalb ihrer Grenzen bewegt.

Bedenken zu haben, wenn das Leben des neuen Partners sehr von dem eigenen abweicht, ist also erst einmal völlig normal. Auch die Angst, die neue Liebe der eigenen Familie vorzustellen, kann Bauchschmerzen machen. Wirklich kritisch wird es nur dann, wenn Sie sich von diesen Ängsten und Zweifeln leiten lassen, wenn die Ängste ihre Wünsche dominieren oder die Meinung der anderen wichtiger ist, als die eigenen Gefühle zu Ihrem neuen Partner.
Finden Sie also zunächst einmal heraus, wessen Skepsis Sie ins Grübeln bringt: Ihre eigene oder die von Familie und Freunden. Denn nur dann können Sie diesen Bedenken auch entsprechend gegenübertreten.

Die Bedenken der anderen
Die Angst, dass die eigene Familie Ihren neuen Partner ablehnt, kann schon Bauchschmerzen bereiten. Der Schulabschluss ist nicht besonders hoch oder der Beruf nicht sehr angesehen? Er lebt in einem Wohnmobil oder hat fünf uneheliche Kinder? Er ist Handwerker, während Ihre gesamte Familie akademische Wege eingeschlagen hat? Und Ihre Bedenken kommen nicht von ungefähr: Denn die Werte, in die Sie sich verliebt haben, sind für Freunde und Verwandte nicht oder nicht auf Anhieb erkennbar. Sie müssen damit rechnen, dass es zunächst die äußerlichen - beziehungsweise Rahmenbedingungen wie Herkunft, Aussehen und Platz in der Gesellschaft - sind, durch die sich dem oder der "Neuen" genähert wird. Und alles, was sich dabei fern der eigenen Welt situiert, erscheint erst einmal fremdartig und weit weg.

Hier gibt es nun zwei Möglichkeiten: Entweder schaffen Sie es über den schiefen Blicken zu stehen, mit denen man Ihren neuen Partner eventuell tangiert, oder aber Sie wagen den Angriff nach vorn und sprechen mit Ihrer Familie. Warnen Sie sie vor und beobachten Sie die Reaktionen. So können Sie eventuelle Diskussionen bereits im Vorfeld führen oder klarmachen, wie Sie darüber denken - und das erste Treffen geschickt beeinflussen, bevor es überhaupt stattgefunden hat.

Die eigenen Bedenken
Schwieriger ist es da mit den eigenen Zweifeln - diese betreffen meist nicht die Rahmenbedingungen eines Menschen, sondern die Konsequenzen daraus. Denn die Unterschiede in Bildung und Herkunft können sich in Konfliktsituationen darin äußern, dass sich einer dem anderen unter- oder überlegen fühlt. Das wiederum führt zu einem Missverhältnis zwischen den Liebenden und kann dauerhafte Schwierigkeiten mit sich bringen. Kann, muss aber nicht. Denn so sehr wir auch von Eltern und Umfeld geprägt sind - wir sind auch Menschen mit einer eigenen Geschichte. Und manchmal sind es eben auch genau diese Unterschiede, die ein Paar besonders glücklich sein lassen.

Denn machen Sie sich immer klar: Das, was Sie an Zweifeln gegenüber den Rahmenbedingungen Ihres Partners haben, sind konditionierte und sozialisierte Dämonen, die Ihrer Liebe im Weg stehen. Mit einer gesunden Portion Reflexion lässt sich auch die eigene Kultur überdenken und in ihre Schranken weisen. Denn ob Ihr Liebster nun Abitur hat oder Hauptschulabschluss, aus einer kriminellen Familie kommt oder einem anderen Kulturkreis - letztendlich sind Unterschiede ja zunächst einmal ganz wertfrei. Erst das, was Sie aus ihnen machen, kann aus einem Unterschied ein Problem werden lassen.

Von Lea-Patricia Kurz