Warum es eigentlich ideal ist, nicht ideal zu sein
Wir begegnen ihnen überall - Hochglanzbildern von perfekten Menschen, die das Idealbild unserer Gesellschaft darstellen: Schlank, kurvig und mit vollen Lippen oder muskulös mit einem Waschbrettbauch und einem kantigen Kinn. Und dazu noch unglaublich erfolgreich. Wer kann da schon mithalten?
Die Werbung sagt uns, wie es sein soll - und vor allem, wie es geht. Denn zu den Äußerlichkeiten kommen noch andere äußere Faktoren, die die Anziehungskraft auf andere fördern: Beruflicher Erfolg und damit einhergehend gewisse Statussymbole wie Auto, Handy oder Kleidung. An all dem misst sich Attraktivität - und an ihr werden wir gemessen. Auch bei der Partnersuche.
Materielle Werte ließen sich zur Täuschung noch irgendwie arrangieren, doch will man sich nicht gerade unter das Messer legen, so kann man an seinem Äußeren nur bedingt tricksen. Wer starkes Übergewicht hat, eine schiefe Nase oder Segelohren, wird damit wahrscheinlich nicht erst bei der Partnersuche konfrontiert, sondern hat immer wieder in seinem Leben Ablehnung und vielleicht sogar Hänseleien erfahren. So etwas beeinflusst vor allem das eigene Selbstbild negativ. Und genau an dem müssen Sie arbeiten, wenn Sie dem Ideal eben nicht entsprechen und deshalb Komplexe haben.
Die Selbstwahrnehmung gerade rücken - nicht die Nase!
Ein erster Schritt ist, sich klarzumachen, dass das "Selbstbild" sich eben an Kriterien orientiert, die wir nicht "selbst" gewählt haben. Konditionierungen durch Kultur und Gesellschaft sagen uns bis zu einem gewissen Punkt, was schön ist und was nicht. Es tröstet nur bedingt, aber es hilft zu erkennen, dass es kaum Menschen gibt, die diesem Ideal tatsächlich entsprechen, und dass auch die Hochglanz-Magazine noch einmal kräftig mit Bildbearbeitungsprogrammen hantieren, ehe die Perfektion erreicht ist.
Hilfreich kann es sein, enge Vertraute oder die Familie zu befragen, was sie an Ihnen schätzen. Die Antworten sind oft erstaunlich und können Ihre negative Vorstellung vom hässlichen Entlein massiv erschüttern. Man ist meist schöner als man glaubt, was ganz einfach daran liegt, dass unser Blick auf uns selbst mit der Zeit nur noch selektiert wahrnimmt: Je länger wir auf einen Makel schauen oder uns mit ihm beschäftigen, desto auffälliger und störender erscheint er uns.
Schön ist nicht gleich schön
Überlegen Sie nicht, was ein potentieller Partner sich wünschen könnte. Zwar prägt die Kultur unser Empfinden von Schönheit und Ästhetik, aber im Laufe des Lebens unterliegt dieser Maßstab vielen anderen Einflüssen und Faktoren. Nicht jeder möchte ein Supermodel an seiner Seite. Viele empfinden gerade die Diversität menschlichen Aussehens als reizvoll. Und auch Studien beweisen: Zwar wird das ebenmäßige Gesicht, das allen Idealen entspricht, als schöner empfunden, aber als interessanter gelten immer die makelhaften Gesichter, die nicht symmetrisch sind oder in ihren Proportionen von der gesetzten Norm abweichen. Und ganz ehrlich: Ideale können auch ganz schnell langweilig werden.
Versuchen Sie nicht, jemand zu sein, der Sie nicht sind!
Versuchen Sie, mit der Zeit eine gesunde Einstellung zu sich, Ihrem Körper und Ihrem Leben zu bekommen. Es gibt nicht umsonst den Spruch: "Vor der Liebe kommt die Selbstliebe." Seien Sie liebevoll zu sich und versuchen Sie, Ihrem Leben eine Richtung zu geben, die Ihnen und Ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht. Wenn Sie sich dann noch gesund ernähren und Sport machen, dann haben Sie eigentlich schon viel dafür getan, das zu ändern, was sich ändern lässt. Und was - aus welchen Gründen auch immer - nicht zu verändern ist, müssen Sie akzeptieren. Denn gerade bei der Partnersuche geht es um Individualität und Akzeptanz. Wer Sie mit Ihrem Übergewicht oder Ihren kleinen Augen nicht will, will auch nicht wirklich Sie. Und so schmerzhaft solche Abfuhren auch sind: Seien Sie stolz darauf, nicht austauschbar zu sein.
Von lea-Patricia Kurz




