In etwa so läuft es wohl auch überwiegend ab - zumindest, was die Couch betrifft. Und auch der Jogging-Anzug und die individuelle Frisur sind nicht das Problem. Denn Online-Dating bietet in der Tat viele Vorteile. Besonders für Menschen, die sich in den gängigen Konventionen nicht sicher fühlen, etwas schüchterner sind oder einfach nur so introvertiert, dass sie bei einer Konversation von Angesicht zu Angesicht stets den ersten Eindruck verspielen. Man wiegt sich zunächst in einer schützenden Anonymität und kann sich ausprobieren ohne sein Gesicht zu verlieren. Und durch die zeitliche Flexibilität lassen sich auch die kantigen Seiten zunächst gut verbergen.
 

Randbedingungen als Grundbedingungen

Aber auch wenn Sie ein extrovertierter Mensch sind, der ohne Probleme auf andere zugehen kann, gibt es ganz pragmatische und unromantische Gründe, die das Online-Dating zu einer reizvollen Alternative machen: Die größere, da überregionale, Reichweite verspricht eine höhere Trefferquote, als sie die analogen Flirt-Areale je bieten könnten – und neben Zeit spart man auch Geld und die eine oder andere Enttäuschung. Denn mithilfe handfester Kriterien können Sie eine Vorauswahl treffen, ohne erst Geld für ein Essen im Restaurant oder neue Klamotten ausgeben zu müssen und Stunden in ein adäquates Styling zu investieren. Der Sportmuffel kann den fanatischen Fußballfan aussortieren und der Mensch mit großem Drang zu Harmonie und festen Tagesabläufen umgeht die Krankenschwester mit Schichtdienst. Je nachdem, wie detailliert Ihr Gegenüber sein Internet-Profil ausgefüllt hat.
 

Mehr Schein als Sein?
 
Aber genau da liegt auch der Hund begraben. Denn wie man es dreht und wendet, die Medaille bleibt auch hier zweiseitig. Und so bringt jeder Vorteil auch meist den einen oder anderen Nachteil mit sich. So kann zum Beispiel die zeitliche Flexibilität mit der Sie Ihre ungehobelten Phasen verbergen, genauso von Ihrer neuen Bekanntschaft in der Anonymität der Online-Welt genutzt werden - nur eben mit anderen Beweggründen. Wen haben Sie wirklich vor sich? Sind die Vorzüge vielleicht tatsächlich nur (an den Haaren) "hervorgezogen"? Ist das Foto im Online-Profil auch wirklich echt - oder vielleicht unverhältnismäßig bearbeitet oder stellt im schlimmsten Fall sogar jemand gänzlich anderen dar? Und von wie viel Ernsthaftigkeit können Sie bei Ihrer Internet-Bekanntschaft ausgehen? Sind Sie vielleicht nur ein Flirt neben einer schon bestehenden Beziehung? All das wissen Sie nicht - bis zu einem ersten realen Treffen.
 

Sucht statt Suche

Ob Sie die Online-Partnersuche nun aus pragmatischen Gründen gewählt haben oder zu den Menschen gehören, die auf diese Weise eine gewisse soziale Unsicherheit kompensieren – Sie sollten Sie sich auch über das Risiko des Online-Datings klar sein: Sie wären nicht der erste Mensch, dessen Rückzug ins Internet – aus welchen Gründen auch immer - in einer Online-Sucht endet. Zu verlockend das Sich-Verlieren in einer Projektion, die von der Wirklichkeit mehr und mehr abweicht, je mehr Zeit verstreicht. Doch Zeitverlust ist hier nur ein Randproblem. Viel schwieriger ist der Umgang mit der Erkenntnis, dass Sie vielleicht den Punkt verpasst haben, an dem ein reales Treffen noch der "natürliche nächste Schritt" gewesen wäre.

Ob Sie sich nun also bei der analogen Partnersuche im Nachtleben und im privaten Umfeld wohler fühlen oder die Vorzüge einer Online-Partnersuche nutzen möchten, Ziel sollte ein reales Treffen mit einer realen Partnerschaft sein - und auch bleiben. Bedienen Sie sich der Vorzüge des Internets, aber vergessen Sie nicht, aus der Digitalität auch wieder auszutreten.

Von Lea-Patricia Kurz