Die Vorteile, die es hat, sich im Internet nach einem Partner umzusehen, sind wirklich überzeugend: Noch bevor sich ein enttäuschendes Date neben das andere reiht, lassen sich nicht unwichtige Fakten wie Wohnort und Alter herausfiltern. Seriöse Partnervermittlungsagenturen wie PARSHIP, haben gar ein Matching-System entwickelt, das auch die Charaktereigenschaften und Wünsche und Ziele im Leben berücksichtigt und nur passende Partner zueinander bringt. Und nicht zuletzt ist der visuelle Vorteil gegeben: Ein Foto zeigt dem interessierten Single, ob es sich bei dem anderen vielleicht sogar auch optisch um die Vorstellung vom Traumpartner handelt.

Und genau das führt leider auch immer wieder das eine oder andere schwarze Schaf in Versuchung: Da wird schnell mal ein Foto aus schlankeren oder jüngeren Tagen verwendet oder gar mit einem Bildbearbeitungsprogramm nachgeholfen. Und ganz schlimme Finger borgen sich gar das Gesicht eines anderen Menschen. Die Motivation auf der einen Seite ist oft genauso einfach, wie die Enttäuschung auf der anderen Seite groß ist. Denn wer sich beim ersten Date auf einmal einem visuell völlig Fremden gegenübersieht, schaut oft mehr als nur dumm aus der Wäsche.

Betrachten wir die Medaille doch mal von beiden Seiten:
Die Motivation, beim Profilfoto ein wenig zu schummeln, ist klar - man ist mit seinem jetzigen Äußeren nicht zufrieden. Das kann verschiedene Gründe haben: Vielleicht hat man mit den Jahren an Gewicht zugelegt, hat einen angeborenen Schönheits"fehler" oder ist einfach nur älter geworden. Manch einer findet sein Äußeres auch generell so unattraktiv, dass er glaubt, damit niemals ein Date bekommen zu können. Da ist es einfacher, beim Foto ein wenig nachzuhelfen oder sich kurzfristig mit einem fremden Gesicht zu schmücken und so zumindest erst einmal in Kontakt mit einem Single zu kommen. Die Hoffnung dahinter ist natürlich die, während des schriftlichen Austauschs und eventuellen Telefongesprächen mit Charakter überzeugen zu können, so dass der Schock beim ersten Treffen nicht mehr ganz so schwer wiegt. Aber genau das geht meist nach hinten los…

Denn betrachten wir nun die andere Seite, so können wir das Kind gleich beim Namen nennen: Der "Betrogene" ist natürlich nicht begeistert! Wurde er doch tatsächlich an der Nase herumgeführt und geben wir es zu: Das wird niemand gern, weil all die Vorstellungen und Träumereien, die sich während der digitalen Kennenlernphase vor dem geistigen Auge aufgetürmt haben, zumindest auf falschen visuellen Tatsachen beruhten. Und dabei können Träume so visuell sein! Wer beim Foto betrügt, stellt von vornherein ein Ungleichgewicht her, da die Begegnung mit einer Unwahrheit beginnt - und das sind sicher keine idealen Voraussetzungen für ein Happy End!

Für den Betrogenen gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit: Stehen Sie zu Ihrer Enttäuschung und sagen Sie ganz direkt (und am besten sofort), was Sie davon halten. Das zeigt dem anderen, was er damit angestellt hat - denn die Auswirkungen sind solchen Bild-Tätern oft nicht klar. Falls Ihr Interesse an dem anderen groß genug ist, das Kennenlernen fortzusetzen, hat er so die Möglichkeit, seinen Patzer wieder gut zu machen. Falls nicht: Brechen Sie den Kontakt ab. So wahren Sie nicht nur Ihr Gesicht, sondern zwingen den anderen auch, die Konsequenzen seines Falschspiels zu tragen - und es beim nächsten Mal besser zu machen.

Von Lea-Patricia Kurz