Einsamkeit kennt keine Rente - macht eine Online-Partnersuche mit 70+ überhaupt Sinn?

Sich im Internet nach einem Partner umzuschauen ist eigentlich nichts Besonderes mehr, denn das Internet bedingt unseren Alltag mit einer Selbstverständlichkeit wie das Atmen unser Sein. Doch eine Generation ist davon (fast) ausgenommen: Singles über Siebzig.

So unvorstellbar das auf den ersten Moment auch erscheint: Es gibt sie noch, die Menschen, für die das Internet keine Selbstverständlichkeit ist. Wir sprechen von der Generation 70+, eine der Generationen, die nicht mit dem Internet aufgewachsen ist und deren berufliche Situation es auch nicht mehr erfordert hätte, sich hinein denken zu müssen. Entsprechend wenig vertreten sind sie in sozialen Netzwelten wie zum Beispiel Facebook oder eben auch Partnervermittlungen wie PARSHIP. Aber es gibt sie! Sie sind selten, aber sie sind da und "trifft" man auf einen, erscheinen sie einem oft ein wenig fehl am Platz - denn sie sind eben eine Ausnahme. Und genau aus dem Grund stellt sich natürlich die Frage: Macht es für Menschen in dem Alter Sinn, nach einem Partner im Internet zu suchen?
Böse Zungen könnten nun sagen, dass es sich in diesem Alter eigentlich gar nicht mehr lohnt, einen Partner über das Internet zu suchen. Immerhin gibt es in Altenheimen und Kegelclubs genug Singles, die dasselbe Alter haben. Warum also noch in eine für sie komplizierte neue Art des Suchens eindenken? Ganz einfach: Nicht jeder Single in höherem Alter möchte sich noch einmal binden, wenn der Partner verstorben oder die Ehe in die Brüche gegangen ist. Die Auswahl an potentiellen Partnern im selben Alter ist also klein. Auch sind nicht alle Menschen dieser Altersklasse noch so mobil oder agil, dass sie sich rege im öffentlichen Leben bewegen, wo man sie treffen könnte. Kurz gesagt: Der Senioren-Singlemarkt ist sehr übersichtlich.
Nehmen wir nun einmal die wenigen Ausnahmen an Singles im Alter über siebzig, die uns bereits auf den Seiten von Online-Partnervermittlungen begegnen: Was hält diese Menschen im Internet, wenn die Auswahl an Gleichaltrigen so gering ist? Die meisten von ihnen leben in einem Dilemma: Denn Senioren, die sich mit dem Internet vertraut gemacht haben - einer Technologie, die keiner derjenigen ähnelt, mit denen sie groß geworden sind - und auch in ihrem Alter ihr Recht auf (Liebes-)Glück wahrnehmen möchten, sind eben keine gewöhnlichen Senioren. Sie werden mit Kegelclub, Kaffeeklatsch und Museumsbesuchen nicht glücklich werden. Diese Senioren haben einen regen Geist, der belebt sein will. Ihr Horizont ist weit und beweglich - und ein entsprechendes Gegenstück suchen sie. Umso trauriger, dass es nicht viele von ihnen im Internet gibt und die, die es gibt, ja nicht unbedingt passen müssen.
Doch nicht jeder Single mit einem stolzeren Alter ist deshalb automatisch eingerostet, Neuem gegenüber verschlossen oder hat einen starren Horizont. Nein, vielen von ihnen ist das Internet einfach nur so fremd wie für manche der jüngeren Generation die Tatsache, dass es außerhalb unseres Universums noch Leben geben soll.
Aber vielleicht sind hier Angehörige und Freunde gefragt: Selbst wenn die Eltern oder Großeltern sich nicht mehr selbst auf das Internet einlassen wollen, erklären sich doch manche dazu bereit, sich wenigstens von Kindern oder Enkeln einen Account oder ein Profil bei einer Partnervermittlung einrichten zu lassen. Die Kontakte werden (leider) nicht so zahlreich sein, dass sie sich nicht bei einem gemütlichen Kaffee vorlesen und beantworten lassen. Schließlich geht es nicht darum emsige Konversation in der Netzwelt zu führen, wie es viele Netzaffine machen, ehe sie telefonieren oder sich treffen, sondern lediglich darum, einen ersten Kontakt herzustellen.
Unser Plädoyer ist also eindeutig: Senioren ins Internet! Wer lieben kann und will gehört noch lange nicht zum alten Eisen!

Von Lea-Patricia Kurz