Wenn sich zwei Götter gegenüberstehen: Wie Religiosität die Partnersuche beeinflusst

Immer wieder waren sie in der Geschichte der Menschheit Grund für Kriege: Liebe und Religion. Das zeigt, welch tiefe Bedeutung beides für den Menschen hat. Doch was passiert, wenn diese beiden starken Kräfte aufeinander treffen? Wenn man gleich liebt aber nicht gleich glaubt?

Kaum etwas formt uns so stark, wie die Kultur in der wir aufwachsen. In vielen Regionen auf dieser Welt ist die Religion ein untrennbarer Teil der Kultur. Sie prägt unsere Moral und unser Wertesystem und bestimmt unsere Sicht auf die Welt. Sie ist ein Identität gebender Anteil unserer Persönlichkeit und wir tragen sie mit uns - wohin wir gehen und wen wir lieben. Und ihre Unterschiedlichkeit sorgt immer wieder für Schwierigkeiten in der Welt.

Aber auch im alltäglichen Leben des Einzelnen kann das Treffen auf eine andere Kultur oder Religion zu einer Herausforderung werden. Und ganz besonders groß ist diese Herausforderung in der Liebe, weil Kultur und Religion mit der Liebe eine ebenbürtige Kraft gegenübersteht.
In vielen Religionen gibt es strenge Regeln, an die sich ihre Anhänger zu halten haben. Einige davon betreffen auch das Zusammenleben in Familie und Partnerschaft: Heirat nur im eigenen Kultur- und Glaubenskreis, keine Verhütung, keine gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder keinen Sex vor der Ehe - auf religiösen Pfaden kann die Liebe schon mal ins Stolpern geraten. Und immer wieder tauchen Zweifel auf: Gibt es keine Möglichkeit, zwei Religionen unter dem Dach der Liebe zu vereinen?

Natürlich kann es funktionieren, aber auch wenn die Liebe den Ruf hat, dass mit ihr alles möglicht ist, können nicht immer alle Hindernisse auch tatsächlich überwunden werden. Es hängt auch davon ab, wie tief verwurzelt ein Mensch in seinem Glauben ist. Und davon, wie tolerant der Partner ist wenn er selbst nicht glaubt, oder wie viel Spiel- und Freiraum ihm seine eigene Religion lässt, wenn er selbst auch glaubt.

Wer bereits Erfahrungen mit anderen Kulturen gesammelt hat wird wissen, dass sich schon in Freundschaften Missverständnisse in der Kommunikation ergeben können. Ein harmloses Wort oder eine normale Ansicht in der einen Kultur kann in der anderen eine Welt bedeuten - und wird dann eben auch anders gewertet. Meist lassen sich Missverständnisse gut meistern, wenn beide sich mit der Kultur des jeweils anderen auseinandergesetzt haben. Und natürlich hegt der Mensch an eine Freundschaft eine andere Erwartungshaltung als an eine Partnerschaft: Die täglichen Bereiche überschneiden sich weniger und sind somit auch weniger abhängig voneinander.

Für viele Menschen kann Religion also tatsächlich ein ausschlaggebender Faktor bei der Partnersuche sein. In wen man sich verliebt oder nicht, ist wohl aber unabhängig von der jeweiligen Glaubensrichtung des Partners. Einen Versuch ist es schließlich immer wert und es soll auch schon der ein oder andere der Liebe wegen zu einem anderen Glauben konvertiert sein. Es bleibt nur immer die Frage, wer von beiden das ist, ob es aus Überzeugung geschieht und ob derjenige dafür seinen eigenen Glauben aufgeben muss oder vorher nicht gläubig war. Vielleicht ist es leichter einen anderen Glauben anzunehmen, als den eigenen abzulegen. Denn dann wäre sich Religion zumindest in einem Punkt mit der Liebe einig: Man gibt nicht gern wieder her, was man liebt und was meinem Sicherheit und Orientierung gibt. Und auf beides hat man meist auch keinen Einfluss.

Von Lea-Patricia Kurz
 

 
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