Zuhause ist da, wo Ihr Herz ist: Partnersuche als Zugezogener
Dass die Münchner arrogant wären und die Berliner Schnauze jede Annäherung im Keim ersticke - solche und andere Dinge sagt man den Menschen je nach Region nach. Wie ist es nun aber, wenn man als Zugezogener auf Partnersuche ist? Wo liegen da die Probleme? Und wie kann man sie umschiffen?
Sicher, in eine neue Stadt zu kommen ist per se schon schwierig genug. Meist muss man seine gesamte soziale Infrastruktur neu aufbauen und hat dafür - häufig aus beruflichen Gründen - auch noch wenig Zeit. Umso schwieriger, wenn man dann auch noch auf Partnersuche ist. Denn mit fehlendem Heimatgefühl lässt manchmal auch das sichere Auftreten bei einem Date auf sich warten. Das i-Tüpfelchen ist es, wenn die regionalen Unterschiede dann auch noch die Partnerauswahl stark eingrenzen. Denn noch immer ist es der erste Eindruck, der zählt. Und der wird zum einen geprägt durch das Äußere und unserer Idealvorstellung davon, zum anderen aber auch durch Dinge wie Gestik und Mimik. Da kann es schon mal zu Problemen kommen, wenn einem durch den Dialekt des Gesprächspartners die Haare im Nacken zu Berge stehen.
Wie lässt sich nun also die Partnersuche gestalten, wenn Sie zum Beispiel beruflich an einen Ort gebunden sind, in dem Ihnen weder die Sitten und Gebräuche zusagen, noch die sprachlichen Gepflogenheiten, und dessen Bewohner zudem eine eingeschworene und nach außen hin wasserdichte Gemeinschaft darstellen?
Die Antwort hängt natürlich auch vom Grad Ihrer Abneigung ab. Wenn Sie wissen, dass Ihre Anti-Haltung bis hin zu den kulinarischen Genüssen einer Region oder der Geschichte einer Stadt reicht - dann haben Sie allerdings ein schweres Päckchen zu tragen. Bei aller (In-)Toleranz: In diesem Fall empfiehlt es sich wohl, sich in Ecken und Locations herumzutreiben, in denen sich hauptsächlich andere Zugezogene tummeln. Auch eine Fernbeziehung könnte für Sie das kleinere Dilemma sein. In diesem Fall bietet Ihnen die Partnersuche per Internet eine gute Ausweichmöglichkeit zu den Gegebenheiten vor Ort: Hier lassen sich Orte oder Regionen schon im Vorfeld ausklammern.
Wenn Sie aber Diskriminierung jeglicher Art genauso doof finden wie Liebe auf Distanz und sich auch alle regionalen Türen offen halten möchten, dann versuchen Sie, aus dem Bock einen Gärtner zu machen: Nutzen Sie die regionalen Unterschiede als Einstieg in Gespräche oder erzählen Sie Anekdoten aus Ihrem Leben als Zugezogener, um die Atmosphäre bei einem Date aufzulockern. Denn wenn Sie schon mitten auf einer Brücke stehen wenn Sie merken, dass diese morsch ist, hilft nur eins: Lächeln und weitergehen! Sie können nur gewinnen!
Manchmal jedoch ist das mit der Liebe nicht so einfach, und ehe Sie sich versehen, haben Sie sich tatsächlich als Hesse in einen Ur-Bayern verliebt oder als Großstadt-Mann in eine Frau vom Land. In diesem Fall hilft nur eines: Angriff ist die beste Verteidigung! Was immer sie stört, gehen sie es direkt an. Lernen sie kochen wie im Sauerland oder ernst zu schauen wie in Ostwestfalen. Kaufen Sie sich einen Sprachkurs für Plattdeutsch und machen Sie Urlaub auf dem Land, um zu spüren, wie sich Weite und Ruhe anfühlen. Machen Sie das Beste aus Ihrer Situation. Berufliche Situationen sind (leider) meist kein Dauerzustand mehr und die nächste Region wartet bestimmt! Und ehe Sie bis drei zählen können haben Sie die Fernbeziehung, die Sie eben noch vermeiden wollten. Und dann gilt sowieso nur noch ein Gefühl: Zuhause ist da, wo Ihr Herz ist. Auch, wenn Sie diese Region eigentlich gar nicht mochten.
Von Lea-Patricia Kurz





