Richtig daten - was wir von den Schimpansen lernen können

Ausgerechnet von den Schimpansen sollen wir lernen, wie man richtig datet? Und dabei dachte die Menschheit doch gerade, sich von dem Primitiven entfernt zu haben.

Vergessen Sie Ihre Garderobe, die Ratschläge zu Ihrem Verhalten und alle anderen herkömmlichen Tipps zu Ihrem Dating-Verhalten. Denn eigentlich haben wir bisher alles falsch gemacht, wenn es darum ging, die Suche nach der großen Liebe zu einem Erfolg zu machen. All‘ unsere Überlegungen ein einziges großes Affentheater!

So oder so ähnlich könnte zumindest das Fazit des Biologen Patrick van Veen lauten - und er muss es wissen. Immerhin gibt dieser Mann „Affen-Workshops“ für Manager. Das sind Workshops, die sich die erwiesene soziale Ähnlichkeit zwischen Affe und Mensch zur Grundlage genommen haben, um dem modernen Chef seine Mitarbeiter zu erklären. „Tierische Kollegen“ oder „Hilfe, mein Chef ist ein Affe“ sind zwei seiner Publikationen, die das Büro zum Zoo erklären und den Kaffeeklatsch im Personalraum mit dem Lausen auf Bäumen vergleichen. Ein interessanter Ansatz - und der Erfolg scheint ihm Recht zu geben. Van Veen ist inzwischen ein beliebter Berater bei Führungskräften, seine Seminare hält er in Zoos ab.

Doch was hat all das mit Liebe zu tun? Ganz einfach: Seine Beobachtungen hat Patrick van Veen ausgeweitet und nun auch das Paarungsverhalten der Tiere auf den Menschen übertragen. Das Hauptproblem unserer Vorgehensweise bei der Partnersuche sieht er darin, dass wir uns weit entfernt haben von unseren Instinkten. Die Dating-Ratgeber unserer Zeit zielen darauf ab, unser Aussehen zu perfektionieren und unser Verhalten anzupassen. Dass unser natürliches Verhalten eigentlich ein instinktiver Maßstab für unser Gegenüber ist, der ihm Anhaltspunkte dafür gibt, ob wir zueinander passen oder nicht, wird dabei unter den Tisch gekehrt. Heute geht es darum, dass wir gut riechen, gut aussehen und den anderen mit unserem Sein nicht verschrecken. Es geht darum, ihn oder sie um jeden Preis zu einem weiteren Date und damit immer weiter an unsere soziale Seite zu bringen.

Weit entfernt vom ursprünglichen Balzverhalten und der instinktiven Suche nach einem Partner, tappen wir von einer Falle in die nächste - und stellen selbst auch welche. Denn nehmen wir einmal an, Sie haben nach einem anstrengenden und ätzenden Arbeitstag ein Date. Auf der Arbeit hat alles mal wieder länger gedauert, Sie sind völlig entnervt, zweifeln an sich und der Welt und kommen schwitzend und gehetzt nach Hause. Dort springen Sie gestresst unter die Dusche, sprayen sich danach die Haare ein, tragen Deo und Parfüm auf, betonen die Augen farblich, lassen Pickel verschwinden und kaschieren Augenringe. Schnell noch einen Kaffee oder einen Energy-Drink und los geht es, ein Lächeln in die Mundwinkel getackert, mit gespielt guter Laune. Bleibt die Frage: Wie viel davon sind wirklich noch Sie? Ihr Körpergeruch, Ihre Attitüde und Ihr Aussehen sind es jedenfalls nicht mehr. Alles wichtige Faktoren, die ein Mensch braucht, um zu wissen, ob jemand - aus evolutionstechnischer Sicht gesehen - zu ihm passt. Nicht umsonst heißt es: „Ich kann dich nicht riechen!“

Zu diesen kurzfristigen Verfälschungen kommen noch die langfristigen: Hormone per Pille, Hormone im Grundwasser, Antibiotika, dazu künstliche Nahrung, die Giftstoffe enthält und krank macht. Kaum einer ernährt sich noch natürlich oder mit Nahrung, die nicht industriell verarbeitet wurde. Wer einmal kulinarischen Urlaub in einer anderen Kultur gemacht hat, wird feststellen, dass sich auch seine Ausdünstungen verändern. Schweiß ist eben nicht gleich Schweiß - fragen Sie mal Ihre Nächsten.

Unterbewusste Kriterien spielen heute also kaum noch eine Rolle. Glaubt man van Veens Theorien, so ist die heutige Partnerwahl ein großer Betrug und wir alle verdammt gute Blender. Aber noch ist nicht alles verloren: Tierische Strategien bei der Partnerwahl lassen sich wieder lernen. Im Zoo von Apeldoorn in den Niederlanden.

Von Lea-Patricia Kurz