Schüchtern? Na und!?

Schüchternheit als Manko? Nicht wirklich. Denn erstmal ist Unsicherheit nur ein Teil Ihrer Persönlichkeit und letztlich wohl niemandem fremd. Es ist nur die Frage, wie man damit umgeht - und warum man sie ändert.

Die Zunge wie belegt, die Kehle wie zugeschnürt. Dazu dieses oberpeinliche Zittern und das Herzklopfen das Ihren gesamten Körper durchzieht wie einen Presslufthammer. Fehlt eigentlich nur noch die verräterische Röte und die Abfuhr ist besiegelt! So oder so ähnlich fühlen sich schüchterne Menschen, die auf Partnersuche nicht mehr dem passiven Part frönen wollen, sondern aktiv auf einen interessanten Menschen zugehen möchten. Denn wer schüchtern ist, hat weniger mit den Gefühlen für sein Gegenüber zu kämpfen, als mit den eigenen, die sich einfach nicht im Zaum halten lassen. Und nichts wirkt unattraktiver als mangelndes Selbstbewusstsein, das sich in unkontrollierten Körperreaktionen und verbaler Peinlichkeit äußert - denken Sie! Denn so schlimm ist es nun auch wieder nicht.

Denn zuallererst gehen wir einmal davon aus, dass Sie kein Teenager mehr sind und es sich nicht um die Abschlussveranstaltung Ihres Tanzkurses oder den Abi-Ball handelt, bei dem es vor allem gilt, einen guten Eindruck zu machen und das Image zu festigen. Was immer auch passiert, Sie stehen wahrscheinlich einem erwachsenen Menschen gegenüber, der schon ein gewisses Maß an Lebenserfahrung sein Eigen nennt und mit großer Wahrscheinlichkeit selbst schon einmal in der Lage war, dass ihm etwas die Sprache verschlagen hat.

Und damit sind wir auch schon beim Hauptpunkt. Denn oben beschriebener Zustand ist vor allem eines: Ein Kompliment an das Objekt Ihrer Begierde! Wer von sich behaupten kann, einen anderen Menschen sprachlos gemacht zu haben, darf sich eigentlich freuen. Sie selbst mögen Ihre Schüchternheit als störend empfinden und sie verfluchen, doch eines bleibt Tatsache: Sie ist - zumindest derzeit - ein Teil Ihrer Persönlichkeit. Und wenn in der Liebe eines gelten sollte, dann, dass Sie um ihrer selbst Willen geliebt werden wollen - und nicht, weil Sie es schaffen, etwas darzustellen, was Sie nun einmal nicht sind. Verschiedene Studien haben zudem gezeigt, dass Schüchterne von ihren Mitmenschen oft als sehr sympathisch wahrgenommen werden.

Wenn Sie sich das klar machen und Ihre Unsicherheit als Teil Ihrer Persönlichkeit akzeptieren, ist das schon einmal die halbe Miete. Die andere Hälfte besteht aus Geduld und Training an sich selbst. Denn es gibt auch Situationen, in denen Schüchternheit einfach nur störend und lästig ist: Im Job zum Beispiel, wenn es um ein Einstellungsgespräch geht oder darum, eine Präsentation vor vielen Menschen zu halten. Aber auch in verschiedenen Situationen des Alltags ist es hilfreich, sich auch unter Stress zumindest mit Nachdruck artikulieren und behaupten zu können. Und all das lässt sich auf lange Sicht trainieren. Zahlreiche Bücher warten mit ebenso zahlreichen Übungen auf und die Branchenbücher sind voll mit Adressen von Coachs und Psychologen, die gerade auf diesem Gebiet geschult sind. Informieren Sie sich auch im Internet über regionale Gruppen, in denen Sie gemeinsam mit anderen aus der Not ein kleines Spiel machen können. Übung macht den Meister und Sie werden schon nach wenigen Situationen, in die Sie bewusst und reflektierend hineingegangen sind, merken, wo Ihre eigenen Mechanismen liegen. Und ein schöner Nebeneffekt wird dann Ihr nächstes Date sein, dem Sie offener gegenüber treten können - als Person, die durch Arbeit und Übung an sich selbst eine Veränderung herbeigerufen hat und nicht eine Maske aufsetzen musste, hinter der man sich eben nur temporär verstecken kann.

Von Lea-Patricia Kurz