Wie Sie Single-Vorurteilen begegnen können ohne sich ständig zu rechtfertigen

Zur Zielgruppe gehört jeder irgendwann und irgendwie einmal: Ob blond, Mantafahrer, Ostfriese, arbeitslos, homosexuell oder Informatiker - Vorurteile machen vor nichts und niemandem Halt. Weder vor dem Äußeren, den Hobbys oder der Herkunft, noch vor dem Schicksal, der sexuellen Orientierung oder dem Beruf. Und deshalb auch nicht vor den Singles dieser Welt. Doch wie begegnet man typischen Single-Vorurteilen?

Sie sind eher unattraktiv und mit einem geringen Selbstbewusstsein, haben kaum Freunde, scheuen das Licht und sind sozial unverträglich? Nein? Dann sind Sie aber mit Sicherheit in einer anderen Weise verquer, führen ein Doppel-Leben oder sind homosexuell und können es sich nicht eingestehen. Oder Sie sind einer von den Blendern, unter deren Oberfläche es psychopathisch brodelt. Anders kann es nicht sein - denn ansonsten wären Sie schließlich nicht Single!

Vorurteilen zu begegnen ist normalerweise nicht übermäßig schwer. Man gibt sich einfach so, wie man wirklich ist und entweder bestätigt man die Vorurteile - dann ist es eben so und ja auch nicht dramatisch - oder aber man entkräftet sie. Die meisten Menschen lassen sich dann auch gern vom Gegenteil überzeugen. Und die anderen braucht man nicht in seinem Leben.

Bei den Singles verhält es sich jedoch noch ein bisschen anders. Denn erschwerend zum Singlestatus kommt hinzu, dass das Alleinsein nicht die Norm ist - Zweisamkeit ist der Zustand, den die Mehrheit (die der Norm zu Grunde liegt), anstrebt. Die Rechnung ist also ganz einfach: Sie als Single befinden sich in einem Katastrophenzustand, dem es zu entfliehen gilt. Da Sie das anscheinend bisher nicht geschafft haben, kann etwas mit Ihnen "nicht ganz richtig" sein, dass es niemand mit Ihnen aushält. Punkt. Das Schlimme: Sie können tatsächlich noch so gern Single sein - es gibt immer ein Argument dagegen. Im schlimmsten Fall belügen Sie sich halt selbst oder reden sich etwas ein.

Wie können Sie also mit dem Stempel umgehen, den Ihnen die Gesellschaft aufgedrückt hat? Versuchen, ihn mühsam abzuwaschen um dann festzustellen, dass Sie an der nächsten Ecke einen neuen bekommen haben? Sicher nicht, denn Sie wären wohl kaum noch mit etwas anderem beschäftigt. Zudem wird ein Vorurteil selten ausgesprochen, meist agiert es als Motivator subtil im Hintergrund und steuert das Handeln oder die Wortwahl Ihres Gegenübers. Der "Feind" ist also nicht immer sichtbar.

Machen Sie hier einen klaren Unterschied zwischen den Menschen, die Ihnen wichtig sind, und denen, deren Meinung Ihnen eigentlich ziemlich egal sein dürfte. Suchen Sie hier das Gespräch mit den wichtigen Menschen. Wenn das Interesse gegenseitig ist, werden Sie sich auch die Zeit nehmen und sich Ihr Anliegen zu Herzen nehmen. Fragen Sie direkt danach, wie Sie in Ihrem Alleinsein gesehen werden und sagen Sie, dass diese Vorurteile Sie nerven oder Sie vielleicht sogar darunter leiden. Immerhin ist es schwierig in seinem tatsächlichen Sein gesehen zu werden, wenn die Menschen ihre vorgefasste Meinung haben. Stellen Sie klar, wie es sich wirklich verhält.

Einen weiteren Unterschied machen Sie zwischen den Situationen, die unwichtig sind und denen, die - oder deren Ausgang - in irgendeiner Weise eine Bedeutung für Sie haben. Das kann zum Beispiel dann sein, wenn Sie von einer neuen, viel versprechenden Bekanntschaft nach der Dauer des Single-Daseins gefragt werden. Müssen Sie da vielleicht sogar von Jahren sprechen, kann das beim Gegenüber Misstrauen erwecken. Auch hier hilft der offene Umgang damit - sagen Sie, warum es mit der Liebe nicht geklappt hat oder Sie es vielleicht auch gar nicht wollten.

Und wenn Sie doch mal sehr unerwartet in die Rechtfertigungs-Falle tappen, zählen Sie einfach die Vorteile des Alleinseins und die Vorzüge von Singles auf: Denn welcher Ihrer verbalen, liierten Angreifer ist schon noch flexibel genug für einen spontanen Kurztrip mit Kumpels, kann sich erlauben einen netten Mann mit nach Hause zu bringen oder ist frei genug von heute auf morgen alles hinzuschmeißen und eine Bar in der Karibik aufzumachen? Eben! Den einen oder anderen werden Sie mit einem dieser Punkte sicher an einer wunden Stelle treffen oder aber zumindest zum Nachdenken anregen. Und solange haben Sie erstmal Ruhe.
 

Von Lea-Patricia Kurz