Einen Menschen zu lieben, der - aus welchen Gründen auch immer - unerreichbar ist, mag wie der perfekte Stoff für ein großes Liebesdrama anmuten. Für viele Menschen ist er aber tägliche Realität. Sie haben sich in jemanden verliebt, dessen Liebe für sie nicht erreichbar ist. Ein Mensch vielleicht, der auf ein anderes Geschlecht steht, glücklich verheiratet ist oder aber sogar eine Person des öffentlichen Lebens darstellt. Die Chancen, mit so jemandem Leben und Liebe zu teilen, tendieren in allen Fällen so gut wie gegen null. Und ob Inspiration oder nicht - unglücklich und hoffnungslos verliebt zu sein ist in jedem Fall die qualvollste Vorstellung, die ein liebendes Herz sich ausmalen kann. Und trotzdem können manche Menschen nicht aufhören, an so einer Liebe festzuhalten. Warum ist das so? Und wie löst man sich davon?

Seien Sie ehrlich…

… und versuchen Sie herauszufinden, warum Sie die Gefühle zu einem Menschen aufrecht erhalten, dessen Liebe für sie immer nur wie die Sage eines weit entfernten Landes bleiben wird, das zu erreichen sie in einem Leben allein nicht schaffen können.

Ist es närrische Hoffnung, die bekanntlich als letzte sterben will? Sätze wie: "Er könnte sie ja doch noch verlassen, irgendwann wird sie ihm zu viel" oder "Wenn ich mich nur noch mehr bemühe, bilde und bemerkbar mache, muss sie sich irgendwann in mich verlieben"? So vergehen Monat um Monat und Jahr um Jahr. Dann zählen sie die Fakten auf - ohne Umschweife und ohne Beschönigung. Und wahrscheinlich werden Sie dann erkennen müssen, dass Hoffnung einfach nicht belehrbar ist. Und in der Liebe schon gar nicht.

Oder halten Sie an der Liebe fest, weil eine latent sadistische Ader sie dazu treibt und weil Unerreichbarkeit und Abwesenheit von Liebe Muster sind, die sich durch ihr Leben ziehen wie endlose Angelschnüre, die Ihnen fast schon wie ein doppelter Boden sind? Wir suchen das Vertraute im Leben, das Bekannte und Erlernte. Dahin streben wir nur zu gern zurück - selbst dann, wenn es uns nicht gut tut.

Vielleicht steckt hinter der Hartnäckigkeit ihres Ausharrens aber auch Angst. Angst davor, Liebe tatsächlich zu erleben. Von ihr überrollt und gepackt zu werden und die Kontrolle zu verlieren. Sich mit ihr konfrontiert zu sehen und auf einen Menschen einzulassen bedeutet nämlich auch immer, sich selbst gegenüberzustehen und schließlich auf das eigene Ich zurückgeworfen zu werden - hinsehen zu müssen in die eigene Seele. Jemanden zu lieben, der einem nicht "gefährlich" werden kann, ist da eine naheliegende Lösung.

Suchen Sie ein aufrichtiges Gegenüber

… jemanden, der Ihre Situation angemessen beurteilen und Ihnen beistehen kann auf dem Weg, sich von einer unerreichbaren Liebe zu lösen. Manche Menschen schaffen dies mit sehr guten Freunden, mit gemeinsam ausgetüftelten Schlachtplänen und viel Durchhaltevermögen. Bei wem aber tatsächlich mehr dahinter steckt - und "mehr" meint psychologische Verhaltensmuster, die sich über Jahre oder Jahrzehnte in die Seele gebrannt haben - der tut sich und seinem (realistischen) Liebesglück einen großen Gefallen, professionelle Begleitung anzunehmen.

Von Eva Bali