Viele Frauen sehen es als böses Omen: Wenn der Mann beginnt, den Hochzeitstag zu vergessen, stehen die Sterne schlecht für die Ehe. Einen wichtigen Tag wie den Geburtstag der Liebsten, den Tag des ersten Kusses oder der Verlobung zu vergessen, gilt in vielen Partnerschaften als Todsünde. Und dabei ist diese Art der Vergesslichkeit gar nicht mal so ungewöhnlich, wie PARSHIP Anfang des Jahres in einer repräsentativen Studie herausfand.

1000 Deutsche im Alter zwischen 18 und 65 Jahren nahmen an dieser Studie teil, deren Ziel es war, das Gedächtnis von Pärchen genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Ergebnisse dürften zumindest die Herren der Schöpfung aufatmen lassen, denn nun ist es eindeutig, dass der Klassiker des vergesslichen Mannes entweder tatsächlich nur ein fades Vorurteil oder aber einfach längst überholt ist. Sehr bemerkenswert hingegen ist die Häufigkeit, mit der die "wichtigen" Termine einer Partnerschaft vergessen werden. So gaben 23 % der befragten Studien-Teilnehmer zu, schon einmal den Hochzeitstag vergessen zu haben - das ist immerhin jeder vierte Deutsche. Ähnlich sieht es beim Jahrestag der Beziehung aus: Hier war es immerhin jeder Dritte, der an alles gedacht hatte - nur nicht an den Beginn der großen Liebe. Wer diese große Liebe später geheiratet hat, ist dann allerdings auch doppelt belastet, denn nur selten stimmen Jahres- und Hochzeitstag überein. Vielleicht sollte das beim nächsten Ehekrach, der auf Vergesslichkeit beruht, berücksichtigt werden. Nur beim Geburtstag ist die Lage entspannt: Lediglich jeder Zehnte gab zu, diesen Ehrentag des Partners schon einmal vergessen zu haben.

Die Tatsache, dass es nicht nur die Männer sind, die einen derartigen Fauxpas in ihren Beziehungen begehen und dass ein solcher nicht gerade selten vorkommt, sollte doch irgendwie nachdenklich stimmen. Immerhin reden wir hier von einem Tag im Kalender - der sich nur deshalb nicht anfühlt wie jeder andere, weil wir ihn emotional besetzt haben. Und genau das ist letztlich auch der Punkt, der ein Streitgespräch über einen missachteten Jahrestag in ruhigen Bahnen halten sollte: Jeder Mensch ist anders, jeder Mensch fühlt anders - und es ist tatsächlich "anders" gemeint und nicht "weniger". Dass Ihr Partner nicht als allererstes nach dem Aufwachen daran denkt, dass Sie sich vor dreizehn Jahren zum ersten Mal in der U-Bahn begegnet sind, bedeutet nicht automatisch, dass es ihm egal ist. Der beste Gegenbeweis ist, dass er noch immer neben Ihnen aufwacht. Vielleicht hat er einfach schlecht geschlafen, einen Termin im Büro, der ihm Magenschmerzen bereitet oder aber einfach andere Prioritäten, was Ihre Beziehung betrifft. Und das ist auch irgendwie nichts, was man ihm vorwerfen könnte.

Wirklich Grund für Ärger oder eine ernstes Wort haben Sie dann, wenn Ihr Partner oder Ihre Partnerin sich in den wichtigen Dingen einer Beziehung in Gleichgültigkeit oder Vergesslichkeit übt. Jemandem dreimal erzählen zu müssen, was einen im tiefsten Inneren bedrückt, weil nebenbei der Fernseher läuft oder zwei Tage vergangen sind oder mit Ignoranz bedacht zu werden, wenn einem die Tränen über die Wangen laufen - das sind Dinge, die Ihnen negativ aufstoßen dürfen.

Und viel wichtiger als die Termine der Vergangenheit sind diejenigen der Gegenwart: Sich auf errechnete Geburtstermine, Urlaubsplanungen oder gemeinsamen Ausflügen zu freuen, macht viel mehr Spaß, als die Termine der standesamtlichen und der kirchlichen Hochzeit auseinander zu halten. Seien Sie also nachsichtig mit den großen Tagen von gestern: Es ist viel wichtiger, sich geliebt zu fühlen, als sich an Liebe zu erinnern.

Von Lea-Patricia Kurz