Der Tanz der Geschlechter - zwischen Devotion und Dominanz

Ein Mann der alles kann - und auch tut. Aber nur für sie. Kein Wunsch zu groß, keine Zickerei zu viel. Devote Männer - sind sie überhaupt noch attraktiv?

Die Liebe - das ewig subtile Spielchen mit der Macht. Devotion und Dominanz, geben und nehmen, ziehen und zerren - die Liste ließe sich ewig fortsetzen und doch dreht es sich im Kern immer um dasselbe Phänomen: Den spielerischen Tanz der Geschlechter. Vielleicht sind wir evolutionärer geprägt, als uns lieb ist - beginnt doch streng genommen der Akt der Fortpflanzung bereits mit dem ersten Date. Und wo sich die Gleichberechtigung von Mann und Frau mehr und mehr in Werten und Gesetzen manifestiert, herrscht das größte Gerangel doch noch immer zwischen den Laken, dort, wo die Triebe im Rausch der Lust die Überhand gewinnen.

Keinesfalls wollen wir hier das eine Geschlecht über das andere stellen. Machtspielchen sind und bleiben Bewegungen, zu denen jeder seinen Beitrag leistet, die aber - zugegebenermaßen - durch Jahrhunderte langes Patriarchat geprägt wurden. Dort waren die Rollen klar: Der Mann galt als überlegen da von Vernunft geleitet, brachte das Geld nach Hause und war Herr über Haus und Hof. Er war der Frau auch vor dem Gesetz überlegen, und sie hingegen war mehr sein Besitz als seine Partnerin.

Dass diese Wertansichten noch nicht komplett ausgemerzt sind, zeigen Wortschöpfungen wie "Warmduscher", "Weichei" oder auch "Memme" - sie alle bezeichnen das Gegenteil des oben gezeichneten Bildes - einen Mann, der eben nicht "seinen Mann stehen" kann. Ein sensibles, wenig belastbares Seelchen, das beim leichtesten Windhauch umzufallen droht. Keinen Nagel kriegt er in die Wand, ist wenig durchsetzungsfähig und "unterm Pantoffel" seiner Frau steht er auch noch. Bös' gemeinte Formulierungen und Darstellungen eines Mannes, den die Frauen im Zuge ihrer Emanzipation doch eigentlich gefordert haben. Mehr Emotionen sollte er zeigen, weicher sein und auch mal weinen, Verständnis sollte er haben und die weiblichen Bedürfnisse beachten, liebevoll sein und fürsorglich. Aber sich deshalb gleich komplett aufgeben? Nein, das war so sicher nicht gewollt. Denn ein durchgehend devoter Mann ist kein Mann mehr, sondern nur noch ein Sklave der Weiblichkeit. Und das turnt die heißblütigste Frau nicht an. Aber woran liegt das? Sind Frauen einfach schwer zufriedenzustellen und wissen nicht, was sie wollen?

Nein. Das ist ganz sicher nicht die Antwort. Vielmehr suchen sie einen ebenbürtigen Partner - und zwar auf allen Ebenen. Und so auch auf der emotionalen Ebene. Denn wer weinen kann, muss das Lachen nicht verlernen, wer seiner Frau die Welt zu Füßen legt, darf dies auch gern umgekehrt einfordern. Aber wer sich ständig nur devot verhält, seiner Herzdame ergeben jeden Wunsch von den Augen abliest, nimmt der Liebe ihr Feuer und der oben angesprochene Tanz der Geschlechter wird zu einem Drama ohne Dramaturgie. Niemand möchte sich eines anderen immer sicher sein. Ein paar Geheimnisse, Kontra und ein wenig Egoismus, dazu das Gefühl, dass der andere auch auf sich selbst aufpassen kann - das sind die kleinen Komponenten, die Liebe und Leidenschaft so attraktiv machen.

Frauen wollen keine Sklaven, ein bisschen Streit und Reibung sind der Pfeffer für jede Beziehung. Nur muss das Spiel aus Macht, Überlegenheit und Unterwerfung genau das bleiben: Ein Spiel. Ein geregeltes Patriarchat ist genauso unsinnig, wie es ein geregeltes Matriarchat ist. Es geht nicht darum, sich gesetzlich oder kulturell darauf berufen zu können, überlegen zu sein. Es ist Arbeit, die Regeln des Spiels zu beherrschen, so, wie Vielfältigkeit eben immer eine Herausforderung ist.

Da fällt uns ein … Waren es nicht sogar die Männer, die lange Zeit immer wieder betonten, dass sie Kämpfer seien und große Aufgaben brauchten? Bitteschön, hier ist die wohl größte Herausforderung aller Zeiten: Die moderne Vorstellung von Mann und Frau. Wer dauerhaft in einer Rolle verharrt, hat verloren. Der Klügere beginnt.

Von Lea-Patricia Kurz