Tollpatschigkeit oder Respektlosigkeit - wenn der eigene Vorname immer wieder falsch geschrieben wird

"Er gehört zu mir, wie mein Name an der Tür." Das sang einst Marianne Rosenberg - und mit einem hat sie Recht: Der Name ist ein untrennbarer Teil unser Identität. Wird er falsch gesprochen oder falsch geschrieben, fühlen wir uns fast verletzt. Doch was, wenn dies immer wieder geschieht?

Gerade Menschen mit außergewöhnlichen Vornamen kennen es: Ewig muss man den eigenen Namen buchstabieren, einmal, zweimal - und gibt irgendwann genervt auf oder muss ihn letzten Endes doch selbst schreiben. Gut, dass es das Buchstabieralphabet gibt. Aber wer zum Beispiel Liart oder Meret heißt, möchte sich eigentlich auch ungern mit anderen Vornamen beschreiben: L wie Ludwig, I wie Ida, A wie Anton, R wie Richard und T wie Theodor ist zwar verständlich, aber hat mit einem selbst irgendwie nichts mehr zu tun. Und albern klingt es auch.

Auch die Singles auf Partnersuche erfahren es immer wieder: Man schreibt sich hin und her, die Chemie scheint zu stimmen, und doch wird die Freude über eine neue E-Mail bereits bei der Anrede gedämpft: Statt Liza steht da Lisa, aus Günther wird Günter oder Anna-Lena wird wieder mal ohne Bindestrich geschrieben. Kleinigkeiten, meinen Sie? Nun ja, nicht unbedingt. Denn immerhin geht es hierbei um das Kennenlernen eines anderen Menschen, der ebenso wie man selbst darauf aus ist, eine Partnerschaft zu führen. Das heißt, es geht im Klartext um Interesse, Aufmerksamkeit und Respekt.

Und gerade wenn so ein Fehler im Geschrieben passiert, wo doch alles so einfach wäre, weil der andere die E-Mail doch vor sich liegen hat und einfach nur abzugucken bräuchte, kommt man schon ins Grübeln. Liegt hier eine Leseschwäche vor? Oder ist es einfach so, wie mit vielem im Leben: Man orientiert sich an Gewohntem und so liest man eben auch nicht Zeichen für Zeichen, sondern erfasst das Wort als Ganzes und den Text im Gesamtzusammenhang. Das wäre ja noch zu verzeihen, doch schwierig wird es bei fremdländischen Namen, bei denen sich das Gegenüber eben nicht auf das Gewohnte berufen kann. Hier könnte man zumindest erwarten, dass derjenige sich klar darüber ist, dass der Name kompliziert ist - und deshalb zweimal hinguckt, bevor er oder sie die Mail abschickt.

Doch wie geht man nun damit um? Am besten weist man bereits bei der ersten Falschschreibung darauf hin, dass der Name falsch geschrieben wurde. Das muss man weder pampig noch verletzt oder gar verletzend machen, sondern einfach so, wie es ist: "Übrigens, mein Name schreibt sich so und so." Wem das unangenehm ist, der kann vielleicht ganz unverfänglich eine kleine Anekdote über Herkunft oder Bedeutung des Namens mit einspinnen. Hier lassen sich viele kreative Übergänge vom Namen des Gegenübers und der Bedeutung desselben hin zum eigenen Namen finden.

Wichtig ist in jedem Fall, den Ärger nicht hinunterzuschlucken sondern zu thematisieren. Denn tut man es nicht, steht das Kennenlernen unter keinem guten Stern, weil jede schriftliche Anrede den Ärger wieder hochkommen lässt. Und dass Liebe an einer Formalität scheitert, muss ja nun wirklich nicht sein.

Von Lea-Patricia Kurz