Verlassen und verloren - wenn das Herz nach hinten schaut

Warnungen vor Männern gibt es viele. Vor Frauen auch. Vor denjenigen, die immer nur "das Eine" wollen, Sex oder Geld oder den Status einer Beziehung. Und dann gibt es noch die weniger berechnenden. Und das sind die viel gefährlicheren. Denn auch sie wollen nur das Eine: Trost.

Mutti hat es uns schon immer gesagt: "Finger weg! Der schaut doch jedem Rock hinterher." Doch in den wirklich tragischen Fällen ist es nur ein einziger Rock - und der ist unerreichbar, denn es ist der Rock der Ex. Dasselbe gilt für Frauen - auch wenn es da meist kein Rock ist, um den getrauert wird.

Wer im Erwachsenenalter nach einer Beziehung sucht, hat meist schon viel erlebt. Nur wenige Menschen sind noch vollkommen unbeschriebene Blätter. Wenn wir uns verlieben, wissen wir darum - denn auch wir tragen im Herzen ein Päckchen an schönen und weniger schönen Erinnerungen. Sie alle haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Doch was die Liebe so unberechenbar macht, ist ihre Absicht. Aufrichtige, reine und ehrliche Liebe zu unterscheiden von den Gefühlen der Traurigkeit und der Melancholie nach einer zerbrochenen Beziehung, ist fast unmöglich. Denn meist verstecken sie sich nur hinter einer Maske aus Liebe, deren Träger in den meisten Fällen selbst unwissend sind.

Doch wie kann man sich schützen vor solchen Begegnungen, in denen die eigene Funktion sich auf die heilende Wirkung eines Trostpflasters beschränkt? Darauf, einen schweren Übergang zu erleichtern, nämlich den vom "Leben mit Ex" zu einem "Leben ohne Ex". Die Antwort ist ernüchternd: Gar nicht. Denn wie sagt der weise Volksmund: Man kann den Menschen nur vor die Stirn schauen. Und dasselbe gilt für das Herz. Es lässt sich leider keine Inkubationszeit für Liebeskummer oder die Dauer nach Infizierung benennen. Manche Trennungen hinterlassen keine schmerzhaften Spuren, andere wiederum klingen ein Leben lang nach. Und alles, worauf wir vertrauen können, sind Reflexionsvermögen und Achtsamkeit unseres Gegenübers.

Aber vielleicht ist das auch ein Punkt, wo sich ansetzen ließe. Denn wo geredet wird, lässt sich reflektieren. Wenn Sie sich also nach langer Zeit endlich wieder verliebt haben, geben Sie sich und Ihrem Partner ein wenig Zeit. Zeit sich kennenzulernen, Vertrauen zu fassen und miteinander zu sprechen. Meist ergibt sich von allein eine Vielzahl an Möglichkeiten, ein heikles Thema wie das verflossener Lieben, anzusprechen. Auch Ängste haben ihren Raum und dürfen geäußert werden.

Natürlich, Liebe kann scheitern. Aber sie scheitert nicht immer an Ihren Vorgängern oder Vorgängerinnen. Und in einem hatte Mutti Recht: Bei aller Verliebtheit kann ein klarer Kopf nicht schaden. Denn Verliebtheit erkennt nicht - und will es auch gar nicht. Genießen Sie die Anfangszeit mit Ihrer neuen Liebe - schauen Sie, ob es passt, Sie sich wohl fühlen, sich etwas zu sagen haben und das Gefühl zwischen Ihnen eine Option auf die Zukunft hat.

Und vertrauen Sie auf Ihre Intuition. Es gibt keine Muster, an denen Sie erkennen können, ob die Liebe Ihres zukünftigen Partners nun "aufrichtig" ist oder nicht. Wer es schafft, sich selbst etwas vorzumachen, wird meist auch andere täuschen können. Und bei all der Angst davor, nur eine Zwischenlösung zu sein, vergessen Sie auch nicht eines aus den Augen: Sich selbst. Denn auch Sie sind ein Mensch mit einer Vergangenheit. Was Sie von anderen erwarten, sollten Sie auch zu geben in der Lage sein.

Von Lea-Patricia Kurz