Verliebt vom Scheitel bis zur Sohle? Was tun, wenn das Herz für einen Modemuffel schlägt?
Mode ist in aller Munde - und ihr Stellenwert in Alltag und Leben ist nicht gering. So auch in der Liebe: Wenn am Partner alles zu stimmen scheint, nur die Mode zu wünschen übrig lässt, ist es nur allzu verlockend, diesem kleinen Makel ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Aber ist das tatsächlich ratsam?
Es könnte so schön sein: Wochenlang haben Sie gesucht, vielleicht sogar Monate lang davon geträumt, Mrs. Right oder Mr. Perfect zu finden. Jede Mail in Ihrem Postfach ließ den Kloß in Ihrem Hals anschwellen und vor jedem Treffen haben Sie stunden verbracht im Zwiegespräch mit Spiegel und Kleiderschrank. Umso größer die Enttäuschung, wenn Ihr Flirtpartner ganz augenscheinlich weder im Besitz von Spiegel noch von Geschmack ist. Und so sehr sich Ihr Verstand auch dagegen wehrt und Ihnen klar machen will, dass Sie sich mit diesem Mode-Muffel weder im Familienkreis noch bei Ihren Freunden blicken lassen können, so sehr klimpert Ihr Herz verliebt mit den Augen. Und da Sie wissen, dass ein verlorenes Herz nur schwer zu bändigen ist, bleibt Ihnen nur eins: Den Kampf aufzunehmen. Doch welcher Kampf ist leichter zu führen: Der gegen den schlechten Geschmack des anderen oder der gegen Ihr eigenes Mode-Empfinden?
Zunächst ist es sicher nicht verkehrt, sich eine alte Weisheit ins Gedächtnis zu rufen: Es sind die inneren Werte, die ausschlaggebend sind. Und auch wenn Ihnen das in guten Zeiten reichlich egal sein wird, so beweist sich ihr Wahrheitsgehalt spätestens in den schweren Zeiten des Lebens, dann nämlich, wenn vielleicht Krankheit oder andere existentielle Probleme alle Energie beanspruchen und einfach schwerer wiegen. Wer sich aber in der Anfangsphase von Verliebtheit befindet, wird natürlich nur ungern schon an die schweren Zeiten denken wollen. Behalten Sie diese Weisheit dennoch im Blick. Sie kann als mentaler Leuchtturm fungieren, um sich nicht völlig in der Oberflächlichkeit der optischen Welt zu verlieren. Akzeptanz ist also der erste Schritt.
Schritt zwei ist die Kunst der Andeutung. Manchen Menschen ist Mode so unwichtig, dass es Sie auch nicht stören würde, darauf angesprochen zu werden - so oder so. Testen Sie dies mit ein paar einfachen Fragen und Anspielungen aus: Fragen Sie naiv lächelnd, ob es eigentlich stört, wenn der Wind in die zu kurzen Hosenbeine pfeift oder loben Sie eine vielleicht aus Versehen, aber immerhin gelungen gewählte, Farbkombination. So signalisieren Sie, dass Sie auch einen Blick für das Äußere Ihres Gegenübers haben und Sie einen gewissen Wert darauf legen. Bleibt die Reaktion in beiden Fällen neutral oder registrieren Sie sogar Überraschtheit oder Gleichgültigkeit, können Sie die direkte Konfrontation wagen: Weisen Sie Ihren Partner vorsichtig darauf hin, dass seine Kleiderwahl manchmal etwas altbacken oder unbeholfen wirkt. Sagen Sie, dass Sie ein paar gute Ideen für ein Styling hätten, dass auch dem Inneren Ihres Partners entspräche und seinen Vorzügen schmeicheln würde.
Nun hängt alles von der Reaktion ab, die Sie erhalten. Freut sich der oder die Auserwählte, haben Sie gewonnen, und Ihnen stehen hoffentlich schöne Stunden des Umstylens ins Haus. Bei Gleichgültigkeit hingegen können Sie ruhig noch etwas Druck ausüben und sagen, wie wichtig Ihnen auch das Äußeres Ihres Partners ist. Wenn Sie allerdings eine harsche, eventuell empörte Reaktion erhalten, ist es wahrscheinlich besser, klein beizugeben. Hier sollten Sie sich nun wirklich die Weisheit der inneren Werte ins Gedächtnis rufen: Denn eine neue Liebe sofort mit dem Ballast der Äußerlichkeiten zu beschweren, ist sicher nicht besonders klug. Am Ende haben Sie dann vielleicht keinen Modemuffel mehr an Ihrer Seite, sondern im schlimmsten Fall niemanden mehr. Fragt sich, was für Sie das kleinere Übel wäre…
Von Lea-Patricia Kurz




