Von der Fernbeziehung zur Nahbeziehung

Fernbeziehungen können prickelnd sein. Die meisten Menschen wünschen sich auf Dauer jedoch tägliche Nähe. Aber wie, wenn beide schon einen festen Lebansraum haben?

Neue Zeiten bringen auch neue Probleme: Zwar lässt sich heute durch das Internet schneller und effizienter nach einem Partner suchen, doch dass die Medaille auch eine Kehrseite hat, spürt das eine oder andere Paar ganz deutlich. So auch Monika und Klaus: Die beiden lernten sich auf der Hochzeit einer gemeinsamen Bekannten kennen und schnell auch lieben. Doch Klaus wohnt in Kiel in einem schönen Zwei-Zimmer-Appartement, während Monika in einem Haus in der Nähe von Frankfurt lebt. Zunächst pendelten die beiden und fanden die Spannung, die sich von einem Besuch zum nächsten aufbaute, sogar sehr prickelnd. Doch die Süße der Sehnsucht bekam mit der Zeit einen bitteren Beigeschmack, die Fahrtkosten gingen ins Geld und beide sehnten sich nach einem gemeinsamen Lebensmittelpunkt. Das Problem: Klaus ist Schiffsoffizier, kann seinen Job nur an der Küste ausüben, Monika hingegen lebt in ihrem Elternhaus, das die Mutter ihr vor einigen Jahren vererbte. Sie hängt an den Erinnerungen und hat auch schon eine ganze Menge Geld in die Instandhaltung investiert.

So eine Situation erscheint zunächst wie eine Patt-Situation, eine Art Liebes-Falle, aus der es weder ein Vor, noch ein Zurück gibt. Schaut man aber genauer hin, so gibt es doch einige Lösungsansätze, die nicht unbedingt in einer Trennung enden müssen.

Auf nach Kiel
Wenn einer der beiden beruflich flexibler ist, so, wie in diesem Fall Monika als Steuerfachangestellte, könnte sie sich nach einer Stelle in Kiel umsehen. Um sich nicht komplett von ihrem Elternhaus zu trennen, könnte sie das Haus auf unbestimmte Zeit vermieten. Damit wäre die Sehnsucht gestillt, ohne komplett alle Zelte in Frankfurt abbrechen zu müssen: Denn wer weiß schon, was morgen ist?

Erst Kiel, dann Frankfurt
Diese Lösung wäre eine sehr faire. Solange beide arbeiten, wohnen sie in Kiel, der Ort, an den Klaus beruflich derzeit gebunden ist. Das Haus von Monikas Eltern könnte sie solange vermieten. Sobald sie in Rente gehen, melden sie Eigenbedarf an und ziehen nach Frankfurt. Der Nachteil: Das gemeinsame Umfeld, das sie sich in Kiel aufbauen, müssten sie dann auch wieder verlassen.

Umdisponieren
Auch wenn Klaus einen sehr speziellen Job ausübt - sich beruflich zu verändern ist oft möglich, wenn man einen zweiten Blick riskiert und sich informiert. Sei es nun eine Umschulung oder aber die Verlegung der bisherigen Tätigkeit in die Verwaltung. Gerade in der Seefahrt werden ehemalige Schiffsoffiziere gern in Speditionen eingesetzt. Sie bringen wichtiges Wissen aus der Praxis mit.

Individuelle Lösung mit dem Arbeitgeber finden
Arbeitgeber sind oft flexibler, als man annimmt und haben für individuelle Modelle ein offenes Ohr. Denn solche Lösungen sind nicht nur für den Arbeitnehmer von Vorteil. Auch Unternehmen, die Rationierungen planen oder Arbeitsplätze streichen, kommen solche freiwilligen Kürzungsangebote ihrer Mitarbeiter manchmal sehr entgegen.

Gerade wenn Menschen schon älter sind, sind derartige Situationen wie die von Klaus und Monika, ganz spezielle Herausforderungen. Ein Jobwechsel ist ab fünfzig nicht mehr so einfach und auch die persönliche Flexibilität ist niedriger, als noch mit Anfang zwanzig. Denn den Wohnort zu wechseln bedeutet immer auch, noch einmal ganz von vorn anzufangen.

Lässt sich keine Lösung finden, die ein Zusammenziehen möglich macht, wird der Kompromiss wohl die Fernbeziehung selbst bleiben. Wichtig ist dabei, dass alle Möglichkeiten diskutiert wurden und man ein gemeinsames Fazit zieht. Meist kommt es eh anders als man denkt - und in einigen Monaten oder Jahren lässt sich neu überlegen. Und solange heißt es: Augen zu und durch. Für die Liebe wurden schon ganz andere Opfer gebracht.

Von Lea-Patricia Kurz