Was ist nicht weiß … lässt mich doch nicht locker. Ist das Handy des Partners tabu?

Es sind schon ganze Beziehungen daran zerbrochen: An der Neugier des Misstrauischen. Wie weit darf man in einer Beziehung gehen, um die eigene Eifersucht zu entkräften? Sind SMS und E-Mails tabu oder gibt es Ausnahmen?

Die Versuchung ist groß: Seit Wochen schon haben Sie ein merkwürdiges Gefühl im Magen. Ihr Partner ist kühler, distanzierter, ja irgendwie beinahe abwesend, hat auf einmal "viel in der Firma zu tun" und kommt abends oft später nach Hause als gewöhnlich. Ihr Gefühl sagt Ihnen: Da stimmt etwas nicht! Doch auf Nachfragen reagiert er mit Unverständnis, wird ärgerlich oder redet sich heraus. Und nun liegt es da, das Handy Ihres Herzblatts, das Ihnen Antworten auf alle Ihre Fragen verspricht. Ab und an leuchtet es auf oder piept verdächtig, während er oder sie im Hintergrund unter der Dusche ein Liedchen pfeift. Es könnte keine bessere Gelegenheit geben als diese …

Doch wie weit darf man gehen, wenn Eifersucht und Zweifel einen von innen zerfressen? Wo ist die Grenze des Erlaubten? Und wie viel Privatsphäre ist tatsächlich notwendig, um von einer "guten" Beziehung sprechen zu können?

Es gibt Menschen, die stehen auf dem Standpunkt, dass allein das eigene Gefühl zählt - also wer sich betrogen fühlt, hat alles Recht der Welt, der Sache auf den Grund zu gehen. Aber ganz ehrlich: Wenn tatsächlich keiner der beiden Partner etwas dagegen hätte, das partnerschaftliche Teilen auch auf Handy und E-Mail auszudehnen, wäre er oder sie wohl kaum so blöd, die Affäre oder den Seitensprung ausgerechnet darüber zu organisieren, oder? Es sei denn, es ist ein unbewusster Wunsch des "Sündigers" vorhanden, die Karten offen auf den Tisch zu legen und die Wahrheit endlich ans Tageslicht zu bringen. Dies gliche dann wahrscheinlich dem psychologischen Phänomen des Kriminellen, der am Tatort seinen Personalausweis verliert. Aber rechtfertigt dieser unterstellte Beichtwunsch bei einem begründeten Verdacht auf Untreue, einen Eingriff in die Privatsphäre des Partners?

Nein. Denn Privatsphäre ist etwas, über das man sich einigen muss und in ihre Definition spielen mehrere Faktoren hinein. Da geht es zum einen um die Frage der persönlichen Einstellung zu dem Thema, aber auch der jeweilige Partner ist ausschlaggebend dafür, wie viel Einblick in das Innerste man jemandem gewähren möchte. Privatsphäre ist unter anderem eine Frage der Kultur - aber auch eine Frage der Ehre. Denn ein bisschen geistiges, nicht geteiltes Eigentum gehört zur Persönlichkeitsbildung jedes Einzelnen. Jegliche Grenzen von Intimität und Persönlichkeit aufzuheben ist weder Ihnen selbst, noch Ihrer Beziehung zuträglich. Der andere als komplett ergründetes Wesen ohne Geheimnisse gleicht einer funkelnden, mit Brillianten besetzten, sündhaft teuren Uhr, die ihren Glanz verliert, sobald die Vitrine aufgeschlossen ist und man sie am Handgelenk trägt.

Dennoch gibt es nicht wenige Partnerschaften, in denen mindestens einer der beiden mit der Neugier und dem eigenen Misstrauen zu hadern hat. Woher kommt er also, der Wunsch, in der Privatsphäre des Liebsten zu schnüffeln? Auch dafür gibt es sicher viele Ursachen: Schlechte Erfahrungen mit diesem oder einem anderen Partner, ein Grundmisstrauen gegenüber Leben und Menschen an sich, aber auch die eigene Unsicherheit: Wer ein geringes Selbstwertgefühl hat, und große Teile seines eigenen Wertes über die Liebe des Partners definiert, hat natürlich auch ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle. Es steht ja auch viel auf dem Spiel!

Eine Beziehung sollte aber Säulen aus Vertrauen und Ehrlichkeit haben - so sehen es zumindest die meisten Menschen. Wer also der Meinung ist, das Persönlichkeitsrecht seines Partners verletzen zu dürfen, weil das eigene Misstrauen zu groß ist, der kann sich und der Beziehung auch gleich die Gretchenfrage stellen: Wo Kontrolle nötig scheint - ist da überhaupt noch Platz für Liebe?

Von Lea-Patricia Kurz