Wenn das Feuer erlischt

Manche Menschen verlieren in fortgeschrittenem Alter die Lust auf Sex. Und manchmal ist das auch endgültig. Wie geht man damit um, wenn der Partner nicht mehr richtig in Fahrt kommt?

Gehört hat man es schon oft und tatsächlich geht es nicht wenigen Menschen so: Mit den Jahren vergeht die Lust auf Sex und das Paar lebt wie Bruder und Schwester.

Statistisch gesehen sind es mehrheitlich Frauen, denen die erotische Puste ausgeht, doch auch Männer erleben es. Wunderbar ist es natürlich, wenn es beiden Partnern so geht - doch meist ist es nur einer. Die Folgen sind klar: Einer der Partner ist sexuell unausgelastet, fühlt sich unattraktiv und nicht begehrenswert, während der andere einfach nur seine "Ruhe" will, sich bedrängt fühlt und vielleicht im schlimmsten Fall einfach "mitmacht", frei nach dem Motto: Augen zu und durch!

Auf Dauer entsteht so ein Ungleichgewicht in der Beziehung, das kaum zu kompensieren ist. Es herrscht Mangel auf der einen Seite und Verzweiflung auf der anderen. Ansprüche werden formuliert und Vorwürfe gemacht. Was lässt sich aber tun, um diese Situation zu entschärfen?

Sex ist definitiv überbewertet - vor allem in den Augen desjenigen, der ihn nicht mehr braucht. Für den anderen kann es aber genau anders sein - manch einer weiß seine erotische Energie erst im fortgeschrittenen Alter zu schätzen - und unerfüllte Libido ist ein Klotz am Bein. Sicher, der erste Gedanke ist immer, dass die Lust beim Machen kommt, wie der Appetit beim Essen. Dass der Markt ein Übermaß bereit hält an Angeboten aus dem Bereich Sexspielzeug, ein Stellungswechsel schon die Welt verändert hat und auch Rollenspiele unendliche fantastische Möglichkeiten bieten. Schließlich ist man schon lange zusammen und die Aufregung mit den Jahren einfach eingeschlafen.
Auch eine Therapie kann helfen - zumindest hat man das schon von anderen gehört. Vielleicht liegen die Ursachen ja auch tiefer in der Beziehung begründet? Man liebt sich schließlich, da wird man doch auch das in den Griff kriegen.

Wunderbare Ansätze, aber was, wenn die Gründe der Unlust einfach in der "Natur der Sache" liegen, sprich, das sexuelle Feuer bei einem der beiden Partner einfach erloschen ist? Bei manchen Menschen ist es einfach irgendwann vorbei. Und daran gibt es dann nichts mehr zu rütteln. Diese Situation erscheint aussichtslos, doch eine Trennung aus körperlichen Gründen ebenso falsch und absurd. Vor allem, wenn die Liebe von der Keuschheit nicht betroffen ist und tief ist wie eh und je.

Manche Menschen haben aber auch da einen Weg gefunden. Sie haben die Herausforderung einer solchen Situation angenommen und ganz von vorn begonnen - beziehungsweise ganz unten, nämlich am Grundgerüst ihrer Beziehung. Sie haben sich Gedanken darüber gemacht, dass sie wie die meisten Menschen ein Modell der Liebe leben, wie es seit langer Zeit durch Kultur und Sozialisation unreflektiert an uns weitergegeben wird. Treue ein oberstes Gebot, vor allem die sexuelle.

Ob der regelmäßige Besuch in einem "Freudenhaus", wechselnde Geliebte oder feste sexuelle Partner - wer sich in einer solchen Krisensituation gegen die Krise entscheidet und sich der Situation stellt, beweist nicht nur Mut, sondern in heutigen Zeiten auch Pioniergeist. Denn der Vorstellung von Partnerschaft liegt heute oft auch ein Besitzanspruch zugrunde, der die Liebe des anderen in einigen Fällen zum einem das Selbst bestätigenden Statussymbol hat verkommen lassen.

Sich Verlustängsten zu stellen ist natürlich auch nicht leicht. Und ob sich ein Paar diesen Weg zutraut oder eine Trennung doch für beide das Beste ist, können nur die Partner selbst herausfinden. Es soll jedenfalls Paare geben, die sich auf diese Art emotional auf eine Weise angenähert haben, die sie auch im Laufe jahrzehntelanger Beziehung nicht für möglich gehalten hätten.

Von Lea-Patricia Kurz

 
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