Wie werde ich ihn los? Wenn der Funke nicht überspringt

Einen Korb zu erteilen ist eine Herausforderung - nicht nur an Sie selbst, sondern vor allem an ein gewisses Maß an Respekt und Achtung vor einem anderen Menschen.

Die Sache mit dem Frosch funktioniert leider auch anders herum: Seit Wochen widmen Sie Ihrem potentiellen Wunschpartner aus dem Internet lange Nächte vor dem Computer mit Tiefgründigkeit, der Offenbarung erster Geheimnisse und Geschichten aus der Vergangenheit. Auch, als Sie telefonieren weckt seine Stimme am Telefon nicht nur Ihre Neugierde, sondern auch Ihr Vertrauen und die Vorstellung des Prinzen aus der digitalen Welt findet in Kopf und Herzen Nahrung für endlose weitere Episoden. Doch dann steht das erste Treffen an - und hätten die Emotionen des ersten Eindrucks einen eigenen Sound, er wäre wehklagend und ernüchternd. Denn aus dem Prinzen ist ein Frosch geworden, wie er im Bilderbuch steht.

Ihr einziger Gedanke ist: Flucht. Ihre Blicke suchen verzweifelt nach dem Retter in der Misere oder wenigstens einem Notausgang. Auch der Gedanke, unter dem Tisch Ihre Klingeltöne zu aktivieren und einen telefonischen Notfall vorzutäuschen, ist Ihnen schon gekommen. Doch halten Sie erstmal einen Moment inne. Denn ein Abgang ist nicht einfach ein Abgang - er lässt sich auch mit Würde und Stil vollziehen.

O.K., Ihr Gegenüber entspricht nicht ansatzweise Ihren Vorstellungen: Ihre Augen klein und verschlagen, seine Geheimratsecken überdimensional oder das gesamte Erscheinungsbild einfach nur inakzeptabel. Dazu das nervöse Zucken der Mundwinkel oder das ewige Räuspern. Was auch immer Sie stört - versuchen Sie gar nicht erst, es sich schönzureden. Wo die Antipathie gnadenlos zuschlägt, wächst eben nur noch selten Gras.

Dennoch gehört zu einer Abfuhr ein Mindestmaß an Respekt und Ehrlichkeit. Wenn Sie sich bereits per E-Mail oder am Telefon genug zu sagen hatten, so haben Sie hier zumindest einen Menschen vor sich, der Sie interessiert und gefesselt hat. Auch, wenn Sie vorhaben, den Menschen auf der Ebene der Partnerschaft nicht weiter kennenzulernen und auch an keiner weiteren Freundschaft interessiert sind - Sie haben es mit einem Menschen zu tun und nicht mit einer Massenware!

Lustige Ratschläge, die Sie als Klette darstellen und damit Ihr Date vergraulen oder in ihm oder ihr Versagensängste schüren sollen, weil Sie über die Loser Ihrer Vergangenheit herziehen als gäbe es kein Morgen, sind respektlos und unfair. Denn eigentlich war Ihr erster Gedanke gar nicht so übel: Flucht. Aber nach vorn, bitteschön. Denn all die einfallsreichen Möglichkeiten, aus einer unangenehmen Lage wieder herauszukommen, basieren letztendlich nur auf der Unfähigkeit mancher Menschen adäquat mit Konflikten umzugehen oder in Kauf zu nehmen, dass ihre Abfuhr jemanden verletzt.

Aber welchen Zacken brechen Sie sich aus der Krone, wenn Sie einen Anstandskaffee trinken und dann deutlich aber freundlich signalisieren, dass der Funke nicht übergesprungen ist oder dass Sie sich Ihr Gegenüber einfach anders vorgestellt haben? Und falls Ihnen sogar der Kaffee zu viel ist, haben Sie wenigstens den Mumm zu Ihren - nicht vorhanden Gefühlen - zu stehen. Sollte Ihr Date von Ihnen schwer begeistert sein, verletzen Sie ihn so oder so. Tröstlich ist für manche Menschen dann einfach, dass jemand ehrlich zu Ihnen war. Geschont werden möchten die wenigsten - denn das klingt nach Mitleid und macht die Sache nur schlimmer, als sie ohnehin schon ist. Und vielleicht haben Sie ja das paradoxe Glück, dass es Ihrer Bekanntschaft mit Ihnen genauso geht wie umgekehrt. Dann können Sie sich wenigstens noch in die Augen schauen, falls Sie sich mal zufällig auf der Straße begegnen sollten.

Von Lea-Patricia Kurz
 

 
    Service