Ich will ihn, aber nicht seine Kinder!

Wie man es dreht, ist es falsch: Seine Kinder stehen Ihrem Liebesglück im Weg, aber ohne seine Kinder wäre er ja auch nicht der Mann, in den Sie sich verliebt haben. Was also tun?

Sie mögen Kinder, große Familien und ein turbulentes Leben? Dann entlockt es Ihnen sicher eine freudige Reaktion, wenn der neue Mann an Ihrer Seite Kinder mit in die Beziehung bringt: Immerhin bekommen Sie so nicht nur den Mann, sondern gleich auch eine ganze Familie dazu. Und falls sich Ihr eigener Kinderwunsch (noch) nicht erfüllt hat, so wissen Sie jetzt wenigstens, dass Sie es mit einem Mann zu tun haben, der Kinder mag, bindungsfähig ist und bewiesen hat, dass er Verantwortung übernehmen kann - aber eben auch wird. Denn natürlich können Sie mit Ihrer Freude Recht haben und zu einer dieser unkomplizierten Patchwork-Familien heranwachsen, die sich nahtlos ineinander fügen, als wären sie immer eins gewesen. Aber das ist leider eher selten der Fall.

Meistens ist es kompliziert - besonders am Anfang. Denn je nachdem, wie alt die Kinder sind, sind Sie als neue Frau an Vaters Seite nicht unbedingt gern gesehen. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt - und trotzdem können jegliche Bemühungen, die Sie anstellen, um sich den Kindern als Freund und nicht als Feind zu präsentieren, nach hinten losgehen. Im schlimmsten Fall werden all Ihre gut gemeinten Geschenke, Ausflüge und Gespräche, mit denen Sie Vertrauen aufbauen wollen, dazu genutzt, um Sie zu demütigen oder zu verdeutlichen, wie gut es vorher war - bevor Sie da waren. Da verfliegt der Traum der Patchwork-Familie genauso schnell, wie er aufgekommen ist. Wie geht man es also am Besten an?

Zunächst gilt es zu begreifen, dass Sie an der Situation selbst nicht viel ändern können: Unbeschwerte Verliebtheit wird es mit einem Familienvater eher selten geben. Geregelte Verpflichtungen und Verantwortung auch in unvorhergesehenen Situationen (das kranke Kind muss aus der Schule abgeholt werden, die pubertierende Tochter hat Liebeskummer) stören die wunderschöne Spontaneität, die eine neue Liebe normalerweise kennzeichnet.

Sie werden akzeptieren müssen, dass es Ihren Traummann nicht ohne seine Kinder gibt und dass sie nicht die alleinige Hauptrolle in seinem Leben spielen. Sollten seine Kinder gegen Sie insistieren, bleibt Ihnen nur Gelassenheit. Denn lassen Sie sich auf das Buhlen um die Gunst des Mannes ein, werden Sie immer den Kürzeren ziehen: Blut ist dicker als Wasser, und Sie sind immerhin die Erwachsene! Und wenn Sie Pech haben, werden seine Kinder dann für Sie irgendwann zur Gretchenfrage beziehungsweise zum Weg in sein Herz - oder eben hinaus.

Sie haben also nur zwei Möglichkeiten: Entweder Ihre Emotionen in den Griff kriegen und schweigen oder aber die Karten auf den Tisch legen. Letzteres ist zumindest der aufrichtigere Weg und der Weg, bei dem Sie sich selbst treu bleiben, weil Sie für sich und Ihre Gefühle geradestehen und sich nicht aus falschen Verlustängsten Ihr Handeln diktieren lassen. Wenn der Mann sie wirklich liebt und sein Interesse an einer Beziehung zu Ihnen groß genug ist, wird er verstehen, dass Sie sich mit Ihrer Offenbarung nicht zwischen ihn und die Kinder drängen wollen, sondern dass Sie an einer Lösung interessiert sind, die sich für alle gut anfühlt. Denn natürlich steht er unter doppeltem Druck, aber auch Sie haben Gefühle und Bedürfnisse. Und die dürfen Sie auch einfordern. Und wenn er der Richtige für Sie ist, dann wird sich auch gemeinsam ein Weg finden lassen, die Situation zu entschärfen. Schließlich geht es nicht darum, dass er sich gegen seine Kinder entscheidet, sondern dass er sich für die Beziehung mit Ihnen entscheidet - trotz Kindern.

Von Lea-Patricia Kurz