Die Drei-Tages-Regel kennt wohl jede Frau, die mal eine klassische Frauen-Zeitschrift in der Hand gehabt hat: Man lässt ihn zappeln und verwehrt sich jeden Kontakt, auch wenn es einen innerlich zerfleischt vor unerfüllter Sehnsucht - und wenn er anruft, tut man leicht unterkühlt. Und auch für Männer gibt es so einige klassische Ratschläge in punkto Liebe, die zum Erfolg bei Frauen führen sollen: Sich rar machen, aber auch unentbehrlich - und immer ein bisschen desinteressiert wirken. Das macht interessant und die Chancen auf ein zweites Date steigern sich immens.

Aber ist das alles so wirklich richtig? Gab es nicht auch mal die gegensätzliche Annahme, dass Menschen sich besonders stark von anderen angezogen fühlen, wenn sie wissen, dass sie von diesen gemocht werden? Das würde bedeuten, mit seinen Gefühlen nicht hinter dem Berg zu halten, sondern das Interesse zu signalisieren, um die Sterne für ein zweites Date richtig zu positionieren.

Eine Studie der University of Virginia hat die Theorie des Taktierens jetzt überprüft und kam zu einem interessanten Ergebnis: Demnach ist es weder die distanzierte Unterkühltheit noch das Offenbaren des eigenen Interesses, die dazu führen, dass sich das Gegenüber von einem angezogen fühlt. Es ist die Ungewissheit, die interessant macht!

Um zu diesem Ergebnis zu gelangen, wurden 47 Studentinnen der Universität befragt. Man zeigte ihnen die Profile von vier extra erstellen männlichen Online-Profilen und erzählte ihnen, dass diese männlichen Studenten sich in einer Internet-Community umgesehen hätten. Dabei wären sie auch auf das Profil der jeweilig befragten Studentin gestoßen. Einem Teil der Frauen erzählten die Wissenschaftler dann, dass ihnen ihr Profil besonders gut gefallen hätte und einem weiteren Teil, dass das Profil nur als durchschnittlich bewertet wurde. Eine dritte Gruppe aber ließen sie im Unklaren und verschwiegen ihnen die Auskunft darüber, wie ihr Profil auf die Herren gewirkt hätte. Anschließend befragten sie die Damen, wie intensiv sie in den letzten fünfzehn Minuten an die Männer gedacht hätten und ob sie sich mit ihnen zu einem romantischen Date treffen würden.

Das Ergebnis zeigte klar: Zwar wirkten die Männer, die ein positives Feedback gegeben hatten deutlich reizvoller auf die Frauen, als die Männer, die sich angeblich desinteressiert geäußert hatten. Das Interesse gegenüber den Männern, von denen sie kein Feedback bezüglich der eigenen Attraktivität erhalten hatten, war bei den Frauen allerdings am größten. Sie grübelten darüber nach, ob diese sie nun mochten oder nicht.

Diese Studie unterstützt klassische Theorien des Taktierens beim Kennenlernen also zumindest in dem Punkt der Unnahbarkeit und der Schaffung einer mysteriösen Aura. Es fragt sich nur, wie die Herren der Schöpfung umgekehrt auf die Ungewissheit über die Gefühle einer Frau reagieren würden.

Sonnenklar ist, dass diese Studie wohl kaum als repräsentativ bezeichnet werden kann. Wie sieht es bei älteren Damen aus, bei geschiedenen oder kulturell anders geprägten Frauen? Hier werden sicher andere Ergebnisse zu erwarten sein. Dass Resultate dieser Art allerdings entscheidend für das eigene Verhalten in der Partnersuche sein sollen, bleibt zu bezweifeln.

Denn wer taktiert verliert auch an Authentizität. Die Mentalität des „Sich-rar-Machens“ oder „Zappeln-Lassens“ mag als kurzweiliges Spielchen reizvoll sein. Wer eine längere Beziehung anstrebt, sollte sich jedoch lieber auf seine Emotionen verlassen - und diese auch zeigen. Gefühle und ihre Offenbarung sind natürlich immer eine Frage des taktvollen Vorgehens - aber auch nur, um den anderen nicht zu überrumpeln. Wer tiefe Liebe sucht, braucht nicht die Cleverness eines Spielers, sondern die Weisheit eines Alten: Bereitschaft zu Reflexion und Arbeit - an sich selbst und an den Gefühlen, die über ein erstes Jagen und Gejagtwerden weit hinausgehen.

Von Lea-Patricia Kurz