Die Beatles und die Rolling Stones haben in den Nachkriegsjahren von hier aus die Popgeschichte revolutioniert, später kamen der Londoner Punk, die Manchester-Rave-Szene sowie der Britpop auf und in den 1990er-Jahren gingen von der Trip-Hop-Szene in Bristol weltweit Impulse für die elektronische Musik aus. Und auch heute gilt noch: Wer es in Großbritannien schafft, feiert auch woanders Erfolge. So verwundert es nicht, dass sich direkt mehrere britische Acts unter den diesjährigen Nominierten für die renommierte Talentauszeichnung ANCHOR 2017 – Reeperbahn Festival International Music Award finden.

Die Ursachen für die britische Erfolgsgeschichte sind vielfältig. Manche führen das ausgeprägte Stilbewusstsein britischer Popmusiker auf den Einfluss der Kunsthochschulen zurück, das sich auch auf Fotografie, Mode aber auch die Covergestaltung auswirkte. Der britische Kulturjournalist Christopher Beanland (u.a. The Independent, The Guardian) erklärt es so: "Wir haben das Glück, dass die englische Sprache in aller Welt verstanden wird. Musik ist dadurch ein richtiger Exportschlager geworden."

Die britische Musikszene ist nach wie vor eine der vitalsten und umsatzstärksten der Welt, praktisch alle einflussreichen Bands kommen wenn nicht von hier, dann wenigstens hierher. "Wir lieben Musik hier. Und andere lieben unsere Musik. Insbesondere Deutschland war immer sehr offen für UK Bands." Vor allem die Indie-Rock- und Post-Punk Szene ist in allen Spielarten äußerst präsent und erfolgreich. Christopher Beanland verbringt viel Zeit in Deutschland und auf Rockfestivals. "Es ist wichtig, dass wir als Europäer Ideen, Kultur und Musik teilen und sehen, dass wir doch so viel gemeinsam haben. Wir tanzen alle zu denselben Songs."

Unter den acht Nominierten für den diesjährigen ANCHOR sind mit Fenne Lily, Jade Bird, Matt Maltese und Joseph J. Jones gleich vier UK Acts vertreten. Fenne Lily, eine Folksängerin aus Bristol, verzaubert ihr Auditorium allein mit ihrer Gitarre. Häufig singt sie in Kirchen und zelebriert dort so besinnliche wie fröhliche Musikmessen. Jade Bird aus London wiederum hat sich als Singer-Songwriterin einen Namen gemacht, mit raffinierten Folk-Gitarren, einem Hauch Sixties-Appeal und einer kristallklaren Stimme. Auch Matt Maltese ist ein Freund der ruhigen Klänge. Die Geschichten, die seine Songs erzählen, die durchdringende Stimme und die wechselnden Untermalungen von einfachem Klavierspiel bis hin zu opulenten Streicherarrangements verleihen seinen Songs das spezielle Etwas. Eine andere Klangfarbe bringt Joseph J. Jones ein. Der 20-Jährige hat eine unvermutet raspelige Soul-Röhre und schreibt wunderbar melancholische, einfühlsame Balladen. Vier hochtalentierte Künstler mit ganz unterschiedlichen stilistischen Handschriften. Es wäre also nicht verwunderlich, wenn der ANCHOR in diesem Jahr auf die britische Insel geht.


Die ANCHOR 2017 Nominees


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