Die Sonne scheint durch die gigantische Glasfront. Die Tür steht einladend offen. Die Schaufenster sind leer, bis auf einige gut platzierte Bocksbeutel und Fruchtsaftflaschen. Nicht irgendwelche natürlich. Der Designer Peter Schmidt hat sie gestaltet. Nach dem Verkauf seiner Peter Schmidt Group mit mehreren hundert Mitarbeitern beschäftigt er sich jetzt hier in der Hamburger HafenCity in sparsam möblierten Räumen unter anderem mit Industriedesign. Es herrscht eine angenehme Ruhe. Sieben Mitarbeiter werkeln an Bildschirmen konzentriert vor sich hin.

Dem Designer sieht man seine 79 Jahre nicht an. Drahtig, braungebrannt und gutgelaunt erscheint er. Gerade hat er vier Wochen in seinem Haus auf Ibiza verbracht. Dort traf er Jil Sander mit der er sich im Laufe eines gemeinsamen Arbeitslebens etliche Male zerstritten und wieder versöhnt hat. Einmal sogar ganz spektakulär mit einem Hubschrauberrundflug über dem Himalaya.

Mick Jagger ist ebenfalls sein Nachbar auf der Baleareninsel. "Den habe ich noch nie gesehen." Der in Bayreuth geborene Peter Schmidt ist ein Feingeist, der die klassischen Künste schätzt. Nun hat er eine Trophäe für das Reeperbahn Festival gestaltet. Den ANCHOR 2016 – International Music Award, der in diesem Jahr erstmals in Hamburg verliehen wird.

Seit elf Jahren ist das Festival die erste Adresse für Netzwerker und Entdecker und ein Stelldichein der Talente zugleich. Produzentenlegende Tony Visconti steht einer internationalen Jury vor, der Emiliana Torrini, Ray Cokes, Anna Ternheim, Y’akoto und James Minor angehören. Vom 21. Bis 24. September begutachten sie acht junge Talente (Albin Lee Meldau (SE), Conner Youngblood (US), Holly Macye (UK), Shame (UK), Olivia Sebastianelli (UK), Konni Kass (FRO), die Parcels (AUS) und Woman (DE)). Am 24. September wird der Preis in einer großen Show-Gala verliehen. Der glückliche Gewinner trägt nicht nur einen vielsagenden Titel, der vielleicht einmal so etwas wie die Goldene Palme von Cannes für die Musikbranche werden könnte, nach Hause, sondern auch eine besonders schön gestaltete Trophäe von Peter Schmidt.

Minimalistisch gehalten ist sie, aus Acryl mit einem großen A, das für den Preisnamen steht, der mit seiner maritimen Symbolik besonders gut nach Hamburg passt. "Ich habe natürlich auch die Zeiten durchgemacht, in denen Rock n Roll zum Leben gehörte, aber das war zu einer Zeit, in der ich mich schon sehr für andere Dinge interessiert habe", sagt Peter Schmidt mit seiner sanften, angenehmen Stimme. "In Bayreuth wird man früh mit klassischer Musik konfrontiert. Da wird man als Kind schon weggeführt von anderen Möglichkeiten, Musik zu hören." Schmidt liebt die Oper, das Ballett John Neumeiers.

Rock- und Popmusik hat für Peter Schmidt klar mit der Zeit zu tun. "Für uns war das Protest gegen die Eltern. Ich habe das Modern Jazz Quartet gehört, Ella Fitzgerald, Mahalia Jackson, Louis Armstrong und Oscar Peterson." Die alten Jazz-Heroen verehrt er bis heute. Auf Festivals ist er aber schon damals nicht gereist. "Mich interessiert das Geheimnis von Ausstrahlung. Wenn eine Künstlerin wie Barbra Streisand auf die Bühne geht, muss man nur ihren Fuß sehen und sie ist präsent."