Im Alter stellt sich vielen die Frage, wie es weitergehen soll, wenn der Alltag alleine nicht mehr einwandfrei gemeistert werden kann. Einige haben das Glück, sich auf die Unterstützung durch Verwandte verlassen zu können. Doch anders als früher, ist es heutzutage nicht mehr selbstverständlich, dass die erwachsenen Kinder sich um ihre Eltern kümmern können. Frauen wie Männer sind häufig beruflich eingebunden oder leben nicht mehr in derselben Stadt wie die Eltern. Eine weitere Veränderung in der Gesellschaft betrifft die Altersstruktur, wodurch der Bedarf an Altenpflege immer größer wird. Daher müssen Pflegerinnen und Pfleger mehr leisten, als eigentlich schaffbar ist, zumal deutlich zu wenig Menschen im Pflegebereich arbeiten.

Die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft

Neben dem bestehenden Fachkräftemangel kommt es zugleich zu einem demografischen Wandel: Während immer weniger Kinder geboren werden, steigt zugleich die Lebenserwartung der Menschen immer weiter. Die Herausforderung in der Pflege wird also zukünftig nicht nur im Fachkräftemangel, sondern zusätzlich im gesteigerten Bedarf an Altenpflege bestehen.

Dem ist nur beizukommen, wenn entsprechende Änderungen im Pflegesystem vorgenommen werden und Bedingungen geschaffen werden, die den Bereich nicht nur für Auszubildende attraktiver machen, sondern zugleich begünstigen, dass ausgebildete Kräfte ihren Beruf weiterhin ausführen können. Denn tatsächlich gibt es nicht so wenige Fachkräfte, wie es den Anschein hat – für viele sind es schlicht die gegebenen Umstände, die es ihnen unmöglich machen, in der Pflege weiterzuarbeiten. Sie haben beispielsweise ein Kind bekommen oder pflegen selbst einen Angehörigen. Die im Pflegebereich ständig wechselnden Schichtdienste sind damit oft nicht vereinbar.

Freiberuflichkeit in der ambulanten Pflege als Lösungsansatz

Anders würde es aussehen, wenn Pflegekräfte ihre Arbeitszeiten selbst planen könnten. In Pflegeheimen wie auch bei Pflegediensten haben sie hierauf jedoch sehr wenig Einfluss. Eine Alternative, die hierzulande noch relativ selten genutzt wird, besteht darin, sich freiberuflich zu machen. Damit ist gemeint, dass Pflegerinnen und Pfleger als ambulante Einzelpflegekräfte ihre Patienten in deren häuslicher Umgebung pflegen. Sie arbeiten also wie ein Pflegedienst, stehen dabei aber auf eigenen Beinen. Der Alltag einer freiberuflichen Pflegekraft ist also sehr individuell gestaltbar und zudem hat sie die Chance, sich einen eigenen Namen zu machen. Dieses Modell hat sich beispielsweise in den Niederlanden bereits deutlich stärker durchgesetzt als hier in Deutschland. Seit seiner Gründung 2015 arbeitet das Start-up curassist jedoch auch an einer weiteren Verbreitung in Deutschland.

curassist erleichtert Pflegekräften den Einstieg und die Arbeit in der Freiberuflichkeit, indem es ihnen die ersten Schritte in die Freiberuflichkeit erleichtert und die fortlaufend anfallenden Verwaltungsaufgaben abnimmt. So fällt für sie der bürokratische Teil der Arbeit weg und sie haben mehr Zeit für die eigentliche Pflegetätigkeit zur Verfügung. "Zeitmangel ist eins der größten Probleme in der Pflege", erklärt Thomas Müller, Gründer von curassist und selbst seit vielen Jahren im Pflegebereich tätig "Man möchte gerne wirklich für die Patienten da sein und ihnen die bestmögliche Pflege bieten, aber oft reicht es nur für die Grundpflege".

Hinzu kommen die wechselnden Schichten und die häufigen Überstunden, die es erschweren, sich von der Arbeit zu erholen. Viele Pflegekräfte mögen ihren Beruf, haben aber irgendwann nicht mehr die Kraft, ihn auszuüben. Andere kommen aus organisatorischen Gründen nicht mit diesen Arbeitszeiten zurecht – sie können beispielsweise keine Spätschichten übernehmen, weil sie nachmittags für ihre Kinder da sein müssen. Besonders diese Personengruppen sind es, die curassist ansprechen möchte. Es geht darum, vorhandenem Potenzial, das nur nicht genutzt werden kann, zugunsten der Pflegekräfte und der Allgemeinheit wieder eine Plattform zu geben.

Neue Chancen dank freiberuflicher häuslicher Pflege

Freiberuflichkeit bietet einige neue Chancen, von denen auch die Patienten profitieren. Freiberufliche Einzelpflegekräfte im ambulanten Bereich versorgen meist nur um die vier Patienten. So können sie besser auf jeden einzelnen sowie auf die jeweilige Situation eingehen. Auch individuelle Wünsche können so besser berücksichtigt werden, beispielsweise, wenn Patienten möchten, dass die Einzelpflegekraft zu einer ganz bestimmten Uhrzeit zu ihnen nach Hause kommt. Während Patienten sich bei Pflegediensten oft mit vorgegebenen Strukturen zufriedengeben müssen, kann die Pflege hier flexibler an den Tagesablauf des jeweiligen Menschen angepasst werden. Sein Gefühl von Selbstbestimmtheit kann auf diese Weise erhalten bleiben. Für die Patienten hat es außerdem den Vorteil, dass sie eine feste Bezugsperson für die Pflege haben, statt sich auf wechselndes Personal einstellen zu müssen. Freiberuflichkeit bietet somit eine Perspektive für die Pflegebranche, die es sich lohnt, weiter zu fördern.


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