Philipp, 26, arbeitet seit eineinhalb Jahren in der Finanzdienstleistungsbranche. Er verwaltet große Mengen an Kundengeldern von institutionellen Anlegern wie Banken, Städten und Kirchen. Sein Jahresgehalt bewegt sich zwischen 50.000 und 60.000 Euro plus 15.000 Euro Boni.

Mit meinem ersten Gehalt habe ich mir erst mal einen Samsung-Voll-HD-Fernseher für 1.000 Euro gekauft, und wenn ein neues iPhone auf den Markt kommt, dann ist das auch sofort meins. Geld allein macht vielleicht nicht glücklich, aber es macht einen großen Teil des Glücks aus. Mit mehr Geld habe ich mehr Freiheiten. Mehr Freiheiten bedeuten mehr Spaß, weil ich dann tun kann, was ich will:

Wenn ich im Drei-Sterne-Restaurant essen will, dann mache ich das einfach. Und wenn in einen Flieger nach New York steigen will, um dort für 6.000 bis 7.000 Euro Urlaub zu machen, dann mache ich das auch. Vorausgesetzt, ich bekomme Urlaub. Daran hakt es ja meist, wenn man viel Geld verdient: Man hat keine Zeit mehr, es auszugeben. Trotzdem würde ich mehr Gehalt immer mehr Zeit vorziehen. Mehr Geld zu verdienen ist mir auch wichtiger als ein gutes Verhältnis zum Chef oder Kollegen. Zumindest für eine gewisse Zeit. Gerade passt bei mir glücklicherweise beides. Doch wenn man mir anbieten würde, für 200.000 Euro Jahresgehalt mit durchweg unsympathischen Kollegen zu arbeiten, ich würde es sofort machen.

Ich musste mich hocharbeiten. Meine Mutter arbeitet nicht, mein Vater in der Personenbeförderung. Daher kommt meine Motivation, etwas aus mir zu machen. In meiner Dreizimmerwohnung, in der ich jetzt lebe, bin ich zufrieden. Trotzdem möchte ich irgendwann mal eine Wohnung mit Pool auf dem Dach oder ein großes Haus mit Garten. Ich brauche dieses Mehr an Luxus vielleicht nicht, aber ich will es haben. Ja, ich glaube, ich bin süchtig nach Geld. Gerade erst habe ich einen Trade an der Börse abgeschlossen, mit 15 Prozent Gewinn in nur 13 Stunden. Das ist ein Wahnsinnsgefühl, dieses Mehr. Dass es beim Geld kein Limit nach oben gibt, sieht man an den Superreichen. Irgendwann ist man eben auf einem Level angelangt, da braucht man dann die dritte Jacht, weil man Bock drauf hat.

In Beziehungen geht es mir ähnlich: Wenn ein Freund es sich nicht leisten kann, mit nach New York zu kommen, empfinde ich das als Einschränkung. Es muss nicht jeder meiner Freunde viel Geld haben. Ein gewisses Potenzial, an der eigenen finanziellen Situation etwas ändern zu können, muss ich aber schon sehen. Mir ist wichtig, dass meine Freunde nach etwas Größerem suchen und sich entwickeln wollen. Das kann auch ein künstlerisches Talent sein. Am wichtigsten ist mir Zielstrebigkeit. Nur wie zielstrebig jemand ist, lässt sich in Geld ganz gut messen.