Wir wollen von ZEIT ONLINE Lesern wissen: Haben Sie schon einmal Diskriminierung am Arbeitsplatz oder bei der Bewerbung erfahren?  Wurden Sie schon einmal aufgrund Ihres Geschlechts, Hautfarbe oder Äußeren benachteiligt – oder weil Sie zu einer bestimmten Gruppe gehören? Schicken Sie Ihre Geschichte an debatte-arbeit@zeit.de. Hier erzählt Anetta, 26 Jahre alt, warum Sie es als junge Frau bei Vorstellungsgesprächen nicht einfach hat.

Mit Verlaub, aber diese Frage gehört meines Wissens nicht in ein Bewerbungsgespräch. So habe ich mir meine Antwort für zukünftige Bewerbungsgespräche schon zurechtgelegt, wenn mal wieder die Frage nach dem Kinderkriegen aufkommt. Klingt vielleicht ein bisschen besserwisserisch, aber so spiele ich den Ball zurück und fange gar nicht erst an rumzustottern.

Bei zwei von zwei Vorstellungsgesprächen ist es mir nun passiert, dass ich gefragt wurde, wie es denn mit der Familienplanung aussehe. Einmal hat der Personaler es so formuliert, dass ich nicht wusste, ob er jetzt einen Scherz macht oder nicht. Ich glaube, seine Worte waren: "Und ihr Freund kümmert sich dann um Haus und Garten, wenn Sie bei uns anfangen?" Was soll man denn darauf sagen?

Lügen möchte ich bei dieser Frage nicht, auch wenn einige Bewerbungstrainer dazu raten. Da geht es mir ums Prinzip. Ich bin nun mal Mitte 20, ich möchte in nächster Zeit eine Familie gründen – und trotzdem davor und danach und, wenn es geht, auch während der Schwangerschaft arbeiten können.

Die Frage nach der Familienplanung sollte beiläufig klingen

Dass diese Frage wirklich verboten ist, hat mir eine Freundin erst erklärt, nachdem ich schon zwei Mal völlig unvorbereitet damit konfrontiert wurde. Ich war auch ein bisschen naiv und schlecht vorbereitet.

Ich habe einen Master in Volkswirtschaft, meine Noten sind gut und ich habe bei internationalen Firmen in der IT-Branche Praktika gemacht. Ich habe mich auf meine Fähigkeiten konzentriert und kam damit ganz gut an. Jedenfalls hatte ich während der Gespräche den Eindruck. Beide Male haben die Personaler die Frage nach der Familienplanung erst ganz zum Schluss gestellt. Wahrscheinlich sollte es beiläufig klingen, so dass ich gar nicht merke, was gerade passiert. Wenn ich ehrlich bin, habe ich das ja auch nicht so richtig.

Beim ersten Gespräch habe ich noch völlig ehrlich geantwortet. Ich habe gesagt, dass ich jetzt  Berufserfahrung sammeln will, aber dass Familie und Vereinbarkeit für mich ein wichtige Themen sind. Mein Freund und ich wollen unbedingt Kinder. Beim zweiten Gespräch habe ich  in etwa das Gleiche gesagt, nur etwas weniger selbstbewusst. Ich habe es mehr gemurmelt. Mir war da schon bewusst, dass meine Antwort auf diese Frage nicht das ist, was die Personaler hören wollten. Deshalb wollte ich es nicht zu laut sagen. Das hat es wahrscheinlich noch schlimmer gemacht.

Beide Unternehmen haben mir eine Absage geschickt. Ohne Begründung. Aber statt mich jetzt mit deren Personalabteilung herumzuschlagen oder gar zu klagen, habe ich mir eben diesen Satz zurechtgelegt. Mein Bewusstsein für Diskriminierung ist seitdem enorm gestiegen.

Wenn ich abends bei einem Glas Wein im Freundeskreis darüber spreche, dann dauert es nicht lange, bis jemand anderes von einer ähnlichen Erfahrung erzählt. Ich kann mich richtig aufregen, wenn ich merke, was wir Frauen uns gefallen lassen müssen. Im Studium hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich – weiß, gebildet, hetero – mal diskriminiert werden würde. Sagt einem ja auch niemand.