"Mit dem Grundeinkommen bin ich einfach entspannter"

Die Pferdewirtin Stina Onescheit war gerade arbeitslos, als sie bei einer Verlosung der Initiative Mein Grundeinkommen gewann. Seit Januar hat sie 1.000 Euro extra monatlich auf ihrem Konto – und inzwischen auch wieder einen Job.

Die Mail mit der Gewinnbenachrichtigung habe ich erst für Spam gehalten. Deshalb habe ich nicht auf den Link geklickt, der zu meinem Gewinn führen sollte. In meinem Profil auf der Website von Mein Grundeinkommen stand noch nichts von einem Gewinn. Ich hatte meine Losnummer verloren und konnte sie nicht mit den Gewinnnummern vergleichen. Erst als ich sie mir erneut habe zuschicken lassen, kam heraus: Ich habe wirklich gewonnen!

Natürlich habe ich mich riesig gefreut. Denn so war mein Start in Frankfurt viel entspannter. Mein Freund hatte dort eine neue Stelle gefunden, ich wollte mit ihm umziehen und hatte meinen Teilzeitjob in Hamburg deshalb gekündigt – ohne eine neue berufliche Perspektive. Vorher habe ich mir viele Gedanken über meine Zukunft gemacht. Das Grundeinkommen hat mir diesen Stress genommen. Ich wusste, dass ich finanziell abgesichert bin.

Als Erstes habe ich einen Flug nach Neuseeland gebucht, eine Freundin hatte mich zu ihrer Hochzeit in der Nähe von Wellington eingeladen. Ich hatte schon abgesagt, weil ich mir die Reise nicht leisten konnte. Jetzt ging es doch und ich habe sie überrascht.

"Von dem zusätzlichen Grundeinkommen habe ich mir ein Auto gekauft: einen 20 Jahre alten Opel Corsa für 750 Euro."
Stina Onescheit

Ansonsten habe ich mir von dem Geld erst mal nichts Besonderes gegönnt, sondern meine alltäglichen Ausgaben bezahlt. Miete, Lebensmittel, Versicherungen, Handy. So viel blieb am Ende des Monats von den 1.000 Euro gar nicht übrig. Ein paar Mal bin ich mit meinem Freund essen gegangen.

Von Anfang an war mir klar, dass ich mich nicht ein Jahr lang auf der Couch ausruhen würde, das wäre mir viel zu langweilig. Außerdem saß mir das Arbeitsamt im Nacken: Jede Woche habe ich fünf Jobangebote bekommen, die mir aber alle nicht zusagten. Deshalb war ich echt froh, als ich die Stelle bei der Lufthansa entdeckt habe. Sie haben Tierpfleger und Pferdewirte für die Tierstation am Frankfurter Flughafen gesucht. Im Juli habe ich als Aushilfe auf 450-Euro-Basis angefangen. Dann wurde sehr schnell eine Vollzeitstelle frei und ich verdiene jetzt 1.300 Euro netto. Das reicht für mich zum Leben.

Von dem zusätzlichen Grundeinkommen habe ich mir ein Auto gekauft: einen 20 Jahre alten Opel Corsa für 750 Euro. Jetzt brauche ich nur noch 20 Minuten zur Arbeit statt vorher eineinhalb Stunden. So sehe ich meinen Freund mehr und habe wieder Zeit für meine Amateurtheatergruppe. Den Rest des Grundeinkommens will ich für eine weitere Reise nach Neuseeland sparen: drei Wochen lang mit einem Camper durchs Land.

Ich weiß, Geld macht nicht glücklich, aber mit dem Grundeinkommen bin ich einfach entspannter. Würde ich es dauerhaft bekommen, ich würde bestimmt weniger arbeiten und mehr reisen. Und mehr Zeit mit meinem Freund verbringen.

Bedingungsloses Grundeinkommen - 1.000 Euro im Monat, einfach so Ein Berliner Start-up verlost Grundeinkommen auf Zeit. Schon 85 Menschen haben gewonnen, das Konzept bleibt umstritten. © Foto: Mein Grundeinkommen e.V.