Ich habe noch nie blaugemacht. Selbstverständlich. So wie auch meine Kollegen noch nie blaugemacht haben. Zumindest nicht, wenn ich einer kleinen Umfrage im Beisein anderer Kollegen trauen darf. Einfach so zu Hause geblieben? Haha. Nee, das würde ich nicht machen. Du etwa? Niemals. Nicht einfach so, ohne Grund.

Als ich später beim Bier noch mal fragte und im Vertrauen beim Kaffeeholen, veränderten sich die Antworten. Ja, okay, das eine Mal. Ganz unfreiwillig, beim Festival zugeparkt und es dann nicht mehr rechtzeitig nach Hause geschafft. Die Steuererklärung musste noch gemacht werden. Der Liebeskummer hat die Sinne benebelt. Der Kater den Körper gelähmt. Der Kopf brauchte einfach mal eine Pause. Und ja, wenn ich ehrlich bin: Auch ich bin schon mal liegen geblieben, vor langer Zeit. Natürlich nicht in diesem Job.

Aussagekräftige Studien zum Blaumachen gibt es kaum. Das Karriereportal Glassdoor will rausgefunden haben, dass zehn Prozent aller Befragten schon vereinzelt blaugemacht haben. Was vereinzelt bedeutet und wie lange die Befragten trotz guter Gesundheit nicht zur Arbeit gekommen sind, geht aus der Pressemitteilung zur Befragung nicht hervor. Und in einer Umfrage von YouGov gab mehr als jeder fünfte deutsche Befragte zu, in den letzten zwölf Monaten krankgemacht zu haben. Die Gründe? Die Blaumacher wollten unter anderem liegen gebliebene Alltagsaufgaben wie Haushalt und Arztbesuche erledigen (17 Prozent), ihren Kater auskurieren (zehn Prozent) oder einfach mal faul sein (14 Prozent).

Es ist verboten

Dass es zum Blaumachen nur wenig Informationen gibt, hat einen einfachen Grund: Es ist verboten. Wer nicht arbeiten geht, obwohl er könnte, verstößt gegen das Entgeltgesetz. Findet der Arbeitgeber Beweise dafür, dass sich Mitarbeiter haben krankschreiben lassen, obwohl sie gesund waren, darf er fristlos kündigen. Heißt: Wer blaumacht, der schweigt besser.

Wir wollen trotzdem mehr darüber erfahren. Weil uns das Blaumachen etwas über Fehlentwicklungen in unserer Arbeitswelt verraten kann. 

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Die Fehlzeiten in Deutschland steigen: Im Schnitt fehlte im Jahr 2015 jeder Arbeitnehmer an 15,2 Tagen im Job. Ein Jahr zuvor waren es noch 14,4 Tage, 2013 sogar nur 11,8 Tage. Das geht aus dem Bericht der Bundesregierung "über den Stand von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit" hervor. Der Fehlzeitenreport der AOK zeigt außerdem: Der häufigste Grund für Abwesenheiten sind psychische Belastungen. Mehr als zehn Prozent aller Fehltage gehen im Report der AOK darauf zurück. Im Vergleich zum Jahr 2004 hat sich dieser Anteil fast verdoppelt.

Ihr Fehlzeitenreport sage nichts darüber aus, wie hoch der Anteil der Blaumacher unter den Krankschreibungen ist, warnen die Macher der AOK-Studie. Doch die Zahlen verraten etwas darüber, wie es den Berufstätigen in Deutschland geht. Tendenz: schlechter als noch vor einigen Jahren. 

Woran liegt das? An der ständigen Erreichbarkeit? An der Auflösung der Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben? An der Diskrepanz zwischen dem Anspruch besonders der jungen Berufstätigen, weniger Zeit im Job zu verbringen, und der Wirklichkeit (1.813 Millionen Überstunden jährlich)? Oder an einer Unternehmenskultur, die immer mehr von den Mitarbeitern verlangt und immer weniger auf sie achtet?

Einen Zusammenhang zwischen Fehlzeiten und der Unternehmenskultur hat der Fehlzeitenreport der AOK 2016 bereits nachgewiesen. Wer sich in seiner Firma wohlfühlt, sich mit deren Zielen identifiziert und erlebt, dass der Arbeitgeber loyal hinter ihm steht, wird der Studie zufolge deutlich seltener krank.

Kontraproduktives Arbeitsverhalten

Conny Antoni, der an der Universität Trier zu Stress und Work-Life-Balance forscht, vermutet, dass es einen ähnlichen Zusammenhang zwischen schlechter Unternehmensführung und dem Krankfeiern gibt. Psychologisch betrachtet sei das Blaumachen eine Form des kontraproduktiven Arbeitsverhaltens. So nennen Psychologen es, wenn Mitarbeiter absichtlich die Interessen einer Organisation verletzen. Das kann bedeuten, dass ein Mitarbeiter mutwillig Arbeitsgeräte kaputt macht, schlecht über seine Vorgesetzten redet oder eben blaumacht.

"Übergeht ein Unternehmen seine Mitarbeiter bei wichtigen Entscheidungen, obwohl eine Beteiligung in den Raum gestellt wurde und erwartet wird, bricht es den psychologischen Vertrag", sagt Antoni. "Dies kann dazu beitragen, dass Mitarbeiter dann eher geneigt sind, auch ihren Teil des psychologischen Vertrags nicht einzuhalten, also zum Beispiel Probleme laufen zu lassen oder, wenn sich die Gelegenheit bietet, später oder auch mal gar nicht zur Arbeit zu erscheinen." Viele Arbeitnehmer handelten nach dem Motto: Wie du mir, so ich dir.

Blaumachen als Schutz vor Burn-out?

Nehmen sich Mitarbeiter beim Krankfeiern also den verdienten Ausgleich für Überstunden, den sie auf legalem Wege nicht bekommen? Genehmigen sie sich präventiv eine selbst gewählte Auszeit, bevor sie sich wegen Burn-out oder stressbedingter Rückenschmerzen für mehrere Wochen krankschreiben lassen müssen? Oder schwindet die Autorität der Arbeitgeber, weil die einen nicht mehr täglich um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen und die anderen sowieso nicht mehr auf unbefristete Anstellung hoffen? Mit Ihrer Hilfe wollen wir es herausfinden.