Ein Garten am Rande von Stockholm, die Wiese ist frisch gemäht und neben der Villa glitzert der Pool in der Sonne. Amanda öffnet die Tür der weißen Holzvilla und führt in eine große helle Küche. Hohe, cremefarbene Einbauschränke, ein Strauß bunter Herbstblumen auf dem großen naturbelassenen Holztisch. An den Wänden hängen Kinderzeichnungen: Bienen, Hunde, im Kreis tanzende Menschen. "Ich bin eine Luxusmutter", sagt Amanda.

Sie muss sich oft dafür rechtfertigen. Amanda ist 45 Jahre alt und Lehrerin. Ihr Mann, ein Rechtsanwalt, arbeitet mehr als 60 Stunden pro Woche. Sie haben drei Kinder, fünf, neun und 13 Jahre sind sie alt. Ihren Nachnamen will Amanda nicht in den Medien lesen. Der Grund: Sie und ihr Mann gehören zu den wenigen Paaren, die es sich leisten können, von einem Gehalt zu leben. Amanda arbeitet nicht mehr. Das ist in Schweden nicht üblich – knapp 80 Prozent der Frauen haben hier einen Job. Zu Hause bleiben ist verpönt.

Sie wollen nicht, sie müssen

Dabei spricht vieles dafür, dass die Schwedinnen das Arbeiten gar nicht glücklich macht. Studien belegen, dass es auch anderen Frauen so geht wie Amanda – nur dass viele von ihnen eben arbeiten müssen und nicht zu Hause bleiben können. Der finanzielle Druck zwingt Familien zum doppelten Vollzeitjob: Aufgrund hoher Lebenshaltungskosten und unsicherer Arbeitsbedingungen sind die meisten Familien auf das doppelte Einkommen angewiesen. Dass die Mehrheit der schwedischen Mütter Vollzeit arbeitet, liegt oft nicht daran, dass sie es wollen, sondern müssen. Mag die fast gleichberechtigte Beschäftigung von Männern und Frauen aus deutscher Sicht vorbildlich aussehen, das schwedische Modell ist nicht perfekt.

Damit sich Familie und Beruf vereinbaren lassen, gibt es in Schweden eine Elternversicherung, das Pendant zum deutschen Elterngeld, die 30 Jahre zuvor eingeführt worden ist. Seither arbeiten in Schweden viel mehr Frauen als vorher. Und weil der Staat jedes Elternteil für sich besteuert, lohnt es sich für Paare nicht, dass einer voll verdient und der andere zu Hause bleibt. Ab dem zweiten Lebensjahr haben schwedische Kinder zudem ein Recht auf einen Vollzeit-Kindergartenplatz – unter der Voraussetzung, dass beide Eltern eine volle Stelle haben. 90 Prozent der Familien nutzen diese Plätze. Im Umkehrschluss heißt das: Nur sehr wenige Eltern arbeiten auf einer halben Stelle oder gar nicht.