Die Recherche zu diesem Artikel war nicht besonders aufwendig. Die meisten Frauen, mit denen wir über Sexismus im Beruf gesprochen haben, mussten kaum nachdenken, bis ihnen ein Spruch von Kollegen und Chefs einfiel, der sie bis heute beschäftigt. Mal war es ein Hinweis darauf, dass es sich für Frauen nicht gehört, durchsetzungsstark zu sein, mal ein Kommentar über Brüste, mal ein unangebrachter Kosename.

39 Prozent der Frauen haben schon beispielsweise zweideutige Kommentare und Witze mit sexuellem Bezug im Job gehört – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2015. 22 Prozent der Frauen mussten sich am Arbeitsplatz sexuell aufgeladene Fragen zu ihrem Privatleben oder ihrem Aussehen gefallen lassen. Auch 19 Prozent der Männern haben Letzteres erlebt. In diesen Zahlen noch nicht enthalten: herabsetzende Kommentare und Bemerkungen, die Kompetenz aufgrund des Geschlechts absprechen.

Warum diese Sätze mehr sind als nur "dumme Sprüche" – sondern auch gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schaden anrichten –, erklärt die Sozialpsychologin Charlotte Diehl im Interview mit ZEIT ONLINE Arbeit.   

"Wenn's bei dir mal nicht mehr läuft, kannst du dich wenigstens noch hochschlafen!"

   – mein Kollege (25 Jahre, arbeitet als Fotografin)

"Ich habe bei dir oft das Gefühl, dass ich dich nicht führe, sondern dass du mich mit einem Anschnalldildo bumst."

    – mein Vorgesetzter im Feedbackgespräch (33 Jahre, arbeitet im Kulturbetrieb)

"Trag doch mal häufiger Röcke oder Kleider, das sieht hübscher aus und freut auch die Kunden."

   – mein Projektleiter (30 Jahre, Unternehmensberaterin)

"Du weißt, ich nehme Frauen nicht so ernst wie Männer. Ich bin eben ein Frauenhasser."

   – mein Doktorvater (28 Jahre alt, Doktorandin)  

"Hätte ich gewusst, dass du dich ausziehst, wenn es warm wird, hätte ich die Heizung längst aufgedreht."

   – mein Kollege, nachdem ich mir im aufgeheizten Kopierraum meinen Pullover ausgezogen habe (35 Jahre, arbeitet bei der Polizei)

"Schau her, ist das nicht lustig?"

   – mein Kollege, während er Pornos im Büro guckte und mir unbedingt zeigen wollte, was es da "Witziges" zu sehen gab (19 Jahre, IT-Branche)

"Wenn ich deinen blauen Augen nur vertrauen könnte!"

   – mein Kollege, während einer Diskussion über ein technisches Problem (36 Jahre, Managerin)

"Und, gehen Sie jetzt zur Kita?"

   – mein Gesprächspartner am Ende eines Meetings um kurz nach elf Uhr am Vormittag (42 Jahre, Journalistin)

"Meine Frau darf niemals wissen, dass ich mit einer Rothaarigen zusammenarbeite."

   – der Ingenieur, der mir auf dem Oktoberfest an den Hintern gegriffen hat (32 Jahre, Ingenieurin)

"Schöne Beine, Frau Meier*!"

   – die Reaktion meines Kollegen auf mein Foto in der Fachzeitschrift, in der es um eine Konferenz ging, die ich moderiert und mitorganisiert habe (31 Jahre, arbeitet in der Kreativbranche) (*Name geändert)

"Warum guckst du immer so grimmig? Jetzt lächle mal!"

   – E-Mail vom Kollegen im Großraumbüro (28 Jahre, arbeitet in der Unternehmenskommunikation)

"Ihr Kind landet sicher auf dem Drogenstrich!"

   – der ernsthaft entsetzte CEO eines mittelständischen Unternehmens, nachdem ich ihm gesagt habe, dass ich nach der Geburt meines Kindes weiter in verantwortungsvoller Position arbeiten will (42 Jahre, Managerin)

"Komm, setz dich zu uns, damit wir etwas Hübsches zum Angucken haben."

   – mein Vorgesetzter, im Beisein von Kollegen (32 Jahre, Physikerin)

"Du bist doch auch lesbisch, oder? Welche Frau tut sich sonst die Unfallchirurgie freiwillig an?"

   – mein Kollege (30 Jahre, Ärztin)

"Kein Problem, ich treff mich immer gerne mit attraktiven Frauen."

   – mein Chef, nachdem ich mich für ein Meeting mit ihm bedankt habe (28 Jahre, arbeitet bei Die Grünen)

"Als Frau haben Sie doch immer einen sicheren Arbeitsplatz."

   – mein Chef, als er mich kündigte (27 Jahre, Art-Direktorin)

"Wann hatten Sie das letzte Mal Sex?"

   – mein potenzieller Chef beim Vorstellungsgespräch für einen Job in der Fußballbranche (33 Jahre, Social-Media-Beratung) 

"Danke, Schatzi!💋"

  – der Leiter einer Kulturinstitution, als schriftliche Antwort auf meine E-Mails bezüglich der Arbeit (36 Jahre, freie Autorin)

"Sie haben zwei starke Argumente, die für Sie sprechen."

   – mein Professor mit dem Blick auf meinen Oberkörper (32 Jahre, Ingenieurin)

"Im Kleid gefällst du mir aber besser."

   – mein Kollege (28 Jahre, PR)

"Sag mal, stören dich die Brüste gar nicht beim Operieren?"

   – ein Oberarzt im OP, wir sind nicht offiziell per Du (30 Jahre, Ärztin)  

"So wie die herumkommandiert, ist die sicher chronisch untervögelt."

   –  mein Kollege über unsere Chefin (29 Jahre, Journalistin)

"Das war aber nicht komisch für dich, oder?"

   – mein Chef, am Morgen nachdem er mich bei einem Außeneinsatz auf sein Hotelzimmer bestellte, um mir einen Porno zu zeigen, und ich mich verstört aus dem Staub machte (28 Jahre, Journalistin)

"Warum kämpfen Sie so hart wie ein Mann? Haben Sie ein Problem damit, eine Frau zu sein? Sind Sie arm?"

   – mein Chef bei einer Gehaltsverhandlung (30 Jahre, arbeitet in einer Kanzlei)

"Süße, ich mag es, wenn du so bossy zu mir bist."

  – mein Mentor (28 Jahre, Start-up-Gründerin)

"Das ist Hanna. Hat sie nicht schöne Beine in ihrem schwarzen Röckchen?"

   – der Restaurantleiter, der mir einen Arm um die Schulter legte und mich männlichen, wohlhabenden Gästen präsentierte (15 Jahre, Gastronomie)

"Dann beweg deinen fetten Arsch zum Chef und klär das!"

   – der Gast, den ich darauf hingewiesen habe, dass ich ohne Garderobenmarke keine Jacke herausgeben darf (22 Jahre, arbeitet in einem Club)

"Wenn du dich auf die Bühne stellst, dann schauen die Leute doch lieber hin!"

    – mein Kollege (29 Jahre, arbeitet in der IT-Branche)

"Und, was macht deine Frauenspaßgruppe?"

   – mein Chef über mein Künstlerkollektiv (27 Jahre, Kuratorin)

"Na, euch haben sie dann wohl als Augenweide dazu geladen?"

   – ein Redner bei einer Podiumsdiskussion, der mit mir auf der Bühne saß (30 Jahre, Gründerin)

"Du bist so eine Bitch!"

– Kollege während der Probe (22, Schauspielerin)

"Also, Sie haben den Vertrag. Sie müssen mir aber versprechen – bis zu meiner Pensionierung in einem Jahr werden Sie nicht schwanger!"

   – mein Chef im Vorstellungsgespräch (30 Jahre, Ärztin)

Haben Sie sich auch unangebrachte Sprüche im Beruf anhören müssen? Schreiben Sie uns, egal ob Sie Frau oder Mann sind. Wir planen einen Folgeartikel.