Pingpong

Jedes mittelmäßige Berliner Start-up hat eine Tischtennisplatte. Neidisch erzählten die Kollegen, die mit dieser Branche häufiger zu tun haben, welch entspannten Eindruck die jungen Gründer auf sie gemacht hätten, wenn sie von der Platte an den Schreibtisch kamen. Also pongen wir seit etwa einem Jahr auch. Aber ich glaube, wir machen es falsch. Aus einer willkommenen Ablenkung ist ein rabiater Wettkampf geworden, den wir womöglich etwas zu ernst nehmen. Mittlerweile irritieren unsere Schreie die Kollegen ebenso stark wie die Passanten, die bei hitzigen Duellen von der Glasfassade unseres Büros erschrocken zurückweichen. Wer verloren hat und die Niederlage für alle sichtbar in die Tabelle eintragen muss, wird schon bald von den Aasgeier-Kollegen zum Duell gefordert. Am schlimmsten sind Kantenroller. Wenn der Zelluloidball gerade noch so auf die Tischkante titscht, ist er unmöglich zu erreichen. Es gibt darin einige Spezialisten. Mittlerweile sind das die unbeliebtesten Kollegen.
Fabian Scheler, Sportredakteur bei ZEIT ONLINE

Fern-Scrabblen

Am wichtigsten ist es, den Applaus abzuschalten. Immer dann nämlich, wenn es gelingt, alle sieben Buchstabensteine auf einmal abzulegen, sendet das Fern-Scrabble-Portal einen sekundenlangen Beifall, der sich wie ein warmer tropischer Regenguss anhört. Schon schmeichelhaft, irgendwie. Aber in der Redaktion? Besser die Lautsprecher rechtzeitig auf null stellen! Sich stumm über die 50 Extrapunkte freuen und auf den nächsten Zug der Gegnerin warten und ihren verdutzten Kommentar. Oder ihr "Glückwunsch! Das Wort kannte ich noch gar nicht." Denn das ist das Schöne am Fern-Scrabble: dass man es nicht gegen einen gefühlskalten Computer spielt, sondern gegen einen Menschen aus Fleisch und Blut. Mit dem man zwischen den Zügen ein wenig plaudern kann – über die Freuden des Alltags, die Unbilden des Wetters. Oder die Wunder des deutschen Wortschatzes. Applaus muss da nicht sein. Sonst fragt am Ende der vielschreibende Kollege von nebenan noch, wie denn die App heiße, die da offenbar nach jeder gelungenen Formulierung Beifall klatscht. "Wie im Ferienflieger nach der Landung! Hast du das wirklich nötig?"
Wolfgang Lechner, Chef vom Dienst der ZEIT

Torwandschießen

Unser Büro wird täglich zum aktuellen Sportstudio. Dann treffen wir uns mit etwa fünf Leuten zum Torwandschießen – oder präziser: Eimerschießen. Unsere Wand hat zugegeben nur ein Tor, einen ausrangierten Papierkorb, den ich mit Spanngurten befestigt habe. Davor liegt stilecht ein Streifen Kunstrasen. Die Regeln sind wie im ZDF: Jeder darf sechsmal schießen. Wer die wenigsten Tore schießt, muss für alle Kaffee holen. Seit zwölf Jahren halten wir das so und ich bestehe darauf, dass wir uns jeden Tag die Zeit dafür nehmen.
Mirko Bosse, Layouter der ZEIT

Rückenschmerzen? Steifer Nacken? Youtube-Gymnastik hilft © Raul Soria für ZEIT ONLINE

Tele-Gym

Locker kreisen, rechts und rechts, links und links: Seit wir die Fitnessvideos auf YouTube entdeckt haben, gönnen wir uns zwei Einheiten am Tag. Aufstellung vor dem Computer und dann nachgemacht, was die Dame vom Tele-Gym uns vorturnt. Zum Piepen, die Osteoporose-Gymnastik aus den Neunzigern. Auch gut: hübsche junge Männer mit Theraband-Übungen (ein Theraband haben wir natürlich in der Schublade) oder der ernsthafte Dr. Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln. Hauptsache, es sind keine Bodenübungen dabei. Dazu ist unser Büro zu klein. Und die Kollegen halten uns eh schon für plemplem.
Silke Michels, Sachbearbeiterin des ZEIT Verlags

Peak

Wenn mein Laune am Schreibtisch abfällt, ist es Zeit für Peak: ein Sammelsurium von Spielen auf dem Mobile. Es geht um fixes Denken, Sortieren, Rechnen und Reagieren. Im Grunde genau das, was ich auch im Job mache. Die Spiele heißen Smile on me oder Puzzle Box oder Object Find oder Word Fresh. Ich bin schlecht, meine Punktzahl geht rauf und runter, es ist demütigend. Klar: Deswegen muss ich dranbleiben. Trainieren. Sagt Peak. Ich nehme das sehr, sehr ernst.
Anna von Münchhausen, Textchefin der ZEIT