Wir wollten von ZEIT-ONLINE-Lesern wissen: Haben Sie schon einmal Diskriminierung am Arbeitsplatz oder bei der Bewerbung erfahren? Hier erzählt Johanna*, 20 Jahre alt, wie Arbeitgeber reagieren, wenn sie von ihrer Epilepsie erzählt:

Ich liebe es, Torten zu backen und zu verzieren, deshalb möchte ich Konditorin werden. Erst gestern habe ich wieder eine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz abgeschickt. Ich will nicht negativ klingen, aber ich rechne damit, dass es wegen meiner Epilepsie wieder nicht klappt.

Es ist für mich keine Option, die Epilepsie einfach zu verschweigen, denn pro Woche habe ich zwei bis drei Anfälle. Es kommt also eh bald raus. Bei einem Anfall werde ich bewusstlos, mein Körper verkrampft sich und manchmal höre ich auch für ein paar Sekunden auf zu atmen. Nach ungefähr einer Minute ist normalerweise aber alles vorbei und ich komme wieder zu Bewusstsein. Es ist trotzdem wichtig, dass Kollegen Bescheid wissen, damit sie richtig reagieren und Erste Hilfe leisten können. Wenn alle nur schockiert rumstehen, gefährde ich mich selbst.

Ich möchte trotz meiner Krankheit arbeiten und ich bin nicht wählerisch, im letzten Jahr habe ich mich auf verschiedene Ausbildungen und um Aushilfsjobs beworben: als Verkäuferin in einer Bäckerei, als Zahnarzthelferin, als Buchhändlerin, in einem Kaffeehaus. Ich hatte einige Bewerbungsgespräche und fast alle liefen super. Oft wurde mir die Stelle schon während des Gesprächs quasi zugesagt. Bis zum Schluss die Frage kam, ob es von meiner Seite noch etwas gebe. Worauf ich geantwortet habe: Ja, ich habe Epilepsie.

"Der Glaube, dass Epilepsie zwangsläufig mit einer geistigen Behinderung einhergeht und dass Epileptiker weniger leistungsfähig sind als gesunde Menschen, ist in unserer Gesellschaft immer noch verankert."

Es ist ein Satz, den man nicht harmloser formulieren kann, weil Epilepsie nun mal nicht harmlos ist. Auf ihn folgen verlässlich: Ausflüchte, warum man leider, leider keine Epileptikerin einstellen könne. Sieben Mal habe ich das jetzt schon erlebt. "Das geht in diesem Beruf leider nicht. Da brauchen wir jemanden, der voll da ist." Etwa so lautet die Reaktion meistens und die Aussage spricht Bände: Jemanden, der voll da ist? Bin ich als Epileptikerin denn geistig abwesend? Der Glaube, dass Epilepsie zwangsläufig mit einer geistigen Behinderung einhergeht und dass Epileptiker weniger leistungsfähig sind als gesunde Menschen, ist in unserer Gesellschaft immer noch verankert.

Bei einer Bäckerei hieß es auch mal: Was, wenn Sie bei einem Anfall in die Schneidemaschine fallen? Das ist aber kompletter Schwachsinn. Ich spüre die Anfälle kommen und falle nicht plötzlich in ein Messer rein. Ich kenne andere Epileptiker, die einen Job gefunden haben. Aber viele erleben das Gleiche wie ich. Sobald man im Vorstellungsgespräch die Epilepsie erwähnt, heißt es nur noch: "Vielen Dank, wir melden uns." Tatsächlich hört man nie wieder was.  

Natürlich bedeutet es für Firmen etwas Aufwand, Menschen mit einer Behinderung zu integrieren. Aber es ist nicht unmöglich, den Arbeitsalltag mit einer Epileptikerin zu organisieren. In der Schule ging es ja auch. Nachdem ich mit 16 Jahren die Diagnose Epilepsie bekam, habe ich mich vor die Klasse gestellt und erklärt, was bei einem Anfall zu tun ist: den Kopf weich lagern, mich auf keinen Fall festhalten, wenn ich krampfe und mir auch nichts in den Mund schieben, die Atmung kontrollieren und falls sie zu lang aussetzt, den Notarzt rufen. Beim Schuldirektor gab es für alle Fälle noch ein Notfallmedikament für mich. Das war's dann aber auch schon.

* Name geändert.