Mein Job

Beruf: Ich bin Schauspieler und trete auf verschiedenen Bühnen im Rhein-Main-Gebiet auf. Meistens engagieren mich die Theater für ein Stück. Manchmal bekomme ich eine Pauschale für die Wochen, in denen wir proben. Manchmal werde ich aber auch nur pro Aufführung bezahlt.

Ausbildung: Nach dem Abitur habe ich ein Freiwilliges Kulturelles Jahr an einem Kinder- und Jugendtheater gemacht und angefangen, selbst auf der Bühne zu stehen. Danach habe ich eine dreijährige Ausbildung an einer privaten Schauspielschule in Mainz absolviert. Dort hatte ich Fächer wie Sprecherziehung, Tanzen, Singen und Fechten. 350 Euro musste ich monatlich dafür bezahlen.

Wöchentliche Arbeitszeit: Das variiert stark. Manchmal habe ich nur drei Proben pro Woche, in den Hochphasen verbringe ich 60 bis 70 Wochenstunden mit Proben, Auftritten und Lernen von Texten. An manchen Tagen bin ich dann von 10 bis 22 Uhr beschäftigt. Aber das macht mir nichts aus, ich arbeite gern. Zusätzlich habe ich in den letzten Jahren in einer Kneipe gekellnert, ungefähr 60 Stunden im Monat.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Im Schnitt verdiene ich im Monat als Schauspieler vielleicht 600 oder 700 Euro. Mit Kellnern habe ich rund 300 Euro dazuverdient. Weil ich in den letzten Monaten eine Festanstellung bei einem Theater hatte, habe ich nicht in der Kneipe gearbeitet. Aber im neuen Jahr werde ich wahrscheinlich wieder mit dem Kellnern anfangen müssen, sonst komme ich nicht über die Runden.

Wie viel ich verdiene, ist von Monat zu Monat sehr unterschiedlich. Bei großen Produktionen bekomme ich für sechs Wochen, in denen wir proben, pauschal etwa 1.500 Euro und zusätzlich 100 Euro pro Vorstellung. Gerade spiele ich bei einer kleineren Produktion mit, da gibt es keine Probenpauschale und nur 45 Euro pro Auftritt. Vor Kurzem hatte ich zum ersten Mal einen festen Vertrag für vier Monate. Da habe ich monatlich 1.900 Euro brutto verdient – so viel wie noch nie.

Nettoeinkommen: Von den 1.900 Euro, die ich während der Festanstellung verdient habe, blieben 1.250 Euro netto übrig. Wenn ich nicht fest angestellt bin, verdiene ich bisher so wenig, dass ich keine Steuern oder Sozialabgaben bezahlen muss, außer Krankenkassenbeiträgen. Die kosten mich 160 Euro im Monat. Ich würde gerne der Künstlersozialkasse beitreten, um versichert zu sein, wenn ich krank, alt oder pflegebedürftig werde. Aber es ist schwierig, als Schauspieler da reinzukommen.

Meine Ausgaben

Miete: Meine Dreier-WG in Mainz hat 70 Quadratmeter. Jeder von uns zahlt 330 Euro, inklusive Strom, Internet und anderer Nebenkosten.

Lebensmittel: Etwa 400 Euro. Ich bin viel unterwegs und komme selten zum Kochen. Ich muss viel auf die Hand kaufen. Das ist leider teuer.

Verkehrsmittel: Ein Auto habe ich nicht. Meine Bahntickets zu den Proben und Auftritten zahlen die Theater. Bei meinem viermonatigen Engagement habe ich in Hanau ein Zimmer für 160 Euro im Monat gemietet, um nicht jeden Tag drei Stunden pendeln zu müssen.

Handy: 20 Euro.

Spotify: 10 Euro.

Altersvorsorge: Keine. Aber ich will mich demnächst darum kümmern, dass ich der Künstlervorsorge beitrete. Da kann man seinen Beitrag frei wählen, mindestens jedoch 12,50 Euro im Monat.

Kleidung: 70 Euro. Die Bühnenkostüme zahlen die Theater.

Körperpflege: 20 Euro, inklusive eines 15-Euro-Haarschnitts alle drei Monate.

Freizeit: Etwa 100 Euro. Meistens gehe ich nur ein paar Bier in der Kneipe trinken.

Reisen: Urlaub kann ich mir nicht leisten. Diesen Herbst war ich mit meiner Mutter zwei Wochen in Kalifornien, das war mein erster richtiger Urlaub seit vielen Jahren. Bezahlt hat natürlich sie, das hätte ich nicht stemmen können.

So viel bleibt am Ende übrig:

An Sparen ist im Moment nicht zu denken. Wenn ich am Ende des Monats ein paar Euro auf dem Konto habe, gebe ich sie aus, um mich als Schauspieler zu vermarkten: Ich lasse neue Fotos für meine Bewerbungsmappe machen oder fahre zu Workshops und Weiterbildungen. Oder ich stecke das Geld in Instrumente oder Musikausrüstung. Ich singe in einer Hardrock-Band und genieße es, mich ohne Kommandos von Regisseuren auf der Bühne austoben zu können. Das ist für mich mehr als ein Hobby: Ich hoffe, eines Tages auch damit Geld verdienen zu können.