Wenn man eine Weile bei Danone arbeitet, kann es passieren, dass man eine Farbe zugeteilt bekommt. Knallrot etwa, wenn man zum Typ Initiator zählt. Ist man eher der sorgsame Beobachter: Blau. Gelb bekommt man, wenn man zu den Inspiratoren gehört, die andere zu begeistern verstehen. Ein Persönlichkeitstest verrät den Danone-Angestellten, welcher Farbtyp sie sind. Stefanie Rothweiler, Head of Talent Management bei Danone, sagt: "Jeder Mensch besitzt eine andere Kombination der vier Farben. Es ist also niemand ganz grün oder ganz gelb, sondern es geht auch hier um die Mischung."

Die Farbzuordnung soll helfen, besser miteinander klarzukommen – glaubt man zumindest im Unternehmen: "Unterschiedliche Farben sprechen unterschiedliche Sprachen", sagt Rothweiler. Im Workshop übt man bei Danone daher, wie man am besten miteinander umgeht: Rot mit Grün und Blau mit Gelb und Gelb mit Rot und Grün mit Blau und so weiter.

Die Teamarbeit gilt als das Gute, Wahre, Schöne des modernen Arbeitslebens. Und trotzdem geht sie dauernd schief

Insights-Discovery-Präferenz-Profil nennt sich die Lehre, nach der Danone die Teamarbeit zu verbessern versucht. Personalerin Stefanie Rothweiler hat auch ihr eigenes achtköpfiges Team in so ein Training geschickt. Manche Abteilungen haben eher einen Gelb- oder Blaustich, Rothweilers Team ist dagegen: ziemlich bunt gemischt. Welchen Farbtupfer ihr der Psychotest verpasst hat, darüber schweigt Rothweiler – das Ergebnis sei für sie aber "nicht sehr überraschend" ausgefallen. 

Die Gruppenarbeit boomt. Firmen richten Großraumbüros ein, in fast jeder Stellenanzeige wird Wert auf Teamfähigkeit gelegt. Eine Umfrage eines Cloud-Speicherdienstes belegte vor wenigen Wochen erst das gute Image der Kollaboration: 62 Prozent der befragten Wissensarbeiter in Deutschland schätzen das Gemeinschaftsarbeiten – ein höherer Wert als in anderen europäischen Ländern. Die Teamarbeit gilt als das Gute, Wahre, Schöne des modernen Arbeitslebens – als etwas, das eigentlich überhaupt nicht schlecht sein kann. Und trotzdem geht sie dauernd schief.

Studien zeigen, dass Gruppen zu extremeren Entscheidungen neigen als Einzelpersonen – leider auch zu extrem dummen Entscheidungen

Ende des 19. Jahrhunderts beobachtete der französische Agraringenieur Maximilien Ringelmann erstaunt: Spannt man zwei Pferde vor eine Kutsche, bringen sie nicht etwa doppelt so viel Leistung wie ein einzelnes – sondern weniger als das Doppelte. Ringelmann wiederholte die Versuche mit Menschen und stellte fest, dass sie beim Tauziehen in der Gruppe weniger fest zupacken als einzeln – weil sie sich koordinieren müssen, einander ausbremsen und dadurch Energie verlieren. Aber auch, weil sich ein jeder auf den anderen verlässt.

Unzählige Untersuchungen belegen seither, dass Menschen in der Gruppe mitunter weniger leisten als allein. Ökonomen der TU Darmstadt und der Universität Turin werteten vor einigen Jahren Daten aus 7.000 Schwimmwettkämpfen aus. Ihr Ergebnis: Die Sportler waren im Einzelwettbewerb schneller als in der Staffel. Andere Studien zeigen, dass Gruppen zu extremeren Entscheidungen neigen als Einzelpersonen – leider auch zu extrem dummen Entscheidungen, weil alle dem vermeintlichen Konsens folgen. Teamarbeit ist also: sehr verbesserungswürdig.